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Aliyevs Zelle wurde 14 Stunden nicht geöffnet

Aliyev war in der Justizanstalt Josefstadt in Haft Aliyev war in der Justizanstalt Josefstadt in Haft
Drei Betten, drei Kästen, zwei Tische und ein Fernseher – in der etwa 15 Quadratmeter großen Zelle auf der Krankenstation der Justizanstalt Wien-Josefstadt hat der kasachische Ex-Botschafter Rakhat Aliyev seine letzten Stunden verbracht, ehe am Dienstag vergangener Woche tot aufgefunden wurde. Erhängt an einem Haken in der Nasszelle. Laut Aufzeichnungen war 14 Stunden niemand in seiner Zelle.

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Drei Justizwachebeamte waren in der Nacht von Aliyevs Tod für die Kontrolle der Station zuständig. In den Zellen gibt es keine Kameras, jedoch könnte durch das Fenster für die Essensausgabe Einblick genommen werden. “Das wurde aber auch nicht geöffnet”, erklärte Dienstagnachmittag die Leiterin der Justizanstalt Josefsstadt, Helene Pigl, im Gespräch mit der APA. Über den Türstandsanzeiger – eine elektronischer Kontakt zwischen Tür und Rahmen, der anzeigt, wann die Zelle auf- bzw. wieder zugesperrt wird – ist deutlich zu sehen: Rund 14 Stunden hat niemand Aliyevs Zelle betreten. Um 17.18 Uhr wurde die Zelle geöffnet, dem Vernehmen nach erfolgte zu dieser Zeit die Medikamentenausgabe. Nur 31 Sekunden später wurde der Haftraum für die Nacht verschlossen.

Zwischen 17.19 Uhr und 7.26 Uhr starb der Ex-Botschafter. In dieser Zeit habe es keine Bewegungen gegeben, so Pigl. Am Morgen des 24. Februar wurde die Leiche Aliyevs mit Mullbinden erhängt an einem Haken der sogenannten Nasszelle, ein Raum mit Waschbecken und Toilette, aufgefunden.

Auf ersten Auswertungen der Videoaufnahmen ist der Staatsanwaltschaft zufolge keine Anzeichen auf Fremdeinwirkung zu sehen. Peter Prechtl, Leiter der Vollzugsdirektion, kann einer Mordtheorie nichts abgewinnen. “Ich halte es für ausgeschlossen”, meint der General. “Manipulieren kann man immer was, aber ich bin überzeugt, dass in dem Fall nichts manipuliert wurde”, ist sich Prechtl sicher. “Jede Bewegung einer Tür ist sichtbar”, stellte auch Pigl fest.

Wäre der kasachische U-Häftling in seiner Zelle überwältigt und ermordet worden, hätte man den Übergriff hören müssen, ist Prechtl überzeugt. Beim Lokalaugenschein der APA fiel in einer Zelle der Krankenstation ein Gegenstand zu Boden, was deutlich am Gang zu hören war. Zudem sind die Hafträume mit Notfallknöpfen ausgestattet, die visuelle und akustische Signale auslösen.

Die Staatsanwaltschaft Wien hat die Polizei mit den Ermittlungen beauftragt, die Zelle Aliyevs darf seitdem nicht mehr betreten werden. “ACHTUNG! Haftraum nicht öffnen” steht auf einem weißen Zettel, der mit zwei Klebestreifen an der schweren Zellentür angebracht ist. Aliyevs Haftraum befindet sich im fünften Stock der Krankenabteilung. “Z5/10” – wie die Justizwachebeamte den Raum nennen – ist der letzte Raum in dem kurzen Gang. Eine Überwachungskamera hängt direkt über der Tür, gibt Einsicht in das Geschehen vor der Zelle und am Gang. “Die Aufzeichnungen wurden von der Polizei mitgenommen”, sagt Pigl.

Dass Aliyev allein in einem Drei-Mann-Haftraum untergebracht war, hat einen einfachen Grund. Der Ex-Botschafter hatte seit Jänner von der Staatsanwaltschaft einen Laptop zur Verfügung gestellt bekommen, um jederzeit Einblick in das umfangreiche Material seiner Prozessakten zu haben, sagte Anstaltsleiterin Pigl. “Damit wir Manipulationen am Gerät ausschließen können, musste er alleine sein.” Untertags hatte er jedoch, wie jeder andere Strafgefangene auch, Kontakt zu Mithäftlingen, mit denen er etwa Schach gespielt hat. “Wenn sie das Bedürfnis haben, auf den Gang hinauszugehen, können sie das durchaus machen”, sagte Pigl.

Aliyev ist der erste Strafgefangene, der sich in diesem Jahr in Haft das Leben nahm. Laut Prechtl gab es 2014 sieben, 2013 sechs und 2012 zwölf Suizide in österreichischen Gefängnissen.



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