8. Juli 2012 09:47; Akt.: 8.07.2012 10:57

E-Waste vergeudet jährlich Milliardenschatz

Smartphones: Vergessene Edelmetall-Minen. Smartphones: Vergessene Edelmetall-Minen. - © AP
Der Gold- und Silberschatz in elektronischen Altgeräten wächst und wächst: Jedes Jahr werden 310 Tonnen Gold sowie 7.500 Tonnen Silber mit einem Gegenwert von 21 Mrd. Dollar in Hightech-Geräte wie Laptops, Smartphones oder Tablets verbaut.

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Der überwiegende Teil dieser Edelmetalle – 85 Prozent – verpufft jedoch nach Lebensende des Gadgets und nur 15 Prozent werden zurückgewonnen, berichten Experten bei der E-Waste Academy der United Nations University (UNU) und der Global e-Sustainability Initiative in Ghana.

Rohstoff statt Abfall

Bisher wird die Elektroschrott-Thematik meist unter dem Aspekt der schädlichen Auswirkungen auf Entwicklungsländer diskutiert. Zu Unrecht, betont Rüdiger Kuehr, Leiter der Solving the E-Waste Problem (StEP)-Initiative. “Meist übersieht man, dass E-Waste viele wertvolle Elemente enthält, die rezyklierbar sind. Zudem wird die Wiederverwendung der Plastikteile vergessen.” Eine durch Recycling gewonnene Tonne Plastik erfordert bloß ein Zehntel der Wasser- und Energiemenge von neuem Plastik und spart viel CO2.

Vor allem liegt der Fokus jedoch auf den seltenen Erden. Je stärker der Verkauf elektrischer und elektronischer Geräte boomt, desto mehr Gold, Silber und andere Edelmetalle sind verfügbar, die man durch Recycling zurückgewinnen könnte. Allein bei Gold verbrauchen Gadgets 7,7 Prozent der jährlichen weltweiten Fördermenge, viel mehr als die 5,3 Prozent im Jahr 2001. Zeitgleich stieg der Unzenpreis von 300 auf 1.500 Dollar, die weltweite Förderung jedoch bloß um 15 Prozent von 3.900 auf 4.500 Tonnen.

Leistbarkeit als Hürde

Die Rückgewinnung aus Technik ist hochkomplex, erklärt UNU-Experte Federico Magalini im pressetext-Interview. “Edelmetalle in winziger Dotierung sind nötig, um die Funktionalität der Geräte zu steigern. Dass etwa Speicherkarten immer kleiner, billiger und leistungsfähiger werden, verdankt man dem Platinmetall Ruthenium.” Je komplexer die Verarbeitung, desto schwieriger jedoch auch das Recycling. Als “nicht zielführend” beurteilen beide Experten die Errichtung großer Recyclinganlagen in jedem Land. Sinnvoll sind vielmehr ähnliche Spezialisierungen wie in der Produktion.

“Nicht technisch, sondern nur aus Sicht der Leistbarkeit ist die 100-Prozent-Rückgewinnung ein Problem”, betont Kühr. Politische Planung, Bewerbung des nachhaltigen Konsums, rezyklierbares Gerätedesign und Kunden-Incentives für Altgeräte seien nötig statt bloßes Hoffen auf Investoreninteresse, denn: “Die Recycling-Rate ist schon bisher nicht gleich schnell wie der Goldpreis gestiegen. Geht es nur um Gewinn, werden nur die leichtesten Maßnahmen umgesetzt. Eines Tages wird man rückblickend fragen, wie wir heute bloß so kurzsichtig die Naturressourcen verschwenden konnten.”

(PTE)



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