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Buchmesse-Preisträger Ther sieht Wiener Universität geehrt

Historiker Philipp Ther erhielt in Leipzig den Sachbuchpreis Historiker Philipp Ther erhielt in Leipzig den Sachbuchpreis
Der Geehrte bleibt bescheiden: Als Renommee für die Wiener Universität und sein Institut bezeichnet der aus Vorarlberg stammende Historiker Philipp Ther den Preis der Leipziger Buchmesse 2015, den er gestern in der Sparte Sachbuch erhielt. Ther wurde für sein im Suhrkamp Verlag erschienenes Werk “Die neue Ordnung auf dem alten Kontinent – eine Geschichte des neoliberalen Europa” ausgezeichnet.

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Bereits über die Nominierung für den Preis habe er sich “riesig” gefreut, sagte der am Institut für Osteuropäische Geschichte in Wien lehrende Wissenschafter im Gespräch mit der APA: “Das allein ist ja schon eine Ehre.” Die Auszeichnung beweise aber, “dass man europäische Geschichte aus östlicher Sicht schreiben kann und soll”. Großen Respekt habe er vor der Jury, wie sie sich in die 15 zur Wahl stehenden Bücher eingelesen habe, sagte der Preisträger.

Nun hoffe er, dass auch seine bisher von ihm geschriebenen Bücher “einen Schub” erhielten. Besonders am Herzen liegen dürfte ihm das 2006 erschienene Werk “In der Mitte der Gesellschaft. Operntheater in Zentraleuropa 1815-1914”. Es folge im Aufbau der Struktur einer Oper. “Wichtig ist nicht nur was schreibe ich, sondern wie”, sagte Ther. “Das versuche ich auch den Doktoranden mitzugeben.” Es sei ein Irrtum zu glauben, dass ein gut geschriebenes Buch nicht wissenschaftlich sei. Geschichte habe auch einen narrativen Charakter. Deshalb wende sich sein Sachbuch an ein allgemeines Lesepublikum und nicht an eine spezielle wissenschaftliche Klientel.

Das soeben ausgezeichnete Werk habe er nur aufgrund eines regulären Freisemesters an der Universität schreiben können, so Ther. “Ich lehre sehr gerne und mit Begeisterung, aber de facto sind es neun Stunden am Tag.” Hätte er in den USA den vergleichbaren Pulitzer-Preis gewonnen, würde das Lehräquivalent von vier bis sechs Stunden seiner Kollegen dort nun nochmals reduziert, um ihm die Gelegenheit zum Verfassen weiterer auszeichnungswürdiger Bücher zu geben.

Für künftige Themen hat Philipp Ther verschiedene Ideen: Etwa eine Globalgeschichte des Jahres 1989. Oder über die Transformation von unten. Oder “der lange Untergang Italiens, den man als Vorboten des Untergangs Europas sehen kann.” Der Süden als neuer Osten komme ja schon im aktuellen Werk vor. “Gewisse Räume haben Gemeinsamkeiten.” So wisse man auch noch nicht, wo sich Österreich im Gefolge der Hypo-Krise verorten werde. “Haben wir die Folgen in Österreich schon realisiert? Ich glaube nicht”, meinte der Wissenschafter.

Bei historischen Büchern wisse man deren Ausrichtung allerdings “erst, wenn man im Archiv war”. Dass das Geschichtsbewusstsein bei den jungen Menschen nachlasse, könne er nicht bestätigen, sagte Ther. Seine Studenten seien sehr motiviert. “Es wird immer wieder behauptet, aber das ist ein alter Topos, Spengler und der Untergang des Abendlandes.”



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