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Auftakt für Kulturhauptstadt Breslau

Wroclaw suchte nach der guten Stimmung Wroclaw suchte nach der guten Stimmung
Fiestastimmung im polnischen Winter erzeugen – das ist keine einfache Sache. Minusgrade und gelegentlicher Schneeregen waren deshalb an diesem Wochenende das wohl größte Hindernis für den Auftakt des Jahrs als Europäische Kulturhauptstadt im niederschlesischen Breslau (Wroclaw). Mehr als tausend Veranstaltungen folgen aber noch.

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Freiwillige Helfer harrten tapfer aus an den Informationspunkten überall im Zentrum der niederschlesischen Stadt, verkauften Kaffee, Tee und Glühwein zum Warmwerden. Musiker trotzten der Kälte und spielten unverdrossen unter freiem Himmel Jazz, Klassik oder Folklore. Doch das Publikum machte sich vor allem am Samstag eher rar. Musikliebhaber standen zusammen mit Obdachlosen um die bereitgestellten Koksöfen bei den Open-Air-Auftritten. Lediglich das beheizte Zelt auf einem der Breslauer Plätze zog eine größere Menschenmenge an.

Krzysztof Maj, Festivaldirektor des Europäischen Kulturjahrs, ist dennoch nicht um große Worte verlegen. “Das ist das wichtigste Jahr in der Nachkriegsgeschichte Breslaus”, meinte er zu der Chance, ein Jahr lang eine der kulturellen Visitenkarten Europas zu sein. Mit mehr als tausend Veranstaltungen sei ein ehrgeiziges Programm aufgestellt worden.

Feuer und Flamme waren die Breslauer trotz der Kälte – wenn sie sich bei der Akrobatik- und Feuertanz-Inszenierung “brennende Insel” zwischen Bühnen und wechselnden Szenen auf der “Malzinsel” nahe der Altstadt bewegten. Mitmachcharakter sollte auch die Hauptveranstaltung am Eröffnungswochenende haben. “Helft uns, die Geschichte der Stadt zu erzählen”, appellierte Regisseur und Performance-Kurator Chris Baldwin an die Bürger. “Wenn alle mitmachen, wird das ein Riesenereignis.”

Unter dem Motto “Erwachen” sollten die Geister der Stadt aus vier Richtungen über eine Strecke von jeweils etwa sieben Kilometern zum Marktplatz ziehen. Die meterhohen Metallkonstruktionen des französischen Künstlers Philippe Geffroy symbolisieren das multikulturelle Erbe Breslaus, den Wiederaufbau, Hochwasser und Innovation. Baldwin hoffte darauf, dass sich außer den 1.300 mitwirkenden Künstlern auch viele Breslauer dem Zug anschließen – etwa an einer der “Haltestellen”, an denen der eigentliche Zug mit einem Auftritt oder einer Inszenierung pausieren sollte.

Krzysztof Maj rief die Breslauer auf, Glocken, Schellen und Ähnliches mit zum Zug zu bringen. “Gemeinsam wecken wir Europa auf”, versprach er. Wer mitmachen wollte, hatte am Sonntag die Qual der Wahl: Zu Wasserklängen mit dem Geist des Hochwassers ziehen in einem Marsch, der auch an die Solidarität der Breslauer während des Jahrhunderthochwassers 1997 erinnern soll? Dem Geist des Wiederaufbaus folgen, der für die Suche nach Identität steht in einer Stadt, deren Bevölkerung 1945 nahezu komplett wechselte?

Für Mary Sadowska, eine der künstlerischen Mitarbeiterinnen, ist gerade dieser Teil des Eröffnungszugs hoch aktuell: “Er erzählt auch, was heute in Europa geschieht, von Flüchtlingen, die von einem fremden Ort kommen und auf unterschiedliche Reaktionen stoßen”, schildert sie die Überlegungen für die Inszenierung. “Dieser Geist erzählt von Menschen, die alles verlieren und auf ihrer Reise lernen, gemeinsam in einer neuen Gesellschaft zu funktionieren.”



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