2. November 2011 12:29; Akt.: 2.11.2011 13:55

Dämonenjagd: Arcania “The Fall of Setarrif”

Dämonenjagd: Arcania "The Fall of Setarrif". Dämonenjagd: Arcania "The Fall of Setarrif". - © Screenshot
von VOL.at / Alf Waibel - Durch die finanziellen Turbulenzen um Publisher Jowood hätte niemand mehr damit gerechnet: Ende Oktober und rechtzeitig zum Beginn des Vorweihnachtsgeschäftes erschien mit Arcania „The Fall of Setarrif“ das erste Addon zum actionbetonten RPG Arcania, das als Gegengewicht zur Gothic Serie entwickelt werden sollte.

Das Addon wurde unter der Federführung von Nordic Games, wie der ehemalige Publisher Jowood nun heisst, von den Spellbound Studios programmiert. Großzügigerweise erscheint es als Stand Alone Addon, das heißt, es ist von Vorteil, das Grundspiel durchgezockt zu haben, aber Neueinsteiger können auch direkt mit dem sehr kostengünstigen Fall of Setarrif starten, das zudem zum Schnäppchenpreis angeboten wird. Gamer, die Arcania durchgezockt haben, können auch direkt ihren hochgelevelten Helden ins Addon übernehmen und mit diesem die nunmehr fortzusetzende Geschichte erleben. Alternativ kann aber nunmehr auch aus vorgefertigen Klassen gewählt werden. Es ist aber jedem Spieler, der das Addon spielen will, anzuraten, Arcania anzuschaffen, denn so erlebt man die Weiterentwicklung der Geschichte um König Rhobar, Held aus früheren Gothic Spielen als logischen Plot von Anfang an.

Der Dämon, den der namenlose Hauptheld des Grundspiels Rhobar ausgetrieben hat, treibt sein Unwesen in Setarrif. Der feurige Geselle hat auch gleich einmal einen Vulkan zum Ausbruch gebracht, der direkte Weg nach Setarrif ist versperrt. Da hilft nur noch Magie. Nachdem der zuständige Zauberkundige beim Teleportzauber pfuscht, findet man sich auf halber Strecke in einer Höhlenlandschaft wieder. Nun muss man erst zu Schwert, Magie oder Bogen greifen, um sich seinen Weg durch altbekanntes und neu dazu gekommenes Gesindel schnetzeln. Das Geschehen geht flott von der Hand. 

In Setarrif angekommen, trifft man auf altbekannte Gesichter aus Arcania und früheren Gothic-Titeln. Milten weist uns schließlich ein, wie der Dämon zu besiegen sei. Zur Beschaffung diverser Hilfsmittel gilt es, wiederum einiges an Dämonen, Untoten und anderem Gesocks aus dem Weg zu räumen.

Dabei bleibt sich das Kampfsystem treu: Noch immer ist die Bedienung eingängig, durch aufeinanderfolgende erfolgreiche Treffer werden flotte Kombos freigeschaltet, dazwischen gilt es, Kontern auszuweichen. Das System bleibt Casual, was Profis unterfordern könnte. Auch Bosskämpfe laufen nach dem gleichen Schema ab, Arcania-Style eben.

Ich gestehe, ich fand bereits im Grundspiel das Crafting ziemlich überflüssig. Zum Ende des Spiels hin begann ich dann, die überflüssigen Stacks an Heilfläschchen beim Händler zu verticken, weil das Inventar davon überquoll. Auch Items findet man zumeist bessere als Drop bei erledigten Gegnern oder Kisten, als jene, die man craften kann. Hier wäre zum Addon etwas Überarbeitung angesagt gewesen.

Leider auch alles beim Alten beim Talentbaum: Dieser ist zwar simpel, aber eingängig und brauchbar. Leider wurde einfach der Talentbaum aus dem Grundspiel übernommen, ohne neue Skills. Das motiviert nicht unbedingt. Vor allem weil bei entsprechender Skillung damals schon bei Level 20 Ende der Fahnenstange war, die letzten 10 Levelpunkte sinnlos verteilt werden mussten.

Technisch auch alles beim alten, wobei das kein Fehler sein muss: Bereits Arcania sah damals schon sehr hübsch und stimmig aus, das setzt sich nun auch in den neuen Gebieten von Setarrif fort. Als besonderen Gag kann man die Optik wie beim Grundspiel auf Europäisch (dunkel, dreckig) oder Amerikanisch (leuchtende kräftige Farben) umstellen – ich bevorzugte wie bereits damals das Ami-Setting. Leider gibt es im Addon auch Grafikbugs wie stellenweise auftretende Glitches. Sonst ist „The Fall of Setarrif“ erfreulich frei von Fehlern.

Die musikalische Untermalung des Addons ist wie im Hauptspiel sehr gelungen, dazu glänzt der Titel mit tollen Synchronsprechern. Leider sind die Dialoge holprig inszeniert, hier wäre Feinschliff vonnöten gewesen.

Wer mit „The Fall of Setarrif“ ein Rollenspiel-Schwergewicht erwartet, der soll lieber noch bis Mitte November erwarten, wenn denn „Skyrim“ erscheint. Das Addon von Arcania ist wie das Hauptspiel eben auch, eher ein grafisch sehr toll inszeniertes Hack and Slay mit Rollenspieleinschlägen. Spieltiefe sieht anders aus. Trotzdem macht das Game Spaß, es ist kurzweilig und unkompliziert – ich empfinde das zwischendurch als wohltuend.

Fazit:

Arcania „The Fall of Setarrif“ ist sicher kein AAA-Titel. – So realistisch sehen das auch die Entwickler. Fair ist, dass man zum Schleuderpreis von 15 Euronen ein tolles Stand Alone Addon bekommt, das Lust auf das Hauptspiel macht. Rollenspiel ist das Addon sicher auch keines – aber ein fetziges und grafisch leckeres Hack and Slay mit Rollenspiel-Elementen. Wer will, kann auch craften – wenngleich es nicht unbedingt notwendig ist, zumindest nicht in den niedrigeren Schwierigkeitsgraden. Ein wenig bleibt für mich der Umfang und die Möglichkeit des Herumschlenderns und Entdeckens auf der Strecke – „The Fall of Setarrif“ ist sehr linear aufgebaut und auch recht kurz. Allerdings muss man sich als Fan eher fragen, wie es möglich war, trotz der Konkurswirren um Jowood doch noch so ein fertiges und stimmiges Produkt auf den Markt zu bringen. Technisch sehr gut gemacht, stimmig vertont, mit schöner Grafik kann man hier die Geschichte von Arcania zu einem Ende (?)! bringen. Als Überbrückung bis zu Skyrim ist „The Fall of Setarrif“ jedenfalls die 15 Euro wert. – Meine bescheidene Meinung – entgegen des Wertungs-Mainstream. 


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