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Heumarkt-Areal: Architektenkammer übt Kritik an Stadt Wien

Großbauvorhaben am Wiener Heumarkt-Areal. Großbauvorhaben am Wiener Heumarkt-Areal. - © APA / ISAY WEINFELD & SEBASTIAN
Im Windschatten der Debatte rund um die Neugestaltung des Heumarktareals geht die Architektenkammer mit Wien hart ins Gericht. Denn die Stadt orientiere sich bei Widmungs- und Bebauungsplänen immer mehr an Investorenwünschen und nicht – wie gesetzlich eigentlich vorgeschrieben – am öffentlichen Interesse, so die Kritik.

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“Wir sind mittlerweile bei einem Zustand angelangt, wo sich Grundstückseigentümer ihre Bebauungsbestimmungen selber schreiben. Das ist inakzeptabel”, sagte Christoph Mayrhofer, Vorsitzender der Sektion Architekten in der Kammer.

Dass ein Investor das Interesse hat, einen möglichst hohen Ausnützungsgrad seines Areals zu erzielen, sei völlig legitim. “Aber dass die Stadt das so umsetzt und sich nicht nach dem öffentlichen Interesse richtet, ist ein Zustand, der eigentlich eines Rechtsstaats nicht würdig ist”, so Mayrhofer.

Investorenwünsche vor öffentlichem Interesse

Vielmehr werde hier versucht, auf Basis der Investorenwünsche hinterher ein öffentliches Interesse zu konstruieren, so der Vorwurf. Man wolle als Kammer gar keine Stellungnahme abgeben, ob die Heumarkt-Pläne nun “schön oder schiach” seien. Es gehe generell um die Vorgangsweise der Stadt, die sich eben auch an diesem Projekt oder auch am umstrittenen Hochhaus-Vorhaben “Danube Flats” bei der Reichsbrücke zeige.

Kritisch beäugt wurde in diesem Zusammenhang auch der Fachbeirat für Architektur und Stadtplanung. Dieser wird bei Umwidmungen und Änderungen von Bebauungsplänen befasst und gab erst in der Vorwoche das Okay zu den Anpassungen der Heumarkt-Pläne – allerdings nicht einstimmig. Das Projekt wurde geändert, nachdem die UNESCO mit der Aberkennung des Weltkulturerbes gedroht hatte. Wobei die Organisation daraufhin wissen ließ, dass die Adaptionen – u.a. die Dezimierung des geplanten Wohnturms von 75 auf 66 Meter und der Neubau des Hotels Intercontinental – “in keiner Weise den unmissverständlichen Vorgaben des Welterbekomitees der UNESCO” folgten. Gefordert wird eine neuerliche Überarbeitung.

Heumarktareal: Scharfe Kritik an Stadt Wien

“Es hat Unmut darüber gegeben, dass die Stadt ihre Ideen bereits einen Tag vor der Fachbeiratssitzung in einer Pressekonferenz vorgestellt hat”, betonte Architektin Hemma Fasch. Obwohl selbst eines von zwölf Mitgliedern, verwies sie auf “große Defizite” bei der Beschaffenheit des Gremiums. Man bekomme die Unterlagen sehr spät und habe selbst für komplexe Anträge kaum länger als eine halbe Stunde Beratungszeit, bemängelte sie: “Das macht seriöses Arbeiten eigentlich nicht mehr möglich.”

Mayrhofer ergänzte, dass auch die “fast sozialpartnerschaftliche Zusammensetzung” des Fachbeirats problematisch sei. Denn diverse Institutionen entsenden Vertreter in das Gremium – neben der Architektenkammer etwa auch Arbeiter- und Wirtschaftskammer. Für qualifizierte Begutachtungen brauche es aber Personen mit entsprechend fachlichem Background. Die Berufsvertretung fordert von der Stadt einen unabhängigen Fachbeirat und eine “nachhaltige Strategie der Stadtgestaltung”.

“Vorwürfe nicht nachvollziehbar”

Die Stadt wollte die Kritik freilich nicht auf sich sitzen lassen. Man halte fest, dass die Wiener Stadtplanung “auf einem soliden fachlichen Fundament steht und die Vorwürfe seitens der Wiener Architektenkammer nicht nachvollziehbar sind”, ließ das Rathaus per Aussendung wissen.

Planungsdirektor Thomas Madreiter betonte, dass im Regelfall Projekte im Dialog mit wichtigen Stakeholdern qualitativ entwickelt und zur Umsetzungsreife gebracht würden. Außerdem verwehre man sich gegen die Unterstellung, der Fachbeirat würde vorgeschoben. “Er erhält die gesetzlich vorgesehene Möglichkeit der Stellungnahme im Rahmen des Flächenwidmungverfahrens und nimmt diese offensichtlich auch wahr”, sagte Madreiter.

(APA)



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