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ESC 2017: Souveräner Sieg und zahlreiche Überraschungen

Das war der Song Contest-Abend 2017. Das war der Song Contest-Abend 2017. - © AP
Der Jazzsänger Salvador Sobral setzte sich am Samstagabend beim ESC-Finale 2017 durch und gewann gegen den ebenfalls hoch gehandelten Kollegen Kristian Kostow aus Bulgarien und 24 weitere Länder durch.

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Damit setzte sich nach der pathetischen Vorjahresballade “1944” der ukrainischen Sängerin Jamala erneut ein ruhiges, melancholisches Lied im Reigen der 26 Finalisten durch. Sowohl bei den internationalen Jurys als auch beim Publikum kam Portugal auf Platz 1 mit souveränen 758 Punkten.

Italien galt als Favorit und endet auf Platz 6

Dabei hatte lange Zeit im Vorfeld Franceso Gabbani aus Italien mit seiner klassischen Italopopnummer “Occidentali’s Karma” als Topfavorit gegolten. In der Endabrechnung kam Italien jedoch nur auf Platz 6. Der Vizetitel ging mit 615 Punkten nach Bulgarien, während Moldau mit der Retro-Sax-Nummer “Hey, Mamma!” des SunStroke Projects völlig überraschend auf dem noch verbleibenden Stockerlplatz mit 374 Punkten landete.

Belgien konnte mit dem vielleicht besten Lied des Bewerbs, der Elektronummer “City Lights”, dargeboten von der unsicher agierenden Sängerin Blanche, immerhin Platz 4 ergattern. Und Poptitan Schweden muss sich mit Robin Bengtsson und “I Can’t Go On” mit dem für seine Verhältnisse nicht vollends herausragenden Platz 5 zufriedengeben.

Viele Stilrichtungen beim ESC 2017

Stilistisch zeigte sich das Finale dabei insgesamt breit aufgestellt wie selten. Von fröhlicher Partymusik mit Israels Imri Ziv und “I Feel Alive” über gut gelaunten Ethnoschlager von Weißrusslands Duo Naviband (“Historyja majho zyccia”) bis zum minimalistischen Schwesterntrio O’G3NE aus den Niederlanden (“Lights And Shadows”) spannte sich der Bogen. Ungarns Romamusiker Joci Papai bot seine berührende Lebensgeschichte “Origo” in Landessprache, während aus Kroatien Jacques Houdek es nach sechs erfolglosen Anläufen endlich zum ESC geschafft hat und dort “My Friend” gleich zweistimmig präsentierte – mit sich selbst im Duett als Bariton und im Falsett.

Australien bot bei seinem dritten – aber immer noch außerordentlichen – ESC-Antreten den erst 17-jährigen Aborigine Isaiah mit “Don’t Come Easy” auf und konnte mit der berührenden Liebesballade Platz 9 erreichen. Die Schlusshut des heurigen Bewerbs bildet hingegen Spanien, erreichte Manel Navarro im offenen Hawaiihemd mit seiner banalen Ballermannnummer “Do It for Your Lover” doch lediglich 5 Punkte in Summe. Deutschland konnte mit der stimmstarken Levina und ihrer weniger markanten Nummer “Perfect Life” seinen Fluch des letzten Platzes nach zwei letzten Rängen nur moderat durchbrechen und landete mit 6 Punkten auf dem vorletzten 25. Platz.

Flitzer sorgte für Aufregung

Für Aufregung in der Halle sorgte kurzfristig ein Flitzer, der während des Auftritts von Vorjahressiegerin Jamala mit Australien-Flagge bekleidet die Bühne erklomm, um die Sängerin herumtanzte und der Weltöffentlichkeit schließlich seinen blanken Hintern präsentierte, bevor er von der Security abgeführt wurde. Auch abseits nackter Tatsachen entzückte das musikalische Großevent ungeachtet widriger Witterung die Kiewer und lockte sie in die flankierenden Fanareale und die ESC-Halle abseits des Stadtzentrums.

Die Bemühungen, dem heurigen Motto “Celebrate Diversity” gerecht zu werden, zeigte sich nicht zuletzt an Aktionen wie der Bemalung des monumentalen “Bogens der Völkerfreundschaft” in Regenbogenfarben – wogegen rechte Gruppierungen virulent protestierten. Schließlich lässt sich bei allen Bemühungen ein Nationenbewerb eben nicht gänzlich vom Politischen trennen.

Bereits im Vorfeld hatte der Disput zwischen der Ukraine und Russland dazu geführt, dass das Riesenreich seine Teilnahme zurückzog, nachdem das Gastgeberland der nominierten russischen Kandidatin Julia Samoylowa die Einreise wegen eines Besuchs der annektierten Krim verweigert hatte. Dass sich die Ukraine im weiterhin schwelenden Konflikt im Donbass praktisch im Bürgerkrieg befindet, wurde nicht zuletzt an den im gesamten ESC-Umfeld in Kohortenstärke aufgebotenen Soldaten und Polizisten deutlich. Und schließlich sagte Präsident Petro Poroschenko kurzfristig seinen Besuch des ESC-Finales wegen eines Bombenangriffs mit vier toten Zivilisten in der Ostukraine ab.

Mit Portugal erwartet den ESC-Tross nach längeren Jahren in östlichen und nördlichen Gefilden – wenn man von Wien als südlichstem Ausrichterland 2015 absieht – nun also eine mediterrane Destination mit mutmaßlich wärmeren Temperaturen und weniger gesellschaftspolitischem Begleitrauschen. Das kann zum Durchschnaufen ja auch mal ganz gut sein.

(APA/Red)



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