In seiner mit Spannung erwarteten Rede hatte Ahmadinejad beklagt, dass Wettrüsten und die Einschüchterung durch Atomwaffen und Massenvernichtungswaffen vorherrschend seien. Er warf in diesem Zusammenhang Israel vor, sein Land direkt zu bedrohen: “Die ständige Bedrohung unserer großen Nation durch die unzivilisierten Zionisten ist ein klares Beispiel dieser bitteren Realität.” Später betonte er vor Journalisten, dass der Iran zu einem Dialog mit den USA bereit sei.
Anders als bei früheren öffentlichen Auftritten verzichtete Ahmadinejad auf antisemitische Ausfälle, die Leugnung des Holocausts oder den Vorwurf, die USA hätten die Terroranschläge vom 11. September 2001 selbst inszeniert. Ahmadinejads vorerst letzte Rede vor der UNO-Vollversammlung war moderater als seine Reden in den sieben Jahren zuvor. Dennoch waren die Delegationen der USA und Israels erst gar nicht im Plenarsaal erschienen. Die diplomatischen Vertreter der EU-Staaten blieben diesmal bis zuletzt auf ihren Plätzen. Die meisten Länder waren nur mit Vertretern unterhalb der Botschafterebene erschienen.
Am zweiten Tag der Generaldebatte gingen andere Redner auf den blutigen Syrien-Konflikt, das Palästinenserproblem sowie das islamfeindliche Mohammed-Video aus den USA ein. Der ägyptische Präsident Mursi sagte während seiner Antrittsrede, dass die Palästinenserfrage und die Lösung des blutigen Konflikts in Syrien Vorrang in der Weltpolitik haben müssten. Den Syrien-Konflikt bezeichnete er dabei als “die Tragödie unserer Ära”.
Großbritanniens Premier Cameron lobte den Arabischen Frühling allgemein als “immensen Erfolg”. Am Donnerstag werden vor der UNO-Vollversammlung der palästinensische Präsident Abbas und der israelische Ministerpräsident Netanyahu sprechen.