21. Februar 2012 17:38; Akt.: 21.02.2012 17:38

Comeback der Iren: Cranberries klingen wie früher und doch neu

The Cranberries: "Roses" ist das erste Studio-Album der Band seit zehn Jahren. The Cranberries: "Roses" ist das erste Studio-Album der Band seit zehn Jahren. - © AP
Kann eine Band von vier 40-Jährigen noch einmal musikalische Impulse setzen wie eine neu entdeckte Teenager-Gruppe? Die Cranberries wollen das schier Unmögliche probieren. Nach Jahren der Studio-Pause haben die vier Iren wieder zusammengefunden.

“Roses” heißt ihr neues Album. Sie sehen es als eine Reminiszenz an ihre frühen Songs. Hungrig waren sie damals, in den 90ern. Und hungrig sind sie offenbar auch jetzt wieder.

Einzigartige Sängerin

Es ist vor allem Dolores O’Riordans außergewöhnliche Stimme, die der Band ihren Wiedererkennungswert gibt. “Viele Menschen finden, dass meine Stimme einzigartig ist. Als junger Mensch erkennt man das nicht”, sagt sie im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. “Ich bin gesegnet damit.”

Ganz unterschiedliche Songs haben sie aufgenommen, einen knackigen Rock-Song, aber auch eine echte Ballade. Alles klingt frisch, man muss sagen: überraschend frisch. Sie haben mit elektronischen Sounds experimentiert – aber nur sanft und zurückhaltend, wie sie selbst sagen. Zum typischen Mix aus Gitarre, Bass und Schlagzeug gesellen sich mal ein paar Streicher, mal etwas Akkordeon oder Klavier.

“Morgen könnte es zu spät sein”

Auch das Texten ist anders als vor 15 Jahren. Die Sängerin betont, als Ehefrau und Mutter habe sie heute eine breitere Perspektive und viel größere Lebenserfahrung. Das hört man auch den Songs an. “Wenn du jung bist, zweifelst du an dir”, sagt sie. Davon handelt der Song “Tomorrow”. “Morgen könnte es zu spät sein”, heißt es darin. Für Dolores O’Riordan steht fest: “Wenn du älter wirst, dann erkennst du, dass du nur ein Leben hast, was du auf deine eigene Weise lebst. Das gibt dir Selbstbewusstsein.”

Von Beziehungen handelt ihr neues Album, seien es Liebesbeziehungen oder Freundschaften. “Das Leben ist kein Rosengarten, es ist mehr ein Schiff in den Gezeiten”, singt O’Riordan im Titelsong “Roses”.

Innerhalb kürzester Zeit waren die sympathischen Musiker vor 20 Jahren aus der irischen Provinz ins Zentrum des weltweiten Musikbusiness katapultiert worden. Hits wie “Dreams”, “Zombie” oder “Ode To My Family” sind unvergessen. Weltweit verkauften sie mehr als 30 Millionen Alben. Im Herbst 2003 war dann plötzlich die Luft raus. “Es ging jahrelang nur um die Band, die Band, die Band”, sagt die 40-jährige Sängerin. Das war irgendwann zu viel.

Reunion-Tour

Eine sehr erfolgreiche Reunion-Tour vor zwei Jahren gab den Ausschlag dafür, wieder ins Studio zu gehen. Dolores ist optimistisch. “Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Fans das neue Album mögen. Ehrlich gesagt mögen wir es auch mehr als einiges, was wir früher mal gemacht haben.” Erfolgsdruck spürten sie nicht bei der Arbeit. “Wir müssen nicht mehr bangen, ob wir akzeptiert werden”, sagt Gitarrist Noel Hogan. “Schön, dass man nach einer gewissen Zeit wieder zurückkommen kann und die Menschen sind immer noch interessiert.”

Ihre Fans seien die von früher, aber es komme auch eine neue Generation zu ihren Konzerten, sagen sie. “Einige vielleicht, weil ihre Eltern die Musik hören. Andere, weil die Songs immer noch im Radio laufen”, mutmaßt Noel. “Es scheint so, dass unsere Musik den Test der Zeit bestanden hat.”

Das einzige Deutschlandkonzert geben die Cranberries Ende Juni in Berlin. Sie freuen sich schon darauf. “Das Bier ist hier besser”, sagt Noel. Natürlich hätten sie in Irland das Guinness, das sei gut, aber das helle Bier sei in Deutschland spitze. Dolores ergänzt: “Ich finde diese großen Bierkrüge toll!” Jetzt wissen die Fans also, worüber sich die Cranberries als Geschenk freuen würden. (APA)


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