16. Mai 2012 15:23; Akt.: 16.05.2012 15:23

Der Diktator – Kritik zum Film

Der Diktator – Kritik zum Film
Er kennt keine Grenzen und die Gürtellinie ist für ihn so unsichtbar wie der Äquator: Sacha Baron Cohen, Großbritanniens derber Tabubrecher schlechthin, bringt mit “Der Diktator” (ab Donnerstag im Kino) seinen dritten Film nach “Borat” und “Brüno” ins Kino – und zwar mit einer schieren Unmenge an herben bis politisch unkorrekten Gags, für die Lars von Trier wohl lebenslänglich von den Filmfestspielen in Cannes verbannt worden wäre.

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Diesmal schlüpft Cohen in die Rolle des General-Admiral Alladeen, einem operettenhaften arabischen Potentaten, der nach der Atombombe strebt, ständig Todesurteile verhängt und seinen Judenhass gar nicht erst verhehlen will. Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen sind dabei durchaus erwünscht.

“Der Diktator” – Grenzenlose Gagparade von Sacha Baron Cohen

Der “mad dog of Wadiya”, wie Alladeen genannt wird, erinnert nicht zufällig sowohl optisch als auch inhaltlich an Tyrannen wie Gaddafi, Saddam Hussein, Osama bin Laden oder Kim Jong-Il. Vom einen die Frisur, vom anderen den Bart, vom dritten die Leibwächterinnen, von allen den absoluten Machtanspruch und den Größenwahn. Dass im ersten völlig geskripteten Film von Baron Cohen – “Borat” und “Brüno” waren ja noch als Mockumentarys angelegt – aber das eigentliche Ziel der zahlreichen Spitzen im Westen und dessen Doppelmoral zu suchen ist, wird ebenfalls immer wieder deutlich: Wo es nur noch um ökonomische Ausbeutung geht, ist die Demokratie möglicherweise ohnehin nur noch ein Vorwand für ein diktatorisch anmutendes System.

Dass den britischen Komiker und Cambridge-Absolventen, der einst mit seiner Sketchshow als Ali G. bekanntwurde, solche Gedanken beschäftigt haben könnten, solche Gedanken beschäftigt haben dürften, wird in einer großen und entlarvenden Redeszene am Ende des Films sichtbar, wenn er den Amerikanern die Vorzüge der Diktatur erklärt und dabei das US-System beschreibt. Doch bis dahin schert sich der Film wenig um eine mögliche Message: Angesichts der grenzenlosen Gagparade und der hohen Dichte an witzigen bis semi-originellen Schmähs, darf man aber zumindest konstatieren, dass Baron Cohen ein überraschend kohärenter Film gelungen ist – auch wenn die nicht sonderlich komplexe Geschichte keine allzu große Rolle spielt.

Alladeen soll sich dabei in New York bei den Vereinten Nationen vor den Politikern der Welt für sein Atomprogramm rechtfertigen, wird aber von seinem machtbesessenen Onkel, dargestellt von Oscar-Preisträger Ben Kingsley, durch einen Doppelgänger ausgetauscht. Der dadurch angestrebte Machtwechsel in Wadiya soll dem Onkel ermöglichen, durch den Verkauf der Ölreserven des Landes an westliche und chinesische Konzerne ein Bombengeschäft zu machen. Von nun an darf man den Diktator dabei beobachten, wie er sich mit niedrigen Jobs als amerikanischer Bürger durchschlägt und sich bemüht, wieder in seine alte Funktion zurückzukehren. Und das geschieht auch auf höchst amüsante Weise – mit dem Wahnsinn der Welt im Hinterkopf.

(APA)



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