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Gusi: Von der Sandkiste ins Kanzleramt

Gusi: Von der Sandkiste ins Kanzleramt
Also doch noch – Alfred Gusenbauer (46) hat sich seinen erstmals im Sandkisten-Alter geäußerten Wunsch erfüllt und wird wie sein viel beschworenes Vorbild Bruno Kreisky Bundeskanzler.

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Zugetraut haben das dem SPÖ-Chef wenige, die sieben Jahre als Kanzler-Herausforderer waren mehr von Spott denn von Bewunderung begleitet gewesen. Geschafft hat es das Arbeiterkind aus Ybbs/Donau trotzdem, vor allem mit Beharrlichkeit, Intellekt und politischem Machtinstinkt.

Als die BAWAG-Bombe im Frühjahr platzte, hätte auf einen Bundeskanzler Alfred Gusenbauer kaum noch jemand gesetzt. Als er sich danach zu allem Überdruss mit den eigenen Gewerkschaftern anlegte, schien das eine aussichtslose Panik-Reaktion. Gusenbauer blieb aber beinhart auf Linie, tourte unverdrossen durch’s Land und hatte urplötzlich am 1. Oktober Platz eins in der Hand und eine geschwächte Gewerkschaft quasi unter sich.

Nach einem ganz ganz kurzen Schreck über den Sieg war der SPÖ-Chef schnell in die von seinen Beratern vorgegebene Rolle des „Volkskanzlers“ geschlüpft, fuhr freudig mit der U-Bahn zu Spielen seines Lieblingsfußballklubs Rapid, kaufte sein Gemüse höchstpersönlich am Naschmarkt und ließ sich auch von einer in den Verhandlungen störrischen ÖVP den Blick auf die Kanzlerschaft nicht mehr verderben. Auch wenn in den Verhandlungen nicht jeder rote Wunsch umgesetzt werden konnte, ist alleine die Bereitschaft der Volkspartei, sich wieder als Juniorpartner einzuordnen, irgendwie ein Erfolg Gusenbauers.

Dass es mit der großen Karriere etwas wird, war nicht unbedingt vorgezeichnet. Gusenbauer, geboren am 8. Februar 1960, stammt aus kleinen Verhältnissen, einer Arbeiterfamilie aus Ybbs an der Donau, wie er gerade in Wahlkampf-Zeiten immer wieder gerne betont. Mit Ehrgeiz und Fleiß schaffte es Gusenbauer, der sich als Kind unter anderem mit Ministrieren Taschengeld verdiente, trotzdem an die Uni. Dass es ihm beruflich nie schlecht ging, dafür sorgte die Partei, in der er sich flott hoch arbeitete.

1984 bis 1990 legte er als Vorsitzender der Sozialistischen Jugend die Basis für seine spätere Karriere, auch international, schaffte er es doch zum Vizepräsidenten der Sozialistischen Internationale. Das politische Standbein war damit geschaffen. Das berufliche Standbein bildete daneben die SP-dominierte Arbeiterkammer Niederösterreich, für die der Doktor der Politikwissenschaft lange Jahre tätig war. 1991 wurde Gusenbauer dann ein Bundesratsmandat zu Teil, 1993 macht man ihm mit gerade einmal 33 einen Sitz im Nationalrat frei, der ihm auch bis zum Regierungseintritt blieb.

Ab 1999 ging es schnell, Landesgeschäftsführer in Niederösterreich, 2000 schon Bundesgeschäftsführer und dann wenige Wochen später, exakt am 29. April 2000, bereits Parteivorsitzender und damit in einer Reihe klingender Namen von Adolf Schärf über Bruno Kreisky bis Franz Vranitzky. Den Posten bekam er freilich nur, weil sich der Liebling der Linken, Ex-Innenminister Caspar Einem, und jener der Rechten, Karl Schlögl, neutralisierten, ein klassischer Kompromisskandidat also, dem viele kein langes Leben an der Parteispitze prophezeiten.

Kaum im Amt kam Gusenbauer die wenig dankbare Aufgabe zu, den unter Viktor Klima angehäuften Schuldenberg der Partei abzubauen. Zusätzlich sah sich der junge Vorsitzende mit einer Partei konfrontiert, die nach Jahrzehnten in Regierungsverantwortung mit dem Wort Opposition wenig anzufangen wusste. Auf den Kopf fielen Gusenbauer auch eigene Unzulänglichkeiten. Sein unglückliches „Champagnisieren“ in Frankreich während der Sanktionszeit blieb ebenso im Gedächtnis wie seine Weigerung, einen Urlaub zu unterbrechen, als Gusenbauers Elternhaus unter (Hoch-)Wasser stand.

Eines hat Gusenbauer aber in den sieben Jahren seines Parteivorsitzes gelernt, Bürgernähe: Im Wissen um sein Image als präpotenter Intellektueller machte sich der SPÖ-Chef auf den Weg durchs Land. Ob nun „Startklar“, bei der „Tour de Chance“ oder als Bergfex – wer Gusenbauers Hand irgendwo zwischen dem Burgenland und Vorarlberg schütteln wollte, hatte in den letzten Jahren Gelegenheit dazu.

Dabei ist Rotwein-Liebhaber, Gourmet und Opernfreund Gusenbauer auch deutlich lockerer geworden, wenn es darum geht, mit dem „kleinen Mann“ auf Tuchfühlung zu gehen. Dauerhändeschütteln und Schmäh führen mit Anhängern und Interessierten sind ihm scheinbar kein Gräuel mehr, auch wenn viele meinen, wohler fühle er sich schon noch in elitären Denkerzirkeln. Manche sehen ihn mit seinem Vorgänger Wolfgang Schüssel gar nicht so unähnlich.

Umstritten ist Gusenbauer in eigenen Reihen ob seiner Sturheit. Er gilt in vielen Feldern als beratungsresistent, kritische Köpfe schart er angeblich nur ungern um sich. Am Liebsten vertraut er auf Freunde aus Jugendtagen, Bundesgeschäftsführerin Doris Bures ist hiefür nur ein Beispiel. Privat ist Spanien-Liebhaber Gusenbauer seit Jahren mit der Übersetzerin Eva Steiner liiert. Der Beziehung entstammt Tochter Selina, ein Teenager. Eine besonders enge Beziehung hat der neue Kanzler auch zu seiner Mutter Gertrude, die ihn im Wahlkampf mit viel Tatkraft unterstützte. Gusenbauers Vater war kurz nach dem Urnengang verstorben.

Gusenbauer zweit jüngster Bundeskanzler der Zweiten Republik

Alfred Gusenbauer ist der zweit jüngste Bundeskanzler Österreichs in der Zweiten Republik. Er schafft es mit gerade noch 46 Jahren ins Kanzleramt, am 8. Februar feiert er seinen 47. Geburtstag. Jünger als er war bei Amtsantritt bisher nur der erste Kanzler der Zweiten Republik, Leopold Figl, der nach der ersten Wahl 1945 mit 43 Jahren Regierungschef wurde.

Neben Figl und Gusenbauer gab es nur zwei weitere Kanzler, die bei Amtsantritt unter 50 Jahre alt waren: Franz Vranitzky (S), der 1986 mit 48 Jahren Regierungschef wurde, und dessen Nachfolger Viktor Klima (S), der bei seinem Amtsantritt 1997 49 Jahre alt war.



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