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Grazer “Il Trovatore” spielt im Berlin der 30er-Jahre

Im schillernden Berlin der 30er-Jahre hat Regisseur Ben Baur in der Grazer Oper Giuseppe Verdis “Il Trovatore” angesiedelt. Das war bei der Premiere am Samstag hübsch anzuschauen, gab Raum für dekorative Tableaus, brachte aber der Geschichte nicht viel. Die ambitionierten Sänger sorgten für Stimmung und Höhepunkte, die düster-glühende Musik war bei Dirigent Andrea Sanguineti in guten Händen.

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Die Handlung dieser Oper gilt als ziemlich verworren, was sie aber nicht ist, sobald man sie auf der Bühne sieht. Zwei Erzählungen – von Ferrando und Azucena – schildern den Hintergrund und damit ist alles klar. Was sich dann abspielt, ist eine dunkel-lodernde Geschichte über Rache, Liebe und Eifersucht, die an sich durchaus fassbar ist. Baur verlegt sie in das Berlin der aufkommenden Nazi-Zeit und der wilden Nächte in den Clubs. Er schuf auch das Bühnenbild, das bis ins Detail ästhetisch ausgestaltet ist, auch der Zerfall im zweiten Teil ist noch schön anzuschauen. Flammen züngeln wirkungsvoll und passen zum Text, beim Rest wird es problematisch. Nicht nur, dass das Libretto in diesem Umfeld keinen Sinn ergibt, die Geschichte ist auch in sich selbst nicht schlüssig.

Leonora, zunächst eine zickige Diva im goldenen Kleid (Kostüme: Uta Meenen), arbeitet offenbar im Varieté, ebenso wie Manrico und Azucena. Graf Luna ist ein reicher Bewunderer, soweit ist alles klar. Aber das ganze Drama von vertauschten Kindern, der Mutter auf dem Scheiterhaufen und der verzehrenden Rache geht nicht auf. Der Text will absolut nicht zur gezeigten Handlung passen.

In der Garderobe von Leonora treffen die Rivalen aufeinander und stehen unbeholfen herum, weil sie sich nicht schon jetzt gegenseitig erledigen können, sonst wäre die Oper ein Einakter. Der zweite Teil spielt in der zerstörten Stadt, in der ausgemergelte Menschen sterben und alles zerfällt, dazwischen brennen wieder dekorative Feuer. Auch in den Trümmerhaufen wird es nicht logischer, und zuletzt schneidet Luna noch der bereits an Gift sterbenden Leonora die Kehle durch – niemand weiß, warum. Azucena steht dabei, ringt die Hände und rollt die Augen wie im Stummfilm – aber das passt schon, am Ende kommt dadurch wenigstens etwas Dramatik ins Spiel.

Musikalisch kam der Abend etwas schwer in Gang, zu behäbig erklang zunächst das Grazer Philharmonische Orchester, die Funken begannen erst später zu sprühen. Herausragend war die Leistung von Nora Sourouzian als Azucena, die mit gut geführter Stimme dämonische Ausbrüche ebenso wie sanfte Erinnerungern an die Heimat wirkungsvoll meisterte. Luna wurde von Rodion Pogossov kraftvoll gesungen und gespielt. Als Leonora wirkte Lana Kos zunächst etwas blass, ihr Gesang blühte erst nach der Pause richtig auf. Ebenso bei Tenor Stefano Secco, der sich offenbar für Arie und Stretta im dritten Akt aufsparte, von da weg aber mit schönen Bögen sehr innig sang, auch wenn die strahlende Höhe nicht ganz so perfekt gelang. Wilfried Zelinka (Ferrando) als undurchsichtiger Figur zwischen Conférencier, Mitläufer und Drahtzieher überzeugte, Sonja Saric (Inez) und Martin Fournier (Ruiz, Bote) ergänzten das Ensemble.

(APA)



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