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E-Control plant neue Stromnetztarife ab 2019

Noch ist unklar, was das für die Haushalte bedeutet Noch ist unklar, was das für die Haushalte bedeutet - © APA (dpa)
Die Energieregulierungsbehörde E-Control stellt angesichts der massiven Änderungen in der Stromwelt das System der Stromnetztarife um.

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Basis wird künftig nicht mehr der Stromverbrauch sein, sondern die aus dem Netz bezogene Leistung. Ein Standardhaushalt werde künftig in etwa gleich viel zahlen wie bisher, so die Vorstände Wolfgang Urbantschitsch und Andreas Eigenbauer.

Wer das Netz mehr benutze, müsse künftig mehr zahlen. In Kraft sein soll das neue System Anfang 2019. Voraussetzung für ein leistungsgemessenes Netzentgelt sind digitale Stromzähler (Smart Meter).

Die Netztarife sind ein Teil der Stromrechnung und machen zwischen einem Viertel und einem Drittel der Gesamtrechnung aus, in Wien sind es beispielsweise 27,7 Prozent. Die anderen Komponenten sind der reine Energiepreis – nur hier ist Wettbewerb möglich – sowie Steuern und Abgaben wie beispielsweise die Ökostromabgabe. Für die Netztarife ist die E-Control zuständig, die heute ein Positionspapier zu den neuen Netztarifen vorgelegt hat, das nun mit der Branche und den Sozialpartnern diskutiert wird. Die AK befürchtet, dass den Haushalten höhere Stromrechnungen drohen.

Mehrkosten für Elektroauto-Besitzer

Es gehe um eine faire Verteilung der Netzkosten von insgesamt unverändert 2 Mrd. Euro, betonten die E-Control-Vorstände am Mittwoch in einer Pressekonferenz. Jene, die mehr an Leistung beziehen und in kurzer Zeit viel aus dem Stromnetz entnehmen, müssen künftig mehr bezahlen, beispielsweise bei Schnellladestationen für Elektroautos. Lädt man das Elektroauto aber langsam auf, wird man nur geringfügig mehr zahlen. Für Vielentnehmer könnte es durchschnittlich zu Erhöhungen um rund zehn Prozent kommen. Es werde aber auch Entlastungen geben. Nicht vorgesehen sind zeitvariable Netztarife, also beispielsweise Tarife mit stündlichen Intervallen. Der unterbrechbare Tarif, wie er schon jetzt beispielsweise für Wärmepumpen eingesetzt wird, soll ausgebaut werden.

Bereits per Jahresbeginn eingeführt wurde als Zwischenlösung eine Anhebung der Netzpauschale auf einheitlich 30 Euro netto, die nach Abschluss der Systemumstellung wieder entfallen wird.

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Messentgelt könnte abgeschafft werden

Geplant sind mit den neuen Netztarifen auch Vereinfachungen. Sobald die Smart-Meter-Installierung österreichweit abgeschlossen ist, könnte etwa das Messentgelt (maximal 28,8 Euro im Jahr) abgeschafft werden. Das Netzzutrittsentgelt soll durch ein neues Anschlussentgelt ersetzt und im Gegenzug auch das Netzbereitstellungsentgelt abgeschafft werden. Damit soll es künftig nicht mehr zu Nachverrechnungen beim Netzbereitstellungsentgelt kommen.

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Für einkommensschwache Haushalte liege es beim Gesetzgeber, eigene Sozial-Netzentgelte festzulegen. Einkommensschwachen Haushalten könne über das Sozialsystem geholfen werden, wobei die Finanzierung gesetzlich verankert werden könnte. Eigenbauer sieht hier die Politik gefordert. Die soziale Ausgewogenheit sei beim Vorschlag der Neugestaltung der Netzentgeltstruktur berücksichtigt worden.

Endkunden sollen aktiver werden

Teil des Gesamtpakets seien auch aktive Endkunden. Auch Haushalte sollen künftig wie bereits jetzt Großkunden von der Digitalisierung profitieren können. So könnten sie laut E-Control beispielsweise in Zeiten, in denen wenig Strom vorhanden ist, ihren Verbrauch teilweise zentral steuern lassen und Teile des Vorteils von dadurch erzielten geringeren Gesamtkosten erhalten. Demand-Response leiste auch einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit. Das könne künftig jeder machen, wurde heute betont.

Sollte jemand den Smart-Meter im Rahmen der gesetzlich vorgesehen Opt-Out-Möglichkeit (für den Strombezug, nicht aber Einspeisungen) ablehnen, könne er auch nicht von den leistungsbezogenen Netztarifen profitieren. Die Netztarife sollen dann statistisch ermittelt werden. Durch die digitalen Stromzähler würden die Netzbetreiber genauere Daten, aber nicht kundenbezogen, über die Beanspruchung des Netzes gewonnen werden können.

Massive Änderungen in der neuen Stromwelt

Notwendig sei die Umstellung des rund zwanzig Jahre alten Systems wegen der massiven Änderungen in der neuen Stromwelt wie beispielsweise dezentrale Erzeugung und Digitalisierung. Der Netzbetreiber müsse vorhalten, dass jederzeit – Tag und Nacht – Strom entnommen werden kann, wodurch er auch Vorhaltekosten habe. Ziel sei es, die vorgehaltene Leistung stärker zu bepreisen, das sei verursachergerecht, so Urbantschitsch. Einige Änderungen kann die E-Control selbst vornehmen, für andere wie etwa die Umstellung auf Leistungsmessung durch Smart Meter sind Gesetzesänderungen nötig.

Kritik kommt von der Arbeiterkammer: AK-Energieexperte Josef Thoman bezeichnete das Positionspapier als “fehlgeleitet”. Die privaten Haushalte würden bereits jetzt fast die Hälfte der Netzkosten bezahlen, obwohl sie nur ein Viertel des Stroms verbrauchten. Bei Umsetzung der E-Control-Vorschläge, die sich “weitgehend an den Wünschen der Strombranche orientieren”, könnte sich diese Schieflage verstärken. “Den Haushalten drohen dann höhere Stromrechnungen”, so Thoman. Dass künftig für einzelne Leistungsspitzen bezahlt werden soll, führt nach Ansicht der AK zu Intransparenz und schlechterer Vorhersehbarkeit der Stromkosten. Zudem seien Haushalte mit geringen Einkommen und alten Geräten tendenziell von höheren Kosten bedroht.

Fachtagung Netzentgelte 2.0

(APA)



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