9. Dezember 2011 14:11; Akt.: 19.12.2011 11:25

Korkeichen & Kacheln

Traumhafte Küstenlandschaften Traumhafte Küstenlandschaften - © VN-SRT/R.Stallein
Wenn es in Österreich kalt und grau ist, zeigt sich die Algarve von einer angenehm stillen und farbenprächtigen Seite.

Die bunten Markthallen gehören jetzt den Einheimischen. Und an den Stränden, an denen im Sommer die Liegestühle in Reih und Glied stehen, sind die Fischer unter sich: Wer zwischen Oktober und April am Flughafen von Faro aus dem Flieger steigt, der entdeckt an der Algarve statt überlaufener Urlauberstädte noch ein Stück ursprüngliches Portugal.

Frühlingshafte Temperaturen

Viele Bars und Restaurants sind zwar geschlossen, hölzerne Strandtavernen knarren verlassen im Wind. Dafür locken frühlingshafte Temperaturen zu Ausflügen ins Hinterland und ausgedehnten Wanderungen, die im Sommer leicht zur Strapaze werden.

Der schönste Küstenabschnitt für lange Strandspaziergänge liegt zweifellos zwischen dem bizarren Felsenpark der Ponta da Piedade bei Lagos und den windumtosten Steilklippen am Cabo de São Vicente, dem südwestlichsten Zipfel des europäischen Festlands. Mal kraxelt man von einer menschenleeren Bucht zur nächsten durch die Felsen, mal genießt man auf den Klippen den unverbauten Blick aufs Meer.

Grandiose Aussichten bietet der Gipfel des 902 Meter hohen Fóia in der Serra de Monchique im Hinterland: Die halbe Algarve liegt einem zu Füßen, am Horizont glitzert der Atlantik. Kaum zwanzig Kilometer von der Küste entfernt taucht der Reisende in eine andere Welt. Um dorthin zu gelangen, geht die Fahrt von der Hafenstadt Portimão geradewegs gen Norden, vorbei an Obstplantagen und Gemüsefeldern, durch lichte Eukalyptuswälder.

Ein farbenprächtiges Bild

Rostrot leuchten die nackten Stämme geschälter Korkeichen. Mimosen und Mandelbäume, Rhododendron und Pfingstrosen weben bunte Tupfer in die grüne Landschaft. Hier wuchern Heidekraut und meterhoher Farn, wachsen Kastanien und wilde Azaleen, sind romantische Schluchten und munter plätschernde Bäche zu entdecken. Mitten in der grünen Idylle liegt das alte Thermalbad Caldas, romantisch in eine schmale Schlucht gebettet. Dem Heilwasser, das hier 33 Grad warm aus Schwefelquellen sprudelt, werden Wunderdinge nachgesagt, besonders bei Rheumatismus, Atembeschwerden und Magenleiden. Wer ländliche Idylle sucht, der geht am besten mit dem Mietwagen auf Entdeckungstour. Jenseits der Nationalstraße 125, die die ganze Küste begleitet, lohnen gemütliche Dörfer mit ursprünglichem Landleben die Ausflugsfahrt. Alte, Benafim, Paderne, Pena, Salir – einladend sind sie alle, diese stillen Bauerndörfer. Verschlafen und unspektakulär, mit verwinkelten Gassen, schattigen Plätzen und weißgekalkten Häusern, wie hingeklebt an die sonnenbeschienenen Hänge.

Pittoreskes Städtchen

Ein Muss zu jeder Jahreszeit ist Tavira, für viele die schönste Stadt an der Algarve. An Bewunderern mangelt es dem pittoresken Städtchen nicht. Aber die meisten bleiben nur ein paar Stunden. Sie schlendern durch schmale Gassen, die von stattlichen Patrizierhäusern gesäumt sind, bestaunen die geschmiedeten Balkone, die wie Schmuck vor den hohen Fenstern hängen. Sie genießen die Ruhe im winzigen Park der Burgruine, lassen den Blick über Pagodendächer und Kirchtürme schweifen. Noch schnell einen Café com leite (Milchkaffee) unter schattigen Bäumen vor dem Café Arcada – dann drängt der Reiseleiter zur Weiterfahrt. So berührt der Massentourismus die einstige Hauptstadt der Provinz Algarve bis heute nur stundenweise.

Das gilt auch für das Bergstädtchen Loulé, wo sich samstags auf dem Wochenmarkt ein farbenprächtiges Bild bietet. Rund um die Markthalle geht es zu wie auf dem Basar von Agadir, mit feilschenden Händlern, schreienden Marktfrauen und gackernden Hühnern.

Entspannung im Cafè

Auf den Ständen türmt sich Obst und Gemüse, Fisch, Wurst und Käse; Blumen, Kupfertöpfe, Messingkannen und geflochtene Körbe verwandeln die Gassen in ein buntes Mosaik. Und wer anschließend im Café Havaneza Louletana an der Praça da República den Frauen beim Plauschen zuschaut, einen Kaffee trinkt und dazu süßes Gebäck knabbert, den stört es wenig, dass das Meer zum Baden zu kalt ist und gelegentlich mal eine Regenwolke vorbeizieht.

 

Atemberaubende Dünen an der Sand-Algarve

Ein Erlebnis für sich ist der Algarve-Küstenabschnitt östlich von Faro. Zwischen der Provinzhauptstadt und der spanischen Grenze präsentiert sich die beliebte Badeküste völlig anders, als sie in den Reisekatalogen allgemein dargestellt wird. Man findet Sonne, Sand und sanfte Wellen statt bizarrer Klippen: An der sogenannten Sand-Algarve erinnern weite Dünenstrände, schmale, vorgelagerte Sandbänke und gründe Lagunen an die Wattlandschaften der Nordsee.

Mit dem Unterschied, dass man hier im Januar und Februar vergleichsweise leicht bekleidet bei angenehmen 16, 17 Grad kilometerlange Strandspaziergänge unternehmen kann.
Pflichttermin für Kulturliebhaber

Kulturliebhaber sollten an der Algarve der Kirche São Lourenço dos Matos einen Besuch abstatten. Das Schmückstück erhebt sich fast unscheinbar auf einer Anhöhe bei Almansil direkt an der Nationalstraße 125 aus dem Dunst der Autoabgase. Man findet einen Traum in Weißblau: es funkelt und glitzert von den Wänden, vom Gewölbe. Bis in die Kuppel ist das Kirchlein mit Azulejos, den für die Algarve typischen blauweißen Kacheln, ausgekleidet. Das Gegenstück steht in der Hafenstadt Lagos: Vergoldete Holzschnitzerei, wohin man schaut, macht die Kirche Santo António zum schönsten Gotteshaus der Algarve.


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