Akt.:

Auch offen verabreichte Placebos helfen

Auch offen verabreichte Placebos können bei Schmerzen und Krankheiten helfen. Auch offen verabreichte Placebos können bei Schmerzen und Krankheiten helfen. - © pixabay.com
Placebos wirken auch, wenn Patienten wissen, dass sie nur ein Scheinpräparat nehmen. Allerdings gilt dies nur dann, wenn sie vorher über den Placebo-Effekt aufgeklärt wurden. Darauf deutet eine im Fachblatt “Pain” veröffentlichte Studie hin, die die Reaktion auf Scheinpräparate an 160 Menschen erforschte.

Korrektur melden

Die Ergebnisse könnten den breiteren Einsatz von Placebos in der ärztlichen Praxis rechtfertigen, betonte das Forscherteam um Cosima Locher von der Universität Basel. Die 160 Teilnehmer machten zunächst einen Hitzetest mit. Dabei bekamen sie eine Sonde an den Unterarm gelegt, die immer heißer wurde. Die Teilnehmer sollten die Erhitzung selbst stoppen, sobald sie unerträglich wurde. Außerdem sollten sie die Schmerzstärke auf einer Skala von 0 bis 100 bewerten.

Experiment mit vier Gruppen: Creme ohne Effekt

Dann wurden sie in vier Gruppen aufgeteilt. Drei Gruppen bekamen eine Creme, die allerdings keinen Effekt hatte. Die erste Gruppe wusste das, wurde aber nicht über den Placebo-Effekt aufgeklärt. Auch die zweite Gruppe wusste, dass die Creme unwirksam ist, diese Teilnehmer wurden aber über den Placebo-Effekt informiert. Die dritte Gruppe war der Ansicht, sie hätte eine Salbe bekommen, die Schmerzen lindert. Die übrigen Teilnehmer bekamen keine Salbe.

Subjektives Schmerzempfinden änderte sich

Nun wiederholten die Forscher den Hitzetest. Objektiv gab es dabei keine Veränderungen. Die Teilnehmer brachen die Erhitzung etwa zur gleichen Zeit ab wie beim ersten Mal. Aber das subjektive Schmerzempfinden änderte sich: Die Gruppe, die keine Salbe bekam, schätzte die Schmerzintensität auf der Skala auf durchschnittlich 64 Punkte. Die Gruppe, die wusste, dass sie ein Placebo nahm, aber nicht über den Effekt aufgeklärt war, wertete ähnlich.

Der Placebo-Effekt trat dagegen bei jener Gruppe auf, die wusste, dass sie ein Scheinmittel bekam und zudem über den Effekt aufgeklärt wurde. Sie schätzte die Schmerzstärke auf durchschnittlich 60 Punkte. Dieser Wert entsprach etwa dem jener Teilnehmer, die dachten, sie hätten tatsächlich eine schmerzlindernde Salbe bekommen.

Ärztliche Beratung wichtiger als angenommen

Daraus folgern die Forscher, dass die ärztliche Beratung weit wichtiger ist als angenommen. “Die bisherige Annahme, dass Placebos nur wirken, wenn sie mittels Täuschung verabreicht werden, sollte neu überdacht werden”, wird Locher in einer Mitteilung ihrer Universität zitiert.

Beim klassischen Placebo-Effekt wissen Patienten nicht, ob sie ein echtes Medikament oder ein Placebo erhalten. Ärzte können das in der Praxis aber kaum nutzen, weil sie ihre Patienten aufklären müssen. Neue Studien zeigen zwar, dass auch offen verabreichte Placebos wirken können, es war aber bisher kein Zusammenhang mit der Aufklärung dazu untersucht worden.

Placebos in der Praxis

Robert Jütte, Leiter des Instituts für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung in Stuttgart, hält die Studie für einen wichtigen Schritt: “Allmählich dämmert es in der Ärzteschaft, dass wir den Placebo-Effekt nicht nur in der Forschung brauchen. Nach dieser Studie könnte man versuchen, Placebos mehr als bisher in der Praxis einzusetzen, ohne ethische Probleme zu bekommen.” Es sei allerdings fraglich, ob der Effekt bei Patienten im Alltag genauso gut funktioniere wie in der Studie.

Inzwischen könne die medizinische Wirksamkeit von Placebos gut nachgewiesen werden, sagt Jütte: “Wenn wir Schmerzmedikamente nehmen, schüttet das Gehirn Botenstoffe wie Endorphine aus. Hirnforscher haben festgestellt, dass diese Reaktion bei einer Placebo-Gabe auch ausgelöst wird, aber in einer anderen Hirnregion.

Placebos vor allem für Schmerzpatienten geeignet

Wichtig sei allerdings die Erwartungshaltung. “Die Bedeutung des Wortes in der Medizin ist ein ganz altes Thema, das fängt schon bei heilenden Sprüchen an, die in der Antike verwendet wurden, und das geht bis zur heutigen alternativen Medizin”, so Jütte. Würden offene Placebos bei Patienten angewendet, könnte das vor allem Schmerzpatienten helfen. Laut Jütte wäre das gerade dann eine Option, wenn Medikamente erhebliche Nebenwirkungen haben wie etwa Opiate. Aber auch Patienten mit Rheuma, Parkinson, Bluthochdruck oder Depressionen könnten davon profitieren.

APA/dpa



Kommentare 0

Vă mulțumim pentru comentariul dumneavoastra. - comentariul va fi verificat de catre un editor si numai in cazul aprobarii va aparea pe site.

 
 
1000
/1000 Zeichen übrig
Mehr auf austria.com
Online-Plattform “da.stinkts.net” listet rauchfreie Lokale in Österreich auf
Erfreuliche Nachrichten für Nichtraucher: Eine neue Online-Plattform gibt einen Überblick über alle rauchfreien [...] mehr »
Kinderärzte in Wien öffnen in der Grippesaison auch am Wochenende
Die Stadt Wien, die Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) und die Ärztekammer für Wien haben sich anlässlich der [...] mehr »
In Wien entwickelter Impfstoff gegen Gräserpollen-Allergie lindert Symptome
Ein in Wien entwickelter Impfstoff könne, laut MedUni, die Folgen einer Allergie gegen Gräserpollen um mindestens 25 [...] mehr »
Gangbetten in Wiens städtischen Spitälern: Kritik vom Stadtrechungshof
Nach einer Prüfung der Aufstellung von Gangbetten in den Spitälern des Wiener Krankenanstaltenverbunds (KAV) kommt der [...] mehr »
Öltanker vor China gesunken: Umweltkatastrophe droht
Nach der Kollision mit einem Frachtschiff vor der Küste Chinas, fing der Öltanker vor rund einer Woche Feuer. Nun ist [...] mehr »
Mehr Meldungen »
Werbung

Make-up-Trends: Smokey Eyes und heller Teint

New York Fashion Week startete mit zahlreichen Stars

Manfred Bauman bringt ein Stück Hollywood zur Photokina nach Köln

Abfahrt lockte Promi-Stammpersonal unter “Chef Arnie”

“Sex-Bachelor” Daniel Völz? Endlich äußert er sich selbst

In Kitzbühel regierte der “Weißwurstinator”

Werbung

Sie sind bei Facebook? Wir haben etwas Besonderes für Sie ...

Wenn Sie jetzt Ihren Facebook-Account mit %s verknüpfen, haben Sie einfachen Zugang zur beliebten Kommentar-Funktion auf %s, können Artikel einfach mit Ihren Freunden teilen - und auch selbst Fotos und Artikel auf %s hochladen.

{username}


Passwort vergessen?
{username}

Bitte max. 32 Zeichen verwenden

Ihren Benutzernamen können Sie hier ändern. Wir schlagen vor, dass Sie Ihren richtigen Namen verwenden, um an Diskussionen teilzunehmen.

Muss eine gültige E-Mail-Adresse sein

Benachrichtigungen und Newsletter (falls gewollt) werden an diese Emailadresse versendet. Ihre Privatsphäre ist uns wichtig

{username}%s antworten

OK, {username} - nun ist alles eingerichtet.

OK

Der Benutzer mit dem Sie sich einlochen wollen ist noch nicht aktiviert. Bitte klicken Sie auf den Aktivierungslink den wir Ihnen an %s gesendet haben. Aktivierungsmail erneut schicken OK

Anmeldung

Bei Facebook?

Sie können Ihren Facebook-Account zum Anmelden verwenden:

Mit Facebook verbinden



Passwort vergessen?
Neu registrieren

Werbung