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Tafelspitz

Für den fleischlichen kulinarischen Höhepunkt Wiens sorgte ein ganz besonderer österreichischer Kaiser, eben jener Franz Joseph I., von dem man sagt, er sei der "gute alte" gewesen.

Ungeachtet jeder historischen Beurteilung war er aber als strohtrockener Bürokrat auch beim Essen ein Langweiler und daher auch ein Sparmeister. Die private Hoftafel war ihm zu üppig, zu aufwendig. Er verlangte nach billiger und einfacher Kost - gekochtes Rindfleisch mit Beilagen musste genügen.

Außerdem aß er bei jedem Gang nur wenige Bissen und dies blitzschnell. Nach der strengen Hofetikette durfte aber niemand vor oder nachdem der Kaiser das Besteck weggelegt hatte, selber essen. Wer immer an der Hoftafel verpflegt wurde, musste nachher ins Sacher essen gehen, sonst wäre er verhungert. Die Kaiserin Sisi ausgenommen, die war sowieso magersüchtig.

Das "billige Rindfleisch" war auf Grund der reichlichen ungarischen Rinder und Mastochsen am Markt. Das beste Stück zum Sieden war eben der Tafelspitz. Wien, nicht anders als Byzanz, Österreich nicht anders als Ostrom, kopierte die stereotype Essgewohnheit des Kaisers umgehend und erhob den Tafelspitz mit den klassischen Beilagen Schnittlauchsauce, Semmel- und Apfelkren, Gemüsen und gerösteten Erdäpfeln (Röstkartoffeln) umgehend zur Delikatesse und zur Norm großbürgerlicher sonntäglicher Beamtenernährung.

In Joseph Roths Meisterwerk "Radetzkymarsch" ist dies liebevoll ironisch, aber durchaus identisch beschrieben. Ins Sacher strömen heute noch Prominente und internationale Persönlichkeiten sowie Touristen zwischen L. A. und Tokio, nur um gekochtes Rindfleisch mit bis zu zwei Dutzend Beilagen zu essen.

Zutaten:

  • 1, 5 kg Rindfleisch (Kavalierspitz vom Rind)
  • 750 g Knochen vom Rind
  • 200 g Wurzelwerk (Karotten, gelbe Rüben, Knollensellerie)
  • ½ Stange Lauch
  • 2 Zwiebeln
  • Salz
  • Pfeffer
  • Liebstöckel
  • Schnittlauch
  • Ca. 3 l Wasser aufkochen, Rindfleisch und Knochen warm abspülen und ins kochende Wasser legen, 5 Pfefferkörner zugeben, Hitze reduzieren und das Fleisch schwach wallend kochen, aufsteigenden Schaum mit einem Siebschöpfer entfernen.

    Lauch putzen und waschen, Wurzelwerk putzen und schälen, Zwiebeln und alles andere Gemüse in ca. 1 cm dicke Scheiben schneiden und Zwiebel in wenig Öl sehr stark anrösten. Nach ca. 1 Stunde Kochzeit Wurzelgemüse, Lauch und Zwiebel und ein wenig Liebstöckl zugeben. Wenn das Fleisch weich ist (nach insgesamt ca. 2 Stunden Kochzeit) Gemüse und Fleisch aus der Suppe heben und in fingerdicke Scheiben schneiden. Suppe würzen und durch ein Sieb gießen. Fleisch und Gemüse mit Suppe anrichten und mit Schnittlauch bestreut servieren.

    Dazu passen als klassische Beilage Röstkartoffeln, Apfelkren, Schnittlauchsauce, Semmelkren, Cremespinat.


     
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