16. Juli 2012 21:08; Akt.: 17.07.2012 09:00

Kritik an FIFA-Präsident Blatter wird lauter

Es sollte ein großer Schritt in eine saubere Zukunft im korruptionsgebeutelten Fußball-Weltverband werden. Am Dienstag will das Exekutivkomitee der FIFA in Zürich das neue Ethik-Programm absegnen und der Korruption den Kampf ansagen. Doch durch jüngst veröffentlichte Justizakten gerät FIFA-Präsident Joseph Blatter zunehmend in die Defensive und muss sich gegen massive Rücktrittsforderungen wehren.

alt Korrekturen melden

Das in den Akten der Staatsanwaltschaft Zug belegte Ausmaß der FIFA-Korruptionsaffäre um Ex-FIFA-Präsident Jose Havelange und dessen brasilianischen Landsmann Ricardo Teixeira hat weltweit Wellen geschlagen. Gerade deshalb misst das deutsche Exekutivmitglied Theo Zwanziger der Sitzung des FIFA-Führungsgremiums große Bedeutung bei. Denn die auf der Agenda stehende Verabschiedung des Ethik-Kodex’ und die Einsetzung der Vorsitzenden der beiden Kammern der Ethikkommission sollen ein Signal für die Erneuerung im Weltverband setzen.

WM in Deutschland gekauft?

Doch aus Deutschland schlägt Blatter auch die schärfste Kritik entgegen. Ligapräsident Reinhard Rauball forderte ihn telefonisch zum Rücktritt auf, DFB-Präsident Wolfgang Niersbach reagierte entsetzt auf die jüngsten Enthüllungen und bedauerte, dass die Sitzung in Zürich davon “total überschattet” werde.

Blatter revanchierte sich am Wochenende mit öffentlichen Andeutungen, wonach es bei der WM-Vergabe an Deutschland im Juli 2000 Unregelmäßigkeiten gegeben habe. Der DFB reagierte empört auf “völlig nebulöse und unhaltbare Andeutungen”.

Blatter schreibt offenen Brief an Deutschland

Später ruderte Blatter zurück und relativierte seine Aussagen mit einem offenen Brief an “Fußball-Deutschland”. In der “Bild”-Zeitung erklärte der Schweizer, dass “man immer einen Vorwand finden kann, um irgendwelche Verschwörungstheorien zu spinnen. Sogar in Zusammenhang mit Deutschland, das eine perfekte WM lieferte.”

Doch die Seitenhiebe auf Deutschland rücken nur Blatter selbst noch weiter ins Zwielicht. Sein Schweizer Landsmann, der ehemalige FIFA-Direktor Guido Tognoni, erhob am Montag schwere Vorwürfe gegen seinen früheren Chef. Tatsache sei, “dass in der FIFA unter der Präsidentschaft von Sepp Blatter Dinge geschehen sind, die eigentlich in einem Fußballbetrieb nicht geschehen sollten”, sagte der Schweizer im ARD-Morgenmagazin.

(APA)



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