23. August 2012 17:41; Akt.: 23.08.2012 17:41

Google: Kinderporno-Zensor in Therapie

Kinderporno-Zensor musste 15.000 Bilder am Tag durchsehen. Kinderporno-Zensor musste 15.000 Bilder am Tag durchsehen. - © Bilderbox/Symbolbild
15.000 Bilder am Tag: Ein ehemaliger Google-Mitarbeiter, der für die Zensur von Kinderpornografie und anderen illegalen Inhalten verantwortlich war, befindet sich in psychologischer Behandlung und übt nun scharfe Kritik an Google.

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Google ist in den USA gesetzlich dazu verpflichtet, solche Inhalte innerhalb von 24 Stunden aus den Suchergebnissen zu löschen. Für diese Tätigkeit werden freie Mitarbeiter beschäftigt, deren Arbeitsverträge nach einem Jahr auslaufen. Der ehemalige Zensor berichtet in einem Interview mit dem Online-Medium Buzzfeed über seine Erfahrungen mit dem “schlechtesten Job bei Google”.

Keine Unterstützung von Google

Bis zu 15.000 Bilder von Köpfungen, Bestialität sowie sexuellen Übergriffen auf Kinder musste sich der Google-Zensor jeden Tag anschauen und gegebenenfalls sperren. Google leiht sich die Mitarbeiter für diesen unbeliebten Job nur für ein Jahr, weil damit eine Vollanstellung umgangen wird. Durch die psychische Anstrengung, die diese Aufgabe erfordert, würde wohl auch niemand eine feste Anstellung anstreben. Der ehemalige Mitarbeiter kritisiert, dass es bei Google keine Unterstützung für die Zensoren gibt.

“Jemand von den US-Behörden hat mit mir geredet und mich einem abgewandelten Rohrschachtest unterzogen. Nachdem mir ein Bild von einem Vater und seinem Kind gezeigt wurde, fragte die Person mich nach meiner emotionalen Reaktion. Ich sagte, dass das versaut sei. Da wurde mir klar, dass ich eine Therapie brauche”, erzählt der Google-Zensor.

Google bezahlte die erste Therapiestunde bei einem staatlichen Therapeuten. “Danach hieß es, ich soll mir einen neuen Therapeuten suchen und ihn auch selber bezahlen.” Der Zensor bestätigt, dass es bei Google viele solcher Fälle gibt. “Drei Mitarbeiter machten die Nachtschicht und kontrollierten YouTube-Videos. Ihnen wurde versprochen, dass sie angestellt werden, wenn sie sich auf Kinderpornos konzentrieren.”

Hunderte Pädophile ausgeforscht

Kinderpornografie im Internet wird in der Öffentlichkeit kaum diskutiert. Und das, obwohl der Handel mit illegalen Inhalten boomt wie nie zuvor. Vor wenigen Wochen ist in Österreich ein riesiger Kinderporno-Ring aufgeflogen – 272 Verdächtigte wurden festgenommen. Bei der Operation “Carole” sind Polizeibehörden in 141 Ländern aktiv gewesen, hunderte Pädophile wurden ausgeforscht. Die komplizierte Rechtslage in Europa bereitet Gegnern der Kinderporno-Industrie aber großes Kopfzerbrechen.

“Die Behörden verfolgen die Straftäter nicht, es gibt einfach kein Interesse. Es wird viel mehr Geld für die Verfolgung von Musikpiraten ausgegeben”, sagt Beate Blumenthal vom Verein Anti-Kinderporno http://www.anti-kinderporno.de gegenüber pressetext. Die Expertin ist überzeugt, dass die Kinderporno-Industrie mehr Geld umsetzt als die Drogenmafia. Außerdem kritisiert sie, dass es nur wenige Meldestellen für illegale Inhalte gibt. “In den USA wird viel härter durchgegriffen. Es ist problematisch, dass die Behörden in den meisten Fällen einfach wegschauen”, so Blumenthal.

(pressetext)



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