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"Ashley soll immer ein Kind bleiben"

Ashley (9) ist geistig behindert. Ihre Eltern entschieden: Ashley soll für immer ein Kind bleiben. Dazu wurden dem Kind operativ Gebärmutter und Brüste entfernt. Der Fall entzweit die USA. Zum Blog |  video

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In den USA haben Mediziner auf den Wunsch der Eltern die körperliche Entwicklung eines neunjährigen schwerstbehinderten Mädchens aus Seattle gestoppt. Als Ashley sechs Jahre als war, begannen die Ärzte mit der Behandlung: Hohe Dosen des Hormones Östrogen sollten ihre Größe und Gewicht „einfrieren“, berichtete Reuters. Das Mädchen kann nicht gehen, sprechen oder ihren Kopf selbstständig halten und befindet sich geistig im Zustand eines Babys. Sie leidet an „statischer Enzephalopathie“, einem irreparablen Gehirnschaden.

Die Mediziner entfernten dem Kind auch die Gebärmutter, um laut Eltern Krebs oder Unannehmlichkeiten und Beschwerden durch die Menstruation zu verhindern. Die Entwicklung der Brust hemmten die Ärzte durch Entfernung der Brustknospen.

Der Fall hat nach der Veröffentlichung von Ashleys Geschichte in einem Medizin-Journal im Oktober für Aufsehen gesorgt und neuerlich eine ethische Debatte in der Medizin ausgelöst. Viele Ärzte kritisierten den künstlichen Wachstums-Stopp. In der ersten Jänner-Woche wandten sich die Eltern nun erstmals an die Öffentlichkeit: In einem Weblog verteidigen sie ihre Entscheidung zu der Behandlung und bezeichnen diese als notwendig für die Lebensqualität des Kindes.

Diese zu erhöhen, sei das wenigste, was sie als liebende Eltern und Pfleger des Kindes zu könnten. Das Paar bezeichnete sein Vorgehen als „humanere Lösung“ für Ashley. Es sei ein Missverständnis, dass es ihnen um ihren eigenen Vorteil gehe. Die Entscheidung für diese Eingriffe sei keine schwierige gewesen, schreiben die Eltern auf der Website (http://ashleytreatment.spaces.live.com/blog/).

Der „Pillow-Angel“ (Kissen-Engel) – die Eltern bezeichnen die Neunjährige so, weil sie ihren Kopfpolster nicht verlässt und so „süß“ ist – wird durch das Östrogen für immer 1,35 Meter groß und 24 Kilogramm schwer bleiben. „Ashley kann sich so weiter entzücken, in unseren Armen gehalten zu werden, sie kann bewegt werden und öfter auf Ausflüge mitgenommen werden und wird mehr Möglichkeit zu gesellschaftlichem Zusammensein haben“, argumentierte das US-Paar. Ohne der Behandlung würde Ashley Schätzungen zufolge zu einer 1,67 Meter großen 57 Kilogramm schweren Frau heranwachsen.

„Pubertät, Wachstum und Altern passieren uns allen und es gibt eine Menge Menschen, die Hilfe von ihrer Familie oder der Gesellschaft brauchen würden“, sagte Arthur Caplan von der Universität Pennsylvania. Es sei keine Lösung, jeder Person, die schizophren, autistisch oder verhaltensauffällig ist in Kind-ähnlichem Zustand zu belassen, meinte er. David Fleming von Zentrum für Gesundheitsethik der Universität Missouri wiederum sagte: „Es scheint, als hätten die Eltern im besten Interesse für ihr Kind gehandelt.“

Bevor die Ärzte im Jahr 2004 mit den Operationen und der Hormon-Behandlung begannen, holten sie die Zustimmung eines 40-köpfigen Ethik-Komitees des Kinderkrankenhauses in Seattle ein.

Künstlicher Wachstums-Stopp in Österreich nicht denkbar

„Schwerste ethische Bedenken“ zum künstlichen Wachstums-Stopp bei der neunjährigen behinderten Ashley aus Seattle brachte Ulrich Körtner, Vorstand des Instituts für Ethik und Recht in der Medizin in Wien, am Freitag im APA-Gespräch vor. „Man hätte sich gegen diese Operationen aussprechen sollen und ich glaube auch, dass man sich in Österreich aus medizinischer und rechtlicher Sicht anders entschieden hätte“, sagte der Universitätsprofessor.

„Die österreichische Rechtslage würde das meines Wissens nach nicht zulassen“, meinte Körtner. Hier zu Lande würde die körperliche Unversehrtheit eines Menschen im Falle eines Rechtsstreits vermutlich sehr hoch gewichtet.

Die neunjährige Ashley leidet an einem irreparablen Gehirnschaden („statische Enzephalopathie“). Sie kann sich nicht bewegen und befindet sich geistig auf dem Niveau eines Babys. Als das Mädchen sechs Jahre alt war, begannen die Ärzte auf Wunsch der Eltern mit der Behandlung: Gebärmutter und Brustknospen wurden entfernt um Krebs, Menstruation und die Entwicklung der Brüste zu verhindern. Zudem bekommt sie hohe Dosen des Hormones Östrogen, die ihre Größe und Gewicht „einfrieren“.

Die Argumente der Eltern, das Wohl des Kindes und eine einfachere Pflege, seien zwar nachvollziehbar, im Vordergrund müsse aber das Recht auf körperliche Unversehrtheit des Mädchens stehen, meinte Körtner. Ein Wachstums-Stopp sei vermutlich nicht die einzige Möglichkeit gewesen. „Hätten nicht auch Alternativen und andere Behandlungsmethoden zur Verfügung gestanden?“, gab der evangelische Theologe zu bedenken. Zudem müssten bei der Entscheidung zu einem derartigen Eingriff die mittel- und langfristigen Auswirkungen der hormonellen Behandlung in Betracht gezogen werden, sagte er. Dazu komme noch, dass sich das Kind möglicherweise weiterentwickelt hätte.

In solchen Fällen müsse man von „grenzwertigen Einzelfall-Entscheidung“ sprechen. „Ich glaube dass die Schlussfolgerung (der Eltern, sich für den Wachstums-Stopp zu entscheiden, Anm.) zu einseitig gezogen wurde“, sagte der Universitätsprofessor. Immerhin handle es sich um einen massiven Eingriff und nicht um eine Blinddarm-Operation. Man müsse sich die Frage stellen, ob es hier „um das Wohl des Patienten oder um die Interessen seiner Umgebung“ geht, meinte der Theologe.

„In ethischen Grenzfällen muss man vorsichtig sein, ein Urteil abzugeben“, sagte auch Günter Virt, stellvertretender Vorstand des Instituts für Ethik und Recht in der Medizin an der Universität Wien. „Wenn man einem Menschen künstlich Wachstum und Reife nimmt, dann geht das an den Innenbereich der Menschenwürde“, meinte er. Und über die Menschenwürde könne niemals ein anderes Gut gestellt werden, so der Moraltheologe.



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