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Ikea-Gründer war laut Geheimpolizei-Akt in Jugend aktiver Nazi

Ikea-Gründer war laut Geheimpolizei-Akt in Jugend aktiver Nazi
Der Gründer des schwedischen Möbelkonzerns Ikea, Ingvar Kamprad, war wesentlich stärker in nationalsozialistische und faschistische Aktivitäten involviert, als bisher bekannt.

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Das schwedische Fernsehen berichtete zu Wochenbeginn über bis dato unbekannte Dokumente der schwedischen Geheimpolizei Säpo, die Kamprad in den 1940er Jahren systematisch überwachte und dessen Korrespondenz mitlas.

Entdeckt und veröffentlicht hat die Säpo-Akte die Journalistin und Autorin Elisabeth Asbrink. In ihrem neuen Buch “Och i Wienerwald star träden kvar” (Und im Wienerwald stehen noch immer die Bäume) schreibt sie unter anderem, Kamprad sei in der nationalsozialistischen Jugendorganisation SSS (Schwedische Sozialistische Sammlung) aktiv gewesen und habe für diese auch Mitglieder angeworben.

Auch der bereits bekannte Kontakt Kamprads zu dem schwedischen Nazi Per Engdahl und dessen “Neuschwedischer Bewegung” (Nysvenska Rörelsen) soll wesentlich umfangreicher gewesen sein und länger angedauert haben, als bisher bekannt. Noch 1950 soll er in einem Brief an Engdahl geschrieben haben, er sei stolz, zum Kreis der “Neuschweden” zu gehören. Engdahl hatte nach dem Krieg unter anderem Nazigrößen zur Flucht nach Südamerika verholfen. Engdahl versuchte auch nach dem Zweiten Weltkrieg den faschistischen Gedanken aufrecht zu erhalten und eine europaweite Bewegung auf die Beine zu stellen. Kamprad hatte trotz aller Nazi-Dementis vergangenes Jahr seine Wertschätzung für Engdahl bekräftigt und ihn einen “großen Menschen” genannt.

Nazi-Vergangenheit von Kamprad wurde 1994 bekannt

Erstmals waren die braune Vergangenheit des Möbelzampanos 1994 publik geworden. Kamprad hatte sich nachträglich damals von seinen politischen Ansichten, die er in seiner Jugend gehabt hatte, lautstark distanziert und sie als “größten Fehler meines Lebens” bezeichnet. In einem späteren Interview relativierte Kamprad überdies, dass er seinerzeit eher von Mussolini als von dem “anderen Kerl” fasziniert gewesen sei. Daher sei es passender, ihn als als ehemaligen Faschisten und nicht als Ex-Nazi zu bezeichnen. Er habe die “kooperative Idee” dieser Ideologie gut gefunden.

Diesmal ließ Kamprad der schwedischen Nachrichtenagentur TT via seinen Sprecher Per Heggenes ausrichten, er habe von den Säpo-Akten nichts gewusst. Diese seien aber keine Überraschung, da es “der Job” des Geheimdienstes in den 1940er Jahren gewesen sei, sowohl ein Auge auf die Leute der rechten als auch der linken Seite zu haben. Die neuen Informationen bestätigten außerdem nur, was sein Chef vor 20 Jahren zu seinen ehemaligen politischen Sympathien gesagt habe und für die er sich seither immer wieder entschuldigt habe.

Keine Auswirkungen auf Ikea

Ikea sei als “multikulturelles Unternehmen bekannt und verfolge eine multikulturelle Strategie, so Heggenes; daher würden die Nazi-Anwürfe gegen Kamprad auch keine Auswirkungen auf dessen Geschäftstätigkeit haben. Der Chefredakteur der antirassistischen Zeitschrift “Expo”, Daniel Poohl, bezeichnete indes die neuen Vorwürfe gegen den Ikea-Gründer dagegen als “schwerwiegend“. Jedermann habe das Recht auf Irrtum und auf eine zweite Chance. Ein gefeierter Unternehmer, der sich als “führende Persönlichkeit des schwedischen Faschismus” herausstellt, sei aber ein Problem. Außerdem habe Kamprad, wie sich jetzt herausstellt, nicht, wie er immer wieder angekündigt hatte, alle Karten seiner Vergangenheit offen auf den Tisch gelegt.

Asbrinks Buch bezieht seinen Titel übrigens aus der Passage eines Briefs seiner jüdischen Eltern an den 13-jährigen Buben Otto, den diese nach dem “Anschluss” 1938 allein nach Schweden geschickt hatten. Dort traf dieser den jungen Ingvar Kamprad. Zwischen den beiden jungen Leuten entwickelte sich in der Folge eine enge Freundschaft. Den letzten der rund 500 Briefe, die die Autorin laut Pressetext in einem Ikea-Karton fand, erhielt Otto aus dem Vorzeige-KZ der Nationalsozialisten, Theresienstadt, dem heutigen Terezin (Tschechien).

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