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Französischer Komponist Pierre Boulez 90-jährig verstorben

Pierre Boulez war einer der bekanntesten zeitgenössischen Komponisten Pierre Boulez war einer der bekanntesten zeitgenössischen Komponisten
Der französische Komponist und Dirigent Pierre Boulez, einer der weltweit bedeutendsten Vertreter der musikalischen Avantgarde, ist tot. Er starb am Dienstagabend im Alter von 90 Jahren in Baden-Baden, wie sein Büro am Mittwoch in Paris bestätigte. Boulez hatte schon länger gesundheitliche Probleme. Er lebte mit seiner Familie an seinem Altersruhesitz in der badischen Kurstadt.

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“Er hat eine große Rolle gespielt bei uns”, sagte Helga Rabl-Stadler, Präsidentin der Salzburger Festspiele, gegenüber der APA. Boulez habe in der Mozartstadt “die Wiener Philharmoniker kennengelernt, woraus eine große Liebe entstanden ist”. Dem französischen Komponisten haben sich die Salzburger Festspiele anlässlich seines 90. Geburtstages im Vorjahr auch mit einer großen Retrospektive angenommen. “Er war nicht nur ein großer Musiker, sondern auch ein großer Musikerzieher, er war ein Beweger”, so Rabl-Stadler.

Auch Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) zeigte sich betroffen vom Ableben des Künstlers, der die Musikwelt revolutioniert habe. “Er durchdachte Musik als Theoretiker, war Komponist, Dirigent und selbst Pianist, der weltweit sein Publikum fordern und begeistern konnte. Mit seinen Kompositionen setzte er Marksteine in der Moderne”, wurde Ostermayer am Mittwoch in einer Aussendung zitiert. “Die Welt der Musik hat durch seinen Tod einen der bedeutendsten Vordenker der Avantgarde verloren.”

Boulez verstand sich in erster Linie als Komponist, wurde aber auch für seine Interpretationskunst und seine präzisen Orchestrierungen gerühmt. Zudem war Boulez Kulturmanager, Musikphilosoph, international gefragter Lehrer und Gründer des Pariser Forschungsinstituts für Akustik/Musik IRCAM. Sein Repertoire reichte von klassischer über “mikrotonale” Musik mit Computer bis hin zu Konzerten mit Bruce Springsteen oder Frank Zappa.

Der Sohn eines Stahlfabrikanten aus Montbrison, am 26. März 1925 geboren, entwickelte die Zwölftontechnik von Arnold Schönberg zur sogenannten seriellen Musik weiter; einer Strömung der Neuen Musik, die auf Zahlen- oder Proportionsreihen aufbaut. Seine in den 1950er-Jahren rigide konstruierte Musik war umstritten.

Die Modernität seiner Kompositionen wie “Notations” oder “Le marteau sans maître” (“Der Hammer ohne Herr”) wurde häufig als atonal, chaotisch und ungeordnet empfunden. Verehrt wurde er aber als Dirigent: Seine Interpretation von Richard Wagners “Ring des Nibelungen” 1976 bei den Bayreuther Festspielen – der sogenannte Jahrhundert-Ring 100 Jahre nach den ersten Festspielen – wurde legendär.

Boulez’ Weltkarriere führte ihn vom Sinfonieorchester des damaligen Südwestfunks in Baden-Baden über das BBC Symphony Orchestra in London bis hin zum New York Philharmonic Orchestra. Er wurde mit zahlreichen internationalen Auszeichnungen geehrt. In einer Pressemitteilung der Pariser Philharmonie würdigte seine Familie seine “kreative Energie”, seinen “künstlerischen Anspruch” und seine “Großzügigkeit”. “Seine Präsenz wird lebendig und intensiv bleiben.”

“Ich bin sehr betroffen von der traurigen Nachricht, weil mich viele Erinnerungen und persönliche Begegnungen mit Pierre Boulez verbinden. Ich habe ihn sehr bewundert und gemocht”, reagierte Staatsoperndirektor Dominique Meyer auf das Ableben des Franzosen. Auch Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny bedauerte in einer Reaktion am Mittwoch den Verlust für die Musikwelt.

“Ich habe viele wunderbare Konzerte mit ihm als Dirigent und Komponist erlebt, unvergesslich etwa die Konzerte mit zwei Orchestern mit dem Ensemble Intercontemporain und dem Orchestre de Paris gemeinsam mit Daniel Barenboim in Paris”, meinte Meyer. Und natürlich habe ihn damals auch der Jahrhundert-“Ring” in Bayreuth unter seiner musikalischen Leitung tief beeindruckt. “Boulez hat aber auch mein erstes Konzert als Direktor des Theatre des Champs-Elysees dirigiert.” Meyer erinnert sich, wie warmherzig Boulez stets von den Wiener Philharmonikern gesprochen hat. “Er hat ‘unser’ Orchester sehr geliebt.”

“Er galt als Klassiker der Moderne, war jedoch zugleich ein leidenschaftlicher Anhänger des Fortschritts. Ein großer Erneuerer der zeitgenössischen Musik, der mit seinen Klangexplosionen und seiner radikal neu gedachten Klangsprache Meilensteine in der Musikgeschichte gesetzt hat”, sagte Mailath-Pokorny. Boulez war auch ein in Wien oft und gern gesehener Gast. “Er hat in unserer Stadt tiefe künstlerische Spuren hinterlassen und er wird uns sehr fehlen.”



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