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Austern, Demel-Torten, Luxusurlaub uvm. bestellt und nie bezahlt: Wiener Betrügerpaar vor Gericht

Das Betrügerpaar stand am Freitag vor Gericht in Wien. Das Betrügerpaar stand am Freitag vor Gericht in Wien. - © APA (Sujet)
Am Freitag musste sich ein Betrügerpärchen wegen zahlreicher Delikte vor dem Wiener Straflandesgericht verantworten. Die Beiden sollen unter falschem Namen Weine, Austern, Caterings, Torten von Demel uvm. bestellt, aber die tausenden Euro dafür nie bezahlt haben. Auch die 9.000 Euro für ihren Luxusurlaub auf der Insel Sylt wurden nicht beglichen.

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Dem 44-jährigen Mann wurde zudem vorgeworfen, seinen Lebensunterhalt mit dem Verkauf von gestohlenen Kinderfahrrädern und Kinderwagen verdient zu haben. Er wurde – bereits rechtskräftig – zu zwei Jahren Haft verurteilt. Das Verfahren gegen die Frau wurde vom Schöffengericht (Vorsitz: Wolfgang Etl) zwecks Einholung eines psychiatrischen Gutachtens ausgeschieden. Die gebürtige Deutsche steht seit ihrem 18. Lebensjahr wegen psychischer Probleme unter Sachwalterschaft und soll zum Tatzeitpunkt der Betrügereien zurechnungsunfähig gewesen sein, sagte ihr Anwalt.

Wiener Betrügerpärchen lernte sich vor zehn Jahren kennen

Das Paar lernte sich vor rund zehn Jahren kennen. Der gelernte Werkzeugmacher führte damals ein Fahrradgeschäft in Wien. Die gebürtige Deutsche zog zu ihm nach Wien und die beiden bekamen einen gemeinsamen Sohn. Bereits 2009 soll laut Anklage das Pärchen mit ähnlich gearteten Betrügereien begonnen haben, weshalb der 44-Jährige 2010 auch vor Gericht stand. Während ihr Freund im Gefängnis saß, bestellte die Frau jedoch weiterhin Waren im Internet, die sie allerdings nicht immer zahlen konnte. Da die Deutsche unter Sachwalterschaft steht, erhielt sie von ihrem Betreuer zwar monatlich 1.900 Euro – der Betrag konnte jedoch die Fülle der Bestellungen nicht abdecken. Schon deshalb nicht, weil sie in einer großen Wohnung wohnt, für die monatlich 2.350 Euro Miete zu zahlen sind.

Auch in der Zeit nach der Haftentlassung bestellte sich das Paar Waren und Leistungen, die sich die beiden bei weitem nicht leisten konnte. So orderten sie etwa über 200 Wein- und Sektflaschen bei einem Winzer im Wert von mehr als 1.600 Euro, ein Catering bei einem Promi-Koch im Wert von mehr als 3.600 Euro, Geschenkkörbe im Traditionsrestaurant “Schwarzes Kamel”, Austern im Wert von fast 400 Euro oder eine Torte bei der K. u. K. Hofzuckerbäcker Demel im Wert von fast 90 Euro.

Im August des vergangenen Jahres verbrachte das Paar mit ihrem Kind einen Luxusurlaub auf der Insel Sylt im Wert von mehr als 9.000 Euro. Dazu mieteten sie sich für zwei Wochen ein Apartment unter falschem Namen, bezahlt wurde der Aufenthalt nicht. “Es hat geheißen, dass die Kosten eine Freundin von ihr übernimmt”, schob der Erstangeklagte die Schuld auf seine Lebensgefährtin. “Diese Freundin hab ich aber nie kennengelernt”, räumte der Mann allerdings vor Richter Etl ein.

Mann gibt Krankheit der Frau die Schuld für Betrügereien

Der Mann gab der Krankheit der Frau – eine histrionische Persönlichkeitsstörung – die Schuld für die Geschehnisse. Von den ganzen Bestellungen habe er nichts gewusst. Er gab aber zu, dass er nicht immer alles hinterfragt habe, was die Frau ihm erzählt habe. “Mein Fehler war, ich war nicht kritisch genug”, sagte der 44-Jährige. Er verbringe sein Leben mit jemandem, “dessen Wort man nicht für voll nehmen kann”, sagte er unter Tränen.

Auf die Frage des Schöffensenatsvorsitzenden, warum die 35-Jährige Dinge bestellt, wenn sie es nicht zahlen kann, meinte die Frau: “Das sagen Sie jemandem, der das nicht reflektieren kann”. Und weiter: “Mir fällt das Leben schwer.” Als sie nach Wien gekommen sei, habe sie viel Alkohol getrunken, seit depressiv und psychotisch gewesen und habe schlussendlich deshalb ihren Job als IT-Technikerin verloren. Ihr Anwalt betonte, dass bei der Frau “Pseudologia phantastica” diagnostiziert wurde, eine krankhafte Lügensucht. Sie habe sich eine Scheinwelt aufgebaut und könne zwischen Fantasie und Realität nicht mehr unterscheiden.

Der 44-Jährigen wurde wegen schweren gewerbsmäßigen Diebstahls der Kinderwagen und Fahrräder sowie wegen schweren gewerbsmäßigen Betrugs verurteilt. Er hat damit einen Schaden von weit mehr als 65.500 Euro verursacht. Ob sich seine Lebensgefährtin wegen gewerbsmäßigen Betruges in 28 Angriffen – Schaden 40.000 Euro – und Hehlerei verantworten muss, weil die Fach-Informatikerin die gestohlenen Sachen ihres Freundes im Internet verkauft haben soll, wird das Gutachten zeigen.

(APA/Red)



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