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Das deutsche Erfolgsgeheimnis von Joachim Löw

Das deutsche Erfolgsgeheimnis von Joachim Löw
Deutschland jubelt, die Welt grübelt. Fans und Experten rätseln gleichermaßen. Was ist das WM-Erfolgsgeheimnis von Joachim Löw? In sieben Wochen hat er aus unerfahrenen Spaßfußballern, jungen Kickern mit schon vielen Länderspielen und einigen wenigen Routiniers ein verschworenes Team geformt, das in Südafrika zum Titel-Favoriten avancierte. Auch wenn der DFB-Teamchef noch abschwächt, eines wird in den WM-Tagen am Kap klar: Das System Löw greift.

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“Jeder kann sehen, dass Jogi eine unheimlich tolle Arbeit macht, dass jeder in unserem Team voll mit ihm dabei ist, dass er diese Mannschaft weiterentwickelt”, erklärte Teammanager Oliver Bierhoff. Als zu Beginn der Vorbereitung auf Sizilien das mit vielen Frischlingen zusammengestellte Team noch von der verletzungsbedingen WM-Absage Michael Ballacks geschockt worden war, hatte keiner der vielen internationalen Experten noch einen Cent auf die Löw-Truppe gesetzt.

Doch der 50-jährige Schwarzwälder wich auch unter erschwerten Bedingungen wie der verspäteten Anreise der sieben Bayern-Spieler nicht von seinem, für ihn alternativlosen Masterplan ab: “Wir müssen uns akribisch vorbereiten.” Länger als die anderen Top-Länder zog der frühere Innsbruck- und Austria-Wien-Trainer sein Personal gleich zu zwei Trainingslagern zusammen, jeder Tag war und ist detailliert durchgeplant. Es wurde nichts dem Zufall überlassen.

“Es ist ja nicht so, dass er 2006 eine tolle Truppe übernommen und von diesem Erbe gelebt hat. Er hat den Mut gehabt, personelle Veränderungen vorzunehmen und die Spielweise zu verändern”, betonte Teammanager Bierhoff, der ebenfalls Österreich-Vergangenheit hat und als wichtiger Teil aus dem Löwschen System nur schwer wegzudenken ist. Löw zog aus der EM 2008, die trotz des Finaleinzugs gegen Spanien viele Defizite im deutschen Team aufgezeigt hatte, seine Lehren. Die Verjüngung wurde vorangetrieben, Löw schreckte auch vor der Aussortierung verdienter Spieler wie Torsten Frings, Jens Lehmann und Christoph Metzelder nicht zurück.

“Es ist insgesamt eine hohe Verantwortung für Oliver Bierhoff und mich. Wir sind nicht nur für die Spieler, sondern auch für das, was rundherum herum passiert, verantwortlich”, skizzierte Löw seinen Anspruch. Auf der einen Seite ist Löw der besessene Fußballlehrer auf dem Platz, auf der anderen der sportliche Manager, der alle Fäden in den Händen hält. “Er hat absolute Fachleute um sich herum. Er hat Vertrauen zu diesen Leuten. Es ist eine gemeinsame Arbeit an großen Zielen. Da muss jedes Rädchen ineinandergreifen”, beschrieb Löws enger Vertrauter, Hansi Flick, die Philosophie seines Chefs.

“Alleine würde das nicht funktionieren. Wir haben eine sehr gute Arbeitsteilung. Ich delegiere mittlerweile sehr viel”, verriet Löw, der schon seit 2004 gemeinsam mit dem damaligen Teamchef Jürgen Klinsmann die Revolution in der DFB-Nationalmannschaft vorantrieb. “Ich habe mich auch 2006 schon verantwortlich gefühlt”, betonte Löw. Als der ausgebrannte Klinsmann nach dem dritten Platz bei der Heim-WM aufhörte, setzte der Perfektionist das System fort und entwickelte es sogar noch weiter. “Das ganze Drumherum ist sehr professionell”, betonte Flick.

Drei Fitness-Trainer, vier Ärzte, vier Physiotherapeuten, zwei Scouts, fünf Organisations- und Reise-Manager, fünf Medien-Leute – in Südafrika wirken insgesamt 38 Spezialisten hinter dem 23-köpfigen Team. “Gerade Hansi Flick, Andy Köpke und (Chefscout, Anm.) Urs Siegenthaler nehmen mir sehr viel ab. Ich kann ihnen viele Dinge auftragen, bei denen ich weiß, sie sehen sie mit meinen Augen”, zeichnete Löw die Bedeutung des engsten Kreises auf. “Dieses Trainerteam und das Team rundherum funktionieren sehr gut. Ohne das wäre das alles so nicht möglich. Das spart mir viel Energie und viel Zeit.”

Die Generation der Schweinsteiger, Mertesacker, Lahm, Podolski – alle Mitte 20 und schon mit viel Turniererfahrung – ist im Löw-System erwachsen geworden. Jetzt hat der Coach den Talente-Pool um Özil, Müller, Boateng, Khedira, Neuer schon in die Verantwortung geschoben. “Die jungen Spieler sind mehr belastbar, können schneller regenerieren”, umriss Löw einen zentralen Aspekt seiner Philosophie, die gegen England (4:1) und zuletzt gegen Argentinien (4:0) aufging. “Körperliche und geistige Fitness sind bei so einem Turnier enorm wichtig”, erklärte Löw.

Der Fußballlehrer versteht es außerdem, die Emotionen bei seinen Spielern zu steuern und auf den Punkt nach oben zu treiben. “Er kann auch emotional sehr deutlich werden. Aber er nimmt alle Spieler mit auf diesem Weg. Das ist eine Stärke von Jogi”, verriet Bierhoff. Eins ist klar: Will DFB-Präsident Theo Zwanziger – wie mehrmals erneuert – diesen Teamchef auch für die Zeit nach der WM weiterverpflichten, muss er das System Löw mitnehmen. Und der “Kopf” Löw wird bestimmen, wer dazugehört. Doch was Löw plant, bleibt in Südafrika ein Geheimnis. “Ich muss ganz ehrlich sagen, wir unterhalten uns über dieses Thema nicht”, sagte Co-Trainer Flick. (



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