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“Der magische Raum”: Theatermuseum widmet sich Bühnenbild

Die Entwicklung des szenografischen Denkens über vier Jahrhunderte hinweg kann ab morgen, Donnerstag, im Theatermuseum nachvollzogen werden. Mit der Schau “Der magische Raum. Bühne – Bild – Modell” schließt das Museums seine wissenschaftliche Aufarbeitung der rund 1000 Objekte seiner Modellsammlung ab und zeichnet den ästhetischen Wandel anhand von 57 Modellen lustvoll nach.

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“Es war höchste Zeit, sich des Themas anzunehmen”, konstatierte Museumsdirektor Thomas Trabitsch am Mittwoch bei der Presseführung. Modelle von Bühnenbildern dienten seit jeher als Arbeitsbehelf und Vorlage für die Realisierung auf der Bühne, durch die Auswahl für die Ausstellung und die Art der Präsentation werden sie nun selbst zum Kunstwerk erhoben. Kuratorin Ulrike Dembski hob die Herausforderung hervor, die Objekte, die “so verschiedene Ebenen aufweisen”, angemessen zu präsentieren. Statt einer chronologischen Aufstellung nach Entstehungsjahr habe man sich daher für sieben thematische “Inseln” entschieden, die sich auf “Zeit und Ort der jeweiligen Stücke” beziehen.

Die “variationsreichen Bilder der unterschiedlichen Epochen” spiegeln sich durch den gewählten Zugang eindrucksvoll wider: Im Bereich “Antike” findet sich ebenso das 1997 entstandene, kühle Bühnenbild von Gottfried Pilz für George Enescus Oper “Oedipe” an der Wiener Staatsoper als auch das ungleich verspieltere und detailreichere Modell von George Bernard Shaws “Cäsar und Cleopatra”, das 1912 am Wiener Hofburgtheater Premiere feierte und von Remigius Geyling entworfen wurde. Auch Shakespeares “Julius Caesar”, das 1907 ebendort gespielt wurde, ist mit einem Modell von Gilbert Lehner vertreten.

Der Besucher muss sich den Blick auf die Kulissen jedoch erarbeiten: Die Ausstellungdesigner von vana-architekten haben die Modelle einander zugewandt auf Stehtischen angeordnet, wodurch der Besucher nur durch das Umkreisen der Inseln Blicke auf die Fronten der Modelle werfen kann. Der Blick “hinter die Kulissen” sei dabei Programm, schließlich werde dadurch “die Illusion aufgebrochen” und der Besucher könne jene Bereiche sehen, die ihm als Theaterbesucher üblicherweise verborgen bleiben, so Dembski.

Während die Beschriftung der einzelnen Objekte bewusst zurückhaltend ausgefallen ist, erhalten die Ausstellungsbesucher ein “Libretto”, das sie durch die Schau leitet. Dank unter den Stehtischen angebrachter LEDs kann man bei den jeweiligen Modellen Hintergrundinformationen zur jeweiligen Zeit, der Aufführung und dem Inhalt nachlesen. Wo möglich, wird die Imagination früherer Inszenierungen durch Audiobeispiele angeregt, vereinzelt finden sich auf eingelassenen Bildschirmen auch Video-Szenen oder Zeichnungen zu den jeweiligen Inszenierungen.

Wie unterschiedlich Bühnenbildner das Mittelalter dargestellt haben, zeigt sich anhand von Modellen zu Goethes “Faust” aus dem Jahr 1982 (geschaffen von Alfred Hrdlicka) beziehungsweise 1906 im Hofburgtheater (Entwurf: Heinrich Lefler). Für Max Reinhardt hat Ernst Stern 1913 ein Bühnenbild für eine Drehbühne entworfen, die am Deutschen Theater in Berlin für “Der Kaufmann von Venedig” gebaut wurde und sich auf der “Renaissance”-Insel findet. Auch so genannten “Fundusmodelle” sind vertreten: Sie wurden einst für bestimmte Szenen gebaut (Zimmerdekorationen, Gobelinzimmer) und kamen im 19. Jahrhundert in verschiedenen Stücken immer wieder zum Einsatz. Zwei Exemplare finden sich auf der “Barock & Rokoko”-Insel. Und so spaziert man in den beiden Räumen weiter bis in die “Avantgarde & Gegenwart”, in der einem etwa Reinhard von der Thannes Bühnenbild von Heiner Müllers “Quartett” ins Auge springt, das 2014 im Theater an der Wien zu sehen war.

Im Foyer, das die beiden Säle voneinander trennt, laufen zwei Filme, die extra für die Schau angefertigt wurden. In der Doku “Vom Modell zum Raum – Die Dekorationswerkstätten von Art for Art” kommt man den Werkstätten der Bundestheater näher, in “Von futuristischen Raumelementen bis hin zu gotischen Arkaden” spricht Reinhard von Thannen über sein “Faust” bei den Salzburger Festspielen 2016. Begleitet wird die Ausstellung nicht nur von einem umfangreichen Rahmenprogramm, sondern auch von der bereits 2015 erschienenen Publikation “Der magische Raum” sowie einer eigenen Website.

(S E R V I C E – “Der magische Raum. Bühne – Bild – Modell” im Theatermuseum. 20. April bis 12. Februar 2018. 1., Lobkowitzplatz 2. Öffnungszeiten: tägl. außer Dienstag, 10 bis 18 Uhr. Katalog: “Der magische Raum”, hrsg. von Ulrike Dembski, Holzhausen Verlag 2015, 49,95 Euro. Infos unter )

(APA)



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