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Die Festspiele gehen mit neuer "Jedermann"-Aufführung über die Bühne

Die Festspiele gehen mit neuer "Jedermann"-Aufführung über die Bühne
Salzburg-Stadt – Seit nunmehr genau 90 Jahren steht der “Jedermann” im Zentrum der Salzburger Dramaturgie. Seit 22. August 1920, der allerersten Vorstellung der Salzburger Festspiele, ist Hugo von Hofmannsthals Leben und Sterben des reichen Mannes auf dem Domplatz ununterbrochener Publikumsmagnet, ohne den die Festspiele in Salzburg undenkbar wären.

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Die aktuelle Inszenierung stammt von Christian Stückl, der den “Jedermann” mit Peter Simonischek in acht Jahren nur geringfügig variiert hat. Heuer aber kommen mit Nicholas Ofczarek in der Titelrolle und Birgit Minichmayr als Buhlschaft zwei neue Hauptdarsteller. Und das sind bei weitem nicht die einzigen Neuigkeiten von den Proben am Domplatz, wie Schauspiel-Chef Thomas Oberender im APA-Interview erläuterte.

Herr Oberender, wie neu ist der neue, alte Jedermann denn wirklich?

Das Grundkonzept und die Bühne sind prinzipiell gleich, aber der Blick und der Tonfall haben sich gänzlich verändert. Da ist jetzt eine junge Generation von Schauspielern rund um den “Leitwolf” Nicholas Ofczarek am Werk. Dazu kommen eine neu ausgesuchte Tischgesellschaft und Statisterie. Auch sämtliche Kostüme und Teile der Musik sind neu. Der “Jedermann” 2010 hat daher mit einer Wiederaufnahme nichts zu tun.

Aber Neuinszenierung ist es auch keine.

Nennen wir es Neu-Interpretation. Im Übrigen ist mir das mit dem “neu” relativ egal. Es geht vielmehr um Glaubwürdigkeit und Intensität, die in ihren Bann ziehen. Und das klappt mit dem Team um Stückl und Ofczarek, den man ja als eine Art urbanen Volksschauspieler bezeichnet hat, ganz hervorragend.

Dem Festspielmotto entsprechend geht es heuer auch im Schauspielprogramm vor allem um Mythos und Tragödie. Das Gegenwartstheater ist unterrepräsentiert. Warum?

Naja, Jon Fosses Antikenbearbeitung “Tod in Theben” oder die Uraufführung von Stefan Zweigs “Angst” ist für mich durchaus Gegenwartstheater. Einerseits gibt es in der Textfassung kein einziges Wort, das nicht von Zweig wäre. Andererseits hat Autor und Dramaturg Koen Tachelet eine eigenständige, sehr raffinierte Erzählweise zwischen berichtender und szenischer Situation entwickelt und so aus der Novelle auch ein formal außergewöhnliches, fast traumhaftes Kammerspiel gemacht.

Aber zumindest die Serie des experimentellen Regie-Theater auf der Pernerinsel, wo etwa Luk Perceval, die Needcompany oder zuletzt Sebastian Nübling ihre mitunter krassen Projekte gezeigt haben, ist abgerissen. Stattdessen zeigen Sie mit “Ödipus auf Kolonos” von Sophokles eine Regiearbeit von Peter Stein mit Klaus Maria Brandauer in der Titelrolle. Das kann ja wohl kein experimentelles Theater sein.

Gerade diese Produktion wird ein großes Abenteuer und alles andere als gewöhnliches, traditionelles Theater. Sie haben schon Recht, Peter Stein steht nicht für experimentelles Theater. Aber bei aller Wortgläubigkeit, archäologischer Neugier und preußischer Gründlichkeit: Was er da mit dem antiken Chor macht, ist schon eine große Erfindung. Und Brandauers Spiel ist eine Klasse für sich. Beide sind für mich Legenden und Festspielmythen und ich wollte sie zum 90-Jahre-Jubiläum nach Salzburg zurückholen. Und das an einer Spielstätte, die Peter Stein für die Festspiele erschlossen hat, der Pernerinsel.

Der Ödipus ist eine Riesen-Aufgabe. Ist Brandauer topfit?

Aber da können Sie ganz sicher sein. Was er tut, ist von existenzieller Kraft und formaler Meisterschaft. Absolute Weltklasse.

Warum haben Sie sich für Claudio Magris als Dichter zu Gast entschieden?

Auch das hat mit dem Thema Mythos in Jürgen Flimms thematischem Fünfjahresplan zu tun. Claudio Margris steht für den Mythos Österreich, genauer, den Mythos Habsburg. Magris ist ein europäischer Intellektueller, ein Hochbegabter mit einem literarischen Röntgenblick ins Innere von Österreich.

Der Vorverkauf läuft im Schauspiel besonders gut, die Einnahmen florieren. Trotzdem gibt es nur Koproduktionen und keine einzige exklusive Eigenproduktion. Warum nicht?

Ja, wir liegen im Vorverkauf bereits seit Wochen über dem Endziel der Saison. An Koproduktionen ist an sich nichts falsch, wenn sie in einem Zusammenhang mit einem Salzburger Spielplan stehen. Sie sind nur komplizierter zu realisieren, weil alles sehr viel vermittelter abläuft. Zumal man eine Eigenproduktion zwei, drei Jahre spielen müsste, um Gewinn zu machen. Da produziere ich lieber mit Partnern jedes Jahr etwas Neues. Trotzdem, wenn man dem Schauspiel die sogenannte Opernsteuer, also die Querfinanzierung der Festspielopern durch Schauspiel- und Konzerterlöse in der Höhe von rund einer Mio. Euro, erlassen würde, dann könnten wir hier und da schon sorgenfreier exklusiv produzieren.



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