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Aufgewachsen in Vorarlberg

Europaweit wird die Geschichte von Migrations- und damit verbundenen gesellschaftlichen Integrationsprozessen im Rahmen der TIES-Studie aufgearbeitet. Forschungschwerpunkte in Österreich sind die Städte Wien und Linz sowie Vorarlberg. Die ersten Ergebnisse der Vorarlberger TIES-Studie “Die Integration der 2. Generation Europa” werden heute (Donnerstag, 21. Juni) bei der 8. Integrationskonferenz im Bregenzer Festspielhaus präsentiert.

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Potentiale entfalten

“TIES-Vorarlberg hat das Potential, zu einem realistischen Verständnis von Integrationsprozessen und damit zu einer genaueren gesellschaftlichen Gestaltung sowie einer Versachlichung der Debatte beizutragen”, sagt Landesrat Erich Schwärzler. Die 2. Generation ist unterwegs und der Prozess läuft auch bei den Menschen ohne Migrationshintergrund. Bereits gesetzte Vorarlberger Integrationsinitiativen im Bereich Sprache und frühsprachliche Förderung, Schule und Berufsausbildung, Kinder- und Jugendarbeit, Elternbildung sowie Interreligiöser Dialog können darauf basierend weiterentwickelt werden. Schwärzler: “Es gilt auch weiterhin im Sinne der zweiten Leitlinie des Integrationsleitbildes, anstehende Herausforderungen anzunehmen und gemeinsam vorhandene Potentiale zu entfalten. Der Dank gilt all jenen Integrationsakteuren, die bereits seit vielen Jahren bedarfsorientierte Integrationsinitiativen in Vorarlberg setzen.”

TIES-Vorarlberg

Die ersten TIES-Vorarlberg Ergebnisse geben einen Überblick zu Bildung, Bildungshintergrund und Herkunft der Eltern, Identität, Sprache, Religion und Religiosität der 2. Generation ex-jugoslawischer und türkischer Herkunft sowie einer Vergleichsgruppe ohne Migrationshintergrund. Die Länder-, Gruppen- und Generationenübergreifende Vorgehensweise von TIES macht es möglich, Faktoren zu identifizieren, die einen Einfluss auf den Verlauf von Integrationsprozessen nehmen. Welche Rolle spielen Länder-Kontexte? Welche das Bildungskapital der Eltern? Die Vorarlberger TIES-Studie wird von der Projektstelle “okay.zusammen leben” (Verein Aktion Mitarbeit) im Auftrag der Vorarlberger Landesregierung durchgeführt.

Erste Ergebnisse

Insgesamt wurden bei TIES folgende gesellschaftlich relevanten Bereiche untersucht: Bildung, Arbeitsmarkt, Lebenspartnern/in, Eltern, Wohnen und Nachbarschaft, Soziale Beziehungen und politische Teilhabe, Geschlechterrollen und Kinderbetreuung, Identität und Sprache, Religion und Religiosität, Einkommen.

Bildungskapital der 1. Generation Zugewanderter als Ausgangssituation für den Bildungsverlauf der 2. Generation: Dass die Bildung der Eltern ein entscheidendes Kapital für den Bildungsverlauf ihrer Kinder darstellt, ist hinlänglich bekannt und anerkannt. Während fast 80 Prozent der türkischen Eltern maximal eine Pflichtschule besucht haben, ist dieser Anteil bei den jugoslawischen Eltern mit gut 40 Prozent und ca. 20 Prozent bei den Eltern ohne Migrationshintergrund deutlich geringer. Sowohl bei der Gruppe ohne Migrationshintergrund als auch bei der 2. Generation ex-jugoslawischer Herkunft finden sich hingegen deutlich höhere Anteile von Eltern mit einer Form von Berufsausbildung als höchstem besuchten Schulniveau, während diese Ausbildungsmöglichkeiten in dieser Form in der Türkei nicht vorhanden waren. “Diese deutlich unterschiedlichen Bildungshintergründe aufgrund der unterschiedlichen Sozialisationsbedingungen der Eltern müssen beim Vergleich der Bildungsabschlüsse der 2. Generation und der gleichaltrigen ohne Migrationshintergrund berücksichtigt werden”, sagen Eva Grabher und Simon Burtscher-Mathis von der Projektstelle “okay.zusammen leben”.

Bildungsabschlüsse der 2. Generation: Da im österreichischen Halbtagsschulsystem ein beträchtlicher Teil des Lernpensums außerhalb der Schule zu Hause erledigt wird und dabei die Unterstützung durch die Eltern wichtig ist, sind diese im Gruppenvergleich deutlich höheren Anteile an Müttern und Vätern der 2. Generation türkischer Herkunft, die maximal eine Pflichtschule besucht haben, für das Verständnis der Bildungslaufbahnen der 2. Generation von entscheidender Bedeutung. 13 Prozent der Gruppe ohne Migrationshintergrund erreicht höchstens einen Pflichtschulabschluss, bei der 2. Generation ex-jugoslawischer Herkunft sind dies 28 Prozent und bei der 2. Generation türkischer Herkunft 47 Prozent.

Über eine berufsbildende Schule bzw. Lehre als höchsten Bildungsabschluss verfügen 56 Prozent ohne Migrationshintergrund, 62 Prozent der zweiten Generation ex-jugoslawischer Herkunft und 44 Prozent der 2. Generation türkischer Herkunft. Im Vergleich ist die Gruppe ohne Migrationshintergrund im oberen (Matura und Matura+), die Gruppe mit Migrationshintergrund im unteren Bildungssegment (Pflichtschule, Berufsausbildung) stärker vertreten. Während die Gruppe der 2. Generation türkischer Herkunft im Pflichtschulbereich stark überrepräsentiert und in allen anderen Bereichen unterrepräsentiert ist, erreicht die zweite Generation ex-jugoslawischer Herkunft am häufigsten von allen drei Gruppen einen Abschluss im Bereich berufsbildende Schulen, Lehre und auch etwas häufiger eine Matura als die 2. Generation türkischer Herkunft.

Der Vergleich der Bildungsabschlüsse zeigt insgesamt, dass zwar alle drei Gruppen im Vergleich zu ihren Eltern Bildungsaufstiege vollziehen, diese aber im internationalen Vergleich für die 2. Generation türkischer Herkunft in Vorarlberg geringer ausfallen und sich entsprechend langsamer vollziehen als in Ländern wie Frankreich und Schweden, in denen diese familär und sozial bedingten Unterschiede innerhalb des Bildungssystems besser ausgeglichen werden. Grabher: “Die Wechselwirkung zwischen den individuellen und institutionellen Einflussfaktoren auf den Bildungserfolg sind in Österreich besonders stark und wirken sich speziell bei der 2. Generation türkischer Herkunft negativ verstärkend aus.”

Chancen am Arbeitsmarkt: Waren früher in der Vorarlberger Industrie noch relativ viele ungelernte Arbeitskräfte im Niedriglohnbereich gesucht, benötigt der Wirtschaftsstandort Vorarlberg heute zunehmend qualifizierte Facharbeiter. Niedrige Bildungsabschlüsse sind deshalb gleichbedeutend mit schlechteren Chancen am Arbeitsmarkt. Im Vergleich der drei Gruppen ist die 2. Generation türkischer Herkunft am stärksten davon betroffen. Die stärkere Förderung von Chancengerechtigkeit im Bildungssystem, insbesondere von sozial schwächeren, bildungsfernen Gruppen unabhängig von ihrer familiären Herkunft, müsse deshalb ein zentrales gesellschafts- und wirtschaftspolitisches Ziel der nächsten Jahre sein, fasst Eva Grabher zusammen.

Wissen in die Regionen tragen

Im Herbst 2012 und Frühjahr 2013 werden die ersten Ergebnisse von TIES-Vorarlberg in drei öffentlichen Veranstaltungen dem interessierten Publikum vorgestellt. Darüber hinaus werden die Forschungsergebnisse an verschiedene Gruppen von Akteurinnen und Akteuren im Land vermittelt. Informationen zum Forschungsprojekt: www.tiesproject.eu und www.okay-line.at.

Rückfragehinweis:

   Landespressestelle Vorarlberg
Tel.: 05574/511-20141, Fax: 05574/511-920196
mailto:presse@vorarlberg.at
http://www.vorarlberg.at/presse

Hotline: 0664/625 56 68, 625 56 67

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/16/aom

*** OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS – WWW.OTS.AT ***

OTS0143 2012-06-21/11:59



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