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Depressionen und Dynamit: "Bevor ich schlafen kann" von Monika Helfer

Depressionen und Dynamit: "Bevor ich schlafen kann" von Monika Helfer
Bregenz – Eine Psychiaterin, die mit ihren eigenen Problemen schwer zu kämpfen hat, eine Brustkrebsoperation bewältigen muss und von ihrem Mann nach 20 Jahren Ehe für einen anderen Mann verlassen wird, ist die Hauptfigur des neuen Romans der Vorarlbergerin Monika Helfer.

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“Bevor ich schlafen kann” ist aber nicht nur die Auseinandersetzung mit einer durchaus ambivalent gezeichneten Hauptfigur und ihrer Liebessehnsucht, sondern wenig verschlüsselt auch mit ihrer eigenen Familie. Am 5. August liest die Autorin bei den O-Tönen im Wiener Museumsquartier aus dem soeben bei Deuticke erschienenen Buch.

Josefine Bartok, die sich von allen Josi nennen lässt (“Nur bitte nicht Tschosi!”), hatte als Psychiaterin im Otto-Wagner-Spital auf der Baumgartnerhöhe in Wien gearbeitet, ehe sie nach einer Brustkrebsdiagnose um Frühpension ansuchte. Eine schwierige Arbeit, die sie durch emotionale Distanzierung meistert. Und dadurch von manchen Patientinnen umso mehr geliebt wird. Zwischen Abstand und Nähe, Verlangen nach Zuneigung und gleichzeitiger emotionaler Kälte schwankt auch Josi selbst und macht es sich selbst und ihrer Umgebung nicht einfach. Die Frau, “zwischen Depressionen und Dynamit aufgespannt” und vom Schicksal schwer gezeichnet, versucht Krisenbewältigung mit kalkulierten Wutausbrüchen und Selbststilisierung, wird jedoch immer wieder von Schmerz und Wut überwältigt.

Mehr Bedeutung für ihr Leben als ihr schwuler Mann Tomas und ihre beiden erwachsenen Kinder Karla und Bruno erhält die zwölfjährige Paula. Josi lernt sie auf Hydra kennen, bei einem Erzählseminar, das ihr von der Familie geschenkt wird und dazu dienen soll, auf andere Gedanken zu kommen und einen neuen Mann kennenzulernen. Das Seminar hält Michael Köhlmeier, der auch in Wirklichkeit durch seine Nach-Erzählungen u.a. der antiken Sagen große Bekanntheit erhalten hat und im Buch mit Familie (inklusive seiner “besonders lieben Frau”) angereist ist. Paula ist seine Tochter. Und sie wird, mehr noch als jener Apotheker, den sie in Griechenland kennenlernt und der später in Wien tatsächlich ihr Liebhaber wird, die eigentliche Hauptfigur in Josis Leben und im Buch, das mit einer Mail Josis an Paula schließt: “Wir reden oft von Dir. (…) Du gehörst zu unserem Leben. Ich hab Dich lieb.”

Es sind weit über den Literaturbetrieb hinaus bekannte Tatsachen, dass Monika Helfer die Gattin Michael Köhlmeiers ist, und dass ihre gemeinsame Tochter Paula 2003 21-jährig tödlich verunglückte. Auch wenn die Warnungen, literarische Figuren nicht mit ihren Autoren gleichzusetzen, so alt sind wie die Literatur selbst: “Bevor ich schlafen kann” ist ganz unverhohlen der Versuch, eines literarischen Aufarbeitens. Das macht jenseits herkömmlicher Lektüre das Herz schwer, weil man als Leser das Gefühl erhält, mit emotionaler Intimität konfrontiert zu werden, die sonst eher nicht preisgegeben wird. Und wer den in wenigen Wochen erscheinenden neuen Roman “Madalyn” von Michael Köhlmeier bereits gelesen hat, ahnt, dass es ihm nicht viel anders geht als seiner Frau.

Monika Helfer: “Bevor ich schlafen kann”, Roman, Deuticke, 224 Seiten, 18,40 Euro.



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