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Loveparade: Verwirrspiel um die Verantwortung

Loveparade: Verwirrspiel um die Verantwortung
An Betroffenheit herrscht kein Mangel an diesen Tagen im Duisburger Rathaus. “Die Stadt Duisburg trauert um die Menschen, die bei dem Unglück auf der Loveparade starben oder verletzt wurden”, steht drei Tage nach der Katastrophe auf der Homepage der Ruhrgebietsstadt zu lesen. “Das Geschehene ist auch für uns immer noch unfassbar.” Ebenfalls als unfassbar dürften freilich Hinterbliebene und Opfer das Verwirrspiel um die Verantwortung für das Loveparade-Desaster mit 20 Toten empfinden. Denn statt Antworten gab es auch am Dienstag nur neue Fragen – vor allem, was die Rolle der Stadt bei der Tragödie vom Samstagnachmittag angeht.

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Denn nach neuen Berichten über angebliche Ungereimtheiten bei der Genehmigung der Techno-Party und über das umstrittene Sicherheitskonzept drängt sich für manchen der Eindruck auf, dass die Verantwortlichen die Loveparade womöglich “auf Teufel komm raus” stattfinden lassen wollten – obwohl die Stadt einer solchen Großveranstaltung kaum gewachsen sein konnte. So soll die Duisburger Polizei laut “Süddeutscher Zeitung” auf massiven Widerstand gestoßen sein, als sie Veranstalter und Stadt im Vorfeld der Loveparade mehrmals auf Bedenken zum Sicherheitskonzept hinwies. Wegen Sicherheitsbedenken wandte sich demnach vor allem der frühere Polizeipräsident Rolf Cebin gegen die Austragung der Großveranstaltung.

Doch der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) will nach eigenem Bekunden keine Kenntnis von Sicherheitsbedenken gehabt haben. “Mir sind keine Warnungen bekannt”, sagte der Oberbürgermeister der “Rheinischen Post”. Es gebe bei der Planung solcher Veranstaltungen immer kritische Stimmen, die man auch immer sehr ernst nehme. Aufgabe der Stadt sei es zu prüfen, ob beantragte Veranstaltungen stattfinden könnten. “Und genau das haben wir auch in diesem Fall gewissenhaft getan”, beteuerte der 55-Jährige.

Allerdings erscheint es mehr als zweifelhaft, dass sich Sauerland mit solchen Äußerungen im Amt halten kann. Zu denjenigen, die den Rücktritt des Oberbürgermeisters fordern, gesellten sich inzwischen der Innenexperte der Unionsbundestagsfraktion, Hans-Peter Uhl, und der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt. Im “Kölner Stadt-Anzeiger” nannte es Uhl “abenteuerlich und unverantwortlich”, für die Loveparade ein eingezäuntes Gelände auszuwählen – “mit einem Tunnel als Fluchtweg, auf dem Gegenverkehr herrscht”. “So etwas darf man nicht genehmigen”, kritisierte der CSU-Politiker. “Wer es doch tut, muss Konsequenzen ziehen. An der Spitze der politisch Verantwortlichen steht der Oberbürgermeister”.

Einem anderen Bericht zufolge sollen die Verantwortlichen sogar bis zuletzt überlegt haben, die Techno-Parade abzusagen. Die Duisburger Stadtverwaltung habe erst Stunden vor Party-Beginn die erforderliche ordnungsbehördliche Genehmigung unterschrieben, zitierte der “Kölner Stadt-Anzeiger” einen namentlich nicht genannten “Insider”. Eine Sprecherin der Stadt Duisburg hingegen nannte die kurzfristige Unterschrift unter die erforderliche Genehmigung “normal”. Die Genehmigung sei am Freitag unterschrieben worden – zu einem früheren Zeitpunkt sei dies auch gar nicht möglich gewesen, weil vor der Unterschrift die Aufbauten auf dem Veranstaltungsgelände fertig sein müssten.

Ob Warnungen im Vorfeld der Loveparade missachtet und die Genehmigungen rechtmäßig erteilt wurden, wird die Staatsanwaltschaft Duisburg nun in langwierigen Ermittlungen zu klären versuchen. Für den Loveparade-Gründer Dr. Motte alias Matthias Roeingh steht freilich schon jetzt fest, dass Duisburg keine Kompetenz für Veranstaltungen in der Loveparade-Größenordnung besitzt. Erfahrungen mit wiederkehrenden Großveranstaltungen habe die Ruhrgebietsstadt nicht sammeln können, sagte Dr. Motte dem TV-Sender n-tv. “Die gab es ja gar nicht. Von daher wäre ich da gar nicht erst hingegangen.”



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