Akt.:

EU: Deutsch soll in aller Munde sein

EU: Deutsch soll in aller Munde sein
Deutsch soll künftig in Europa in aller Munde sein, zumindest, wenn es nach der deutschen Bundes-
regierung geht. Deutsch steht in der EU als Muttersprache zahlenmäßig an der Spitze.

Korrektur melden

Rund 83 Millionen der knapp 490 Millionen EU-Bürger sprechen Deutsch. Als Fremdsprache rangiert Deutsch zwar weiter hinter Englisch, hat aber auch hier Französisch von Platz zwei verdrängt. Ausgerechnet bei den EU-Institutionen in der Europa-Hauptstadt Brüssel jedoch spielt Deutsch nur eine Nebenrolle.

Jetzt oder nie, lautet die Devise deutscher Sprach-Strategen – denn Deutschland hat noch bis Ende Juni den EU-Ratsvorsitz inne. Das gilt als willkommener Anlass, das Gewicht des Deutschen unter den 23 EU-Amtssprachen zu stärken. Für diesen Dienstag hat das Auswärtige Amt in Berlin eine Expertenrunde einberufen. Das politische Ziel haben Union und SPD schon im Koalitionsvertrag festgeschrieben: „Wir werden dafür sorgen, dass die Stellung der deutschen Sprache in Europa ihrer Bedeutung entsprechend berücksichtigt wird.“

Dafür gibt es viel zu tun. Theoretisch ist Deutsch längst ein Schwergewicht unter den inzwischen 23 EU-Amtssprachen und im Kollegium der EU-Kommissare oder bei der Vorbereitung von Ministerräten als Arbeitssprache neben Englisch und Französisch etabliert. Auch halten deutsche Minister und Diplomaten bei offiziellen Anlässen und vor der Presse wacker das Deutsche hoch, so strikt, dass dies Vertreter anderer EU-Länder gelegentlich in Erstaunen versetzt.

Sobald jedoch die Dolmetscher das Feld räumen, beugen sich deutsche Muttersprachler der Brüsseler Realität: Der informelle, aber unverzichtbare „Flur-Funk“ sendet selten auf Deutsch, weil zu wenige Akteure es fließend beherrschen. Umgangssprachen auf den Fluren von Parlament, Rat und Kommission und an der Kaffeebar bleiben Englisch und Französisch. Auf einer EU-Internetseite zur Vielsprachigkeit heißt es freimütig: „Die EU-Sprache mit der größten Zahl von Muttersprachlern ist Deutsch, das außerhalb Deutschlands und Österreichs nicht viel gesprochen wird.“

Daran hat auch die EU-Osterweiterung 2004 wenig geändert: Vom Beitritt der zehn mittel- und osteuropäischen Länder erhofften sich die Verfechter einer stärkeren Rolle des Deutschen Auftrieb, weil in den Beitrittsstaaten Deutsch als Fremdsprache populärer ist als etwa Französisch. Der Durchbruch indes blieb aus: „Es gibt nach wie vor einen Aufholbedarf in den EU-Institutionen“, sagt der CSU-Europa-Abgeordnete Ingo Friedrich, der seit Jahren für mehr Deutsch in der EU-Bürokratie kämpft.

Friedrich hat seit 2004 zwar einen leichten Aufschwung für das Deutsche festgestellt – aber noch immer sei es vor allem in Rat und Kommission nicht gleichrangig mit Englisch und Französisch. Gesetzesentwürfe der Kommission etwa lägen zu selten von Anfang an auf Deutsch vor. Hier müsse das Deutsche zu den beiden anderen Sprachen aufschließen, sagt Friedrich, denn „mit diesen drei Sprachen kann man fast 90 Prozent aller EU-Bediensteten erreichen“.

Bisher setzt die deutsche Regierung auf die traditionelle Methode, um Deutsch in Brüssel voranzubringen: Sprachkurse, angeboten zum Beispiel vom Goethe-Institut in der EU-Kommission. Die Tatsache, dass die Kurse in der Dienstzeit stattfinden, dürfte ein Extra-Anreiz sein. Aber, betont der Chef der Sprachabteilung des Instituts, Johann Greimel, die EU-Klientel komme auch nach dem Feierabend zum Sprachenlernen. Hochrangige Beamte, also beispielsweise EU-Kommissare oder Generaldirektoren, erhalten das Angebot von Spezialsprachkursen in Deutschland sogar als Stipendium.

Rückendeckung erhielten die Verfechter von mehr Deutsch bei der EU jüngst vom Europäischen Ombudsmann Nikiforos Diamandouros: Nachdem sich der Dortmunder Verein Deutsche Sprache beklagt hatte, dass die Internetseiten der jeweiligen EU-Ratspräsidentschaft nicht auch auf Deutsch angeboten würden, forderte der Bürgerbeauftragte den Rat nachdrücklich auf, die Sprachenauswahl zu überdenken. Noch hat der Rat nicht reagiert, doch einen Trost haben die Dortmunder: Wenigstens für die Dauer der deutschen Ratspräsidentschaft hat sich dieses Problem von selbst erledigt.



Kommentare 0

Vă mulțumim pentru comentariul dumneavoastra. - comentariul va fi verificat de catre un editor si numai in cazul aprobarii va aparea pe site.

 
 
1000
/1000 Zeichen übrig
Mehr auf austria.com
Suche nach vermisstem U-Boot ist Rennen gegen die Zeit
Der internationale Rettungseinsatz für das im Südatlantik verschollene argentinische U-Boot "ARA San Juan" ist zu [...] mehr »
“Oumuamua”: Unser erster interstellarer Besucher
Forscher sind nicht nur erstaunt über die besondere Form des Asteroiden. Es ist der erste Asteroid, der nicht wie [...] mehr »
Älteste Zuchtgiraffe Europas starb im Alter von 30 Jahren
Sacha, die älteste Zuchtgiraffe Europas, ist tot. Das Männchen ist im Alter von 30 Jahren an "Altersschwäche" [...] mehr »
US-Militärflugzeug stürzte vor Japan ins Meer
Ein US-Militärflugzeug ist am Mittwoch mit elf Menschen an Bord vor Japan ins Meer gestürzt. Wie die japanische [...] mehr »
Luftangriffe zerstörten 22 Drogenfabriken in Afghanistan
Piloten der US- und der afghanischen Luftwaffe haben nach der größten Opiumernte in der Geschichte des Landes ihre [...] mehr »
Mehr Meldungen »
Werbung

Make-up-Trends: Smokey Eyes und heller Teint

New York Fashion Week startete mit zahlreichen Stars

Manfred Bauman bringt ein Stück Hollywood zur Photokina nach Köln

Keine gütliche Einigung um Facebook-Post von Til Schweiger

“Borat”-Erfinder will Fans Strafe zahlen

Interview mit Regisseur Ulrich Seidl: “Jeder Mensch hat seine Abgründe”

Werbung

Sie sind bei Facebook? Wir haben etwas Besonderes für Sie ...

Wenn Sie jetzt Ihren Facebook-Account mit %s verknüpfen, haben Sie einfachen Zugang zur beliebten Kommentar-Funktion auf %s, können Artikel einfach mit Ihren Freunden teilen - und auch selbst Fotos und Artikel auf %s hochladen.

{username}


Passwort vergessen?
{username}

Bitte max. 32 Zeichen verwenden

Ihren Benutzernamen können Sie hier ändern. Wir schlagen vor, dass Sie Ihren richtigen Namen verwenden, um an Diskussionen teilzunehmen.

Muss eine gültige E-Mail-Adresse sein

Benachrichtigungen und Newsletter (falls gewollt) werden an diese Emailadresse versendet. Ihre Privatsphäre ist uns wichtig

{username}%s antworten

OK, {username} - nun ist alles eingerichtet.

OK

Der Benutzer mit dem Sie sich einlochen wollen ist noch nicht aktiviert. Bitte klicken Sie auf den Aktivierungslink den wir Ihnen an %s gesendet haben. Aktivierungsmail erneut schicken OK

Anmeldung

Bei Facebook?

Sie können Ihren Facebook-Account zum Anmelden verwenden:

Mit Facebook verbinden



Passwort vergessen?
Neu registrieren

Werbung