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Julia Nauhaus neue Leiterin der Gemäldegalerie der Akademie

Nauhaus übernimmt die Leitung für die nächsten sechs Jahre Nauhaus übernimmt die Leitung für die nächsten sechs Jahre
Mehr als fünf Jahre lang wurde die Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien interimistisch geführt, nachdem Renate Trnek ihren Posten Ende 2010 aufgrund von Auffassungsunterschieden zwei Jahre vor Ende der Vertragslaufzeit gekündigt hatte. Ab 1. April hat man mit der am Freitag vorgestellten 40-jährigen Deutschen Julia M. Nauhaus endlich eine Nachfolgerin gefunden.

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Die Literatur- und Kunsthistorikerin aus dem sächsischen Zwickau übernimmt auch die Leitung des Kupferstichkabinetts. Unter anderem diese neue Konstruktion der Doppelführung sei einer der Gründe gewesen, warum sich die Bestellung derart verzögert hat, erklärte Eva Blimlinger, Rektorin der Akademie, bei der heutigen Pressekonferenz. So seien die “rechtlichen Unklarheiten” über die Installierung einer gemeinsamen Leitung beider Einheiten erst im vergangenen Jahr geklärt worden. Dazu komme ein “längerer Auswahlprozess”, da sich auf die erste Ausschreibung hin lediglich sieben Personen beworben hatten (darunter auch Nauhaus, wie sie auf Nachfrage sagte). Schlussendlich ging die am 27. März 1975 in Zwickau in Sachsen geborene derzeitige Leiterin des Lindenau-Museum Altenburg aus 20 nationalen und internationalen Bewerbern als Siegerin hervor.

“Wir haben uns nicht zuletzt für sie entschieden, weil sie derzeit mit dem Lindenau-Museum ein Haus leitet, in dem ebenfalls eine Grafische- und eine Gemälde-Sammlung vorhanden sind und Frau Nauhaus dadurch große Erfahrung mit zwei Sammlungsbeständen unterschiedlichen Charakters hat”, so Blimlinger. Vor ihrem Antritt in Altenburg im Juli 2012 arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Städtischen Museum Braunschweig, wo sie die Sammlungen Malerei, Grafik und Skulptur betreute. Auch Nauhaus’ Erfolge bei der Einwerbung von Drittmitteln, der Akquirierung neuer Besucherschichten und der wissenschaftlichen Qualität ihrer Ausstellungen und Publikationen habe schließlich für sie gesprochen. Blimlinger: “Kurz: ihre umfassende, höchste Qualifikation.”

Nauhaus hat die Herausforderung “gerne angenommen” und sieht “durchaus Verknüpfungen mit meiner bisherigen Tätigkeit. Was mich interessiert ist, wie Lehrsammlungen im 21. Jahrhundert funktionieren können und was man mit Studierenden und Dozenten ausprobieren und entwickeln kann.” Ihr schwebe für Wien ein “lebendiger Ort der Begegnung” vor. “Es muss immer wieder was zu entdecken geben, das habe ich in Altenburg mit einem gemischten Programm versucht. Ich finde die Verbindung von Gemäldesammlung und Kupferstichkabinett ganz wunderbar.” Ihr sei es wichtig, auch in Dauerausstellungen eine gewisse Fluktuation zu bieten und Schätze aus dem Depot zu holen. Auch das Angebot an Veranstaltungen “kann und soll erweitert werden”.

Inwiefern Nauhaus’ Handschrift jedoch zeitnah sichtbar werden wird, bleibt offen. Laut Blimlinger habe man den Antrag für eine Generalsanierung Ende 2015 beim zuständigen Ministerium eingereicht “und wir hoffen, dass es in einigen Wochen eine Entscheidung gibt”, zeigte sich die Rektorin optimistisch, das seit vielen Jahren angedachte und wieder verschobene Projekt endlich realisieren zu können. Die Sanierung könnte schon 2017 beginnen, als Ausweichquartier für die Universität ist nach wie vor die alte Wirtschafts-Uni geplant. Die Gemäldegalerie wäre während der geschätzten drei Jahre Sanierungszeit geschlossen, angedacht sind Kooperationen mit anderen Häusern, um einige Werke der Sammlung in dieser Zeit präsentieren zu können. Nach Abschluss der Bauarbeiten soll auch dem Kupferkabinett, das bisher über keinen Ausstellungsraum verfügt, ein Studiensaal und ein Depot zur Verfügung stehen. “Da werden sich neue Perspektiven eröffnen”, freut sich Blimlinger.

Nauhaus selbst wusste von den konkreten Sanierungsplänen im Zuge ihrer Bewerbung nichts, lediglich von den jahrelangen Plänen dazu hatte sie gehört. Dass sie wenige Monate nach Antritt ihres Jobs keinen fixen Ausstellungsraum haben könnte, stört sie jedoch nicht, wie sie zur APA sagte. So bleibe ihr mehr Zeit, sich in die Sammlung einzuarbeiten und Konzepte zu entwickeln. Zudem zeichne sie ja dann auch für die Kooperationen mit anderen Häusern verantwortlich. Wichtig sei jedenfalls, dass die beiden Sammlungen künftig “als Einheit gesehen werden und zusammenwachsen”.

Bis es soweit ist, steht die Gemäldegalerie heuer ganz im Zeichen von Hieronymus Bosch: Im 500. Todesjahr widmet man dem Meister drei Schwerpunkte. Den Beginn macht das Tanzprojekt “Hieronymus Bosch – Just Happening. Video Tanz Visionen” im Rahmen des EU-Tanzprojekts “Dancing Museums” (10. Mai bis 12. Juni). Von 26. August bis 30. Oktober ist die Schau “Natur auf Abwegen? Mischwesen, Gnome und Monster (nicht nur) bei Hieronymus Bosch” zu sehen. Highlight der Sammlung ist freilich Boschs großes “Weltgerichts-Triptychon”: Ihm ist ab 14. Dezember (bis 26. Februar 2017) die Schau “Das Jüngste Gericht” gewidmet. In diesem Rahmen werden auch die Ergebnisse eines seit 2009 laufenden FWF-Forschungsprojekts zur monografischen Untersuchung des Triptychons und eine dazugehörige Publikation vorgestellt. Weiters sind Konzerte, Lesungen und eine Tagung geplant.

Von 13. Februar bis zum 8. Mai läuft übrigens in der niederländischen Stadt ‘s Hertogenbosch im Het Noorbrabants Museum eine umfassende Bosch-Ausstellung mit zahlreichen Leihgaben aus der ganzen Welt – das Wiener Triptychon ist allerdings nicht dabei, da es “konservatorisch zu prekär ist, es zu verleihen”, wie die derzeitige interimistische Leiterin der Gemäldegalerie, Martina Fleischer, der APA sagte.



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