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FIFA-Präsident Blatter tritt zurück

Blatter wurde der Gegenwind zu scharf Blatter wurde der Gegenwind zu scharf
Joseph Blatter hat am Dienstag in Zürich seinen Rücktritt als Präsident des Fußball-Weltverbandes FIFA angekündigt. Der 79-jährige Schweizer wird die FIFA so lange führen, bis sein Nachfolger auf einem außerordentlich einberufenen FIFA-Kongress gewählt wird. Dieser kann laut Statuten frühestens in vier Monaten stattfinden. Indes berichtete der US-Sender ABC, dass das FBI gegen Blatter ermittle.

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“Ich habe ernsthaft über meine Präsidentschaft nachgedacht und über die vierzig Jahre, in denen mein Leben untrennbar mit der FIFA und diesem großartigen Sport verbunden gewesen ist”, sagte Blatter auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz in französischer Sprache. Durch die Wahl am Freitag habe er noch einmal das Mandat durch die FIFA-Mitglieder bekommen, “aber ich habe das Gefühl, dass ich nicht das Mandat der gesamten Fußball-Welt habe. Daher habe ich entschieden, mein Mandat bei einem außerordentlich Kongress niederzulegen.”

Der nächste reguläre FIFA-Kongress ist erst für den 12. und 13. Mai 2016 in Mexiko-Stadt vorgesehen. Solange möchte Blatter aber nicht mehr warten. “Dies würde eine unnötige Verzögerung bedeuten”, sagte der Noch-FIFA-Chef. Gemäß FIFA-Statuten sind mindestens vier Monate zur Vorbereitung eines Wahlkongresses notwendig. Laut Domenico Scala, Vorsitzender der Audit- und Compliance-Kommission der FIFA, wäre daher zwischen Dezember 2015 und März 2015 ein realistischer Zeitraum.

Blatter wirkte relativ gefasst, auch wenn die Tragweite dieser Entscheidung riesig ist. Kämpferisch hatte er sich noch bei seiner fünften Wiederwahl gegeben. Zuversichtlich wollte er ungeachtet der Festnahmen und Anklagen gegen hochrangige Funktionäre weitermachen. Dieser Skandal, bei dem vor allem die US-Justiz ermittelt, war nun aber doch zu viel. “Ich habe Domenico Scala gebeten, die Einführung und Umsetzung dieser und anderer Maßnahmen zu beaufsichtigen”, erklärte Blatter.

Ändern soll sich in der Zukunft jedenfalls vieles. “Das Exekutiv-Komitee muss verkleinert werden und die Mitglieder sollten auf dem FIFA-Kongress gewählt werden”, verlautete Blatter. Integritätsprüfungen müssten zentral von der FIFA organisiert werden, und nicht durch die Konföderationen. “Wir brauchen auch Zeitlimits für den Präsidenten sowie alle Exekutiv-Komitee-Mitglieder”, fügte der Schweizer hinzu. Für diese Änderungen habe er schon bisher gekämpft. “Meine Bemühungen sind immer wieder blockiert worden, diesmal werde ich siegen.”

Blatter sagte am Ende seiner Rede, dass es die “tiefe Sorge um die FIFA und ihre Interessen” war, die ihn zu seiner Entscheidung veranlasst habe. “Ich möchte denen danken, die mich immer unterstützt haben in konstruktiver und loyaler Weise als Präsident der FIFA”, betonte Blatter. 1998 hatte er den Posten übernommen.

Die Nachfolgefragen ist offen. Der bei der jüngsten Wahl unterlegene jordanische Prinz Ali bin al-Hussein kündigte aber bereits am Dienstag an, wieder antreten zu wollen. Mit dem Niederländer Michael van Praag und dem Portugiesen Luis Figo hatte es im Vorfeld zwei weitere Kandidaten gegeben, die allerdings noch vor der Wahl einen Rückzieher gemacht hatten.

Blatters Entscheidung war ungeachtet der erneuten Zuspitzung der Ereignisse am Dienstag völlig unabsehbar. Nur wenige Medienvertreter hatten es überhaupt zu der Pressekonferenz in Zürich geschafft. Viele hatten schon damit gerechnet, dass die Zukunft von Generalsekretär Jerome Valcke bei der FIFA gefährdet wäre. Die “New York Times” hatte am Dienstag berichtet, dass die US-Ermittler der Ansicht seien, Valcke sei “der hochrangige FIFA-Offizielle”, der 2008 zehn Millionen Dollar von einem FIFA-Konto in der Schweiz auf ein US-Konto überwiesen habe.

Das Geld landete auf Konten, die vom früheren FIFA-Vizepräsidenten und CONCACAF-Chef Jack Warner kontrolliert worden sein sollen. Warner wird organisierte Kriminalität, Korruption und Geldwäsche vorgeworfen. Der Funktionär war in seinem Heimatland Trinidad und Tobago in der vergangenen Woche nach einem Gerichtstermin gegen eine Kaution von 2,5 Millionen Dollar auf freien Fuß gesetzt worden. Das US-Justizministerium hat seine Auslieferung beantragt.

Laut der “New York Times” sei in der Anklage der US-Justiz allerdings nicht die Rede davon, dass der Offizielle gewusst habe, dass das Geld für Bestechung verwendet worden sei, hieß es weiter. Valcke sei auch nicht als Mitbeschuldigter genannt. Weder Valcke noch andere aktuelle Mitglieder der FIFA-Führung seien “an der Initiierung, der Bewilligung und Ausführung” beteiligt gewesen, teilte die FIFA mit.

Südafrika hatte im Zusammenhang mit der Zahlung Bestechungsvorwürfe rund um die Vergabe der WM 2010 vehement zurückgewiesen. Die FIFA erklärte zudem, die Überweisung der zehn Millionen Dollar sei vom damaligen Vorsitzenden des Finanzkomitees, des mittlerweile gestorbenen Argentiniers Julio Grondona, genehmigt und gemäß der eigenen Regularien vorgenommen worden. Dass Valcke von dem Vorgang gewusst habe, sei ein normaler Vorgang, erklärte ein FIFA-Sprecher.

Die Zahlung von zehn Millionen Dollar sei von der Regierung Südafrikas und vom südafrikanischen Fußball-Verband genehmigt worden, um ein Projekt für die Unterstützung der afrikanischen Diaspora in der Karibik zu finanzieren, hieß es in einer Mitteilung.



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