9. März 2010 11:54; Akt.: 27.09.2011 18:34

Kurz und lauwarm: LaRoux im Wiener Gasometer

Zumindest das Styling war bemüht. Zumindest das Styling war bemüht. - © Thomas Zeidler/Tageszeitung Österreich
Die Vorfreude war riesig bei den Fans, doch diese wurden bitter enttäuscht! LaRoux zeigten ihr “Können” nur 45 Minuten plus Zugabe bei einem miesen Sound und ohne große Emotion – und leider auch Stimme.

Mit der Wiedersehensfreude ist es oft so eine Sache: Grund zur Euphorie ist, dass nach Jahren der gitarrenschrummelnden Diskurs- und Britpopper nun wieder die elektronischen Sounds die Hitlisten beherrschen. Dass das ausgerechnet mit einem 80er-Revival einhergehen muss, muss man wohl in Kauf nehmen. Mitschuld an beidem: Das britische Duo LaRoux (“Bulletproof”). Das Jahrzehnt des Schulterpolsters feierte am Montagabend beim Konzert im Wiener Gasometer eine bunte Electro-Pop-Party. Nach einer Dreiviertelstunde und einer Zugabe war jedoch schon Schluss – ein Konzert in LP-Länge.

Da waren sie alle wieder, die verblassten Erinnerungen an die Dekade, in der sowohl die Popmusik als auch die Eigenartigkeit Hochkonjunktur hatten. LaRoux-Sängerin Elly Jackson hat auf der Bühne eine hochgetürmte Haartolle wie einst Grace Jones, die gepresste Dringlichkeit in der Stimme von Bronski Beat, die grenzautistisch versunkene Bühnenperformance eines Dave Gahan.

Und die Vorzeige-Hälfte des britischen Duos performt, auch das eine Reminiszenz, zu einer Musik, die den Live-Begriff ad absurdum führt. Zwei Keyboards und ein E-Drum-Set werden von den Mitmusikern fleißig bearbeitet, und man weiß: Die computergesteuerten Instrumente könnten das ebenso gut ohne menschliche Hilfe. Sehr heutige Synthesizer tauchen wie Nachlassverwalter tief in ihre Analog-Klang-Archive ein, aus dem elektronischen Schlagzeug kommen jene kollektiv ernst genommenen Sound-Archetypen, die so klingen wie Laserwaffen aus Science-Fiction-Filmen der 50er Jahre. Passt gut zu den ebenso waffenscheinpflichtigen, schrillen 80er-Sakkos von Jackson, die auch im modezeitschriftimitierenden Teil des Publikums ihre Retro-Entsprechung gefunden haben.

Doch diese Künstlichkeit ist hier eben die Stärke, Pop pur – und auch Jackson selbst scheint eine Performerin eher darzustellen als zu sein. Das Publikum solle keine Becher, sondern Blumen werfen, war der erste verbale Kontakt über eine spürbare Kluft zwischen Bühne und Zuschauerraum hinweg. Mick Jagger ließ zwar bei der eingestreuten Stones-Nummer “Under My Thumb” grüßen, doch LaRoux ist weit entfernt von jedem sonstigen Anhauch vergleichbarer Erotik der Exponierung: Jackson tanzt zur prototypischen Hochklasse-Disco-Musik, als ob sie lieber alleine wäre, und singt, als ob sie diese Abgeschiedenheit doch durch Emotionsüberschuss überwinden will. Das leidende Subjekt inmitten der Künstlichkeit.

Die daraus resultierende Spannung machte – trotz manchem Irrweg in der sonst überraschend naturstarken Stimme – das Konzert zu einem kühl-unterhaltsamen Erlebnis, dem die Kürze vielleicht im Endeffekt nicht schlecht getan hat. Trotzdem: Von der Dauer her war das ursprünglich für die Arena geplante und wegen großer Nachfrage verlegte Konzert sehr mager. Vielleicht war die täglich empfohlene Dosis an Retro-Ästhetik vorzeitig erreicht.

La Roux – “Cover My Eyes live” @ Gasometer:



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