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“Macbeth” in Innsbruck: Tanzleistungsschau mit Beigeschmack

Lady Macbeth ist ziemlich beweglich Lady Macbeth ist ziemlich beweglich - © APA (TIROLER LANDESTHEATER)
Am Samstag hat das Tanzstück “Macbeth” von Enrique Gasa Valga seine Premiere am Tiroler Landestheater gefeiert. Dafür orientierte sich der Chef der Tanzcompany des Tiroler Landestheaters grob an der Handlung des Ausgangswerkes, verlegte ebendiese aber nach Katalonien und ließ seine Tänzer zum Teil zu elektronischer Gegenwartsmusik tanzen. Das Publikum war restlos begeistert.

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Bereits der Einstieg in den Abend war Stimmungssetzer und Konzepterklärung gleichermaßen. In einer Videoeinspielung wusch sich ein Mann seine blutigen Hände in einem Waschbecken. Man verstand augenblicklich, dass es sich dabei um Macbeth handelte.

Gasa Valga spitzte die Handlung auf Mord, Mord und nochmals Mord zu. Macbeth und Banquo kehren aus einer Schlacht zurück und sogleich wird ihnen von drei Hexen prophezeit, dass Macbeth eine königliche Karriere bevorsteht und auch Banquos Aussichten gar rosig sind. Doch der König lebt leider noch. Lady Macbeth stachelt daher Macbeth an seine Männlichkeit zu beweisen und dem König den Garaus zu machen. Diesem Mord folgen weitere Morde, die Situation wird zunehmend unübersichtlicher und das Blutbad stetig größer.

Gasa Valga nutzte diese Steilvorlage, um das an sich komplexe Stück auf das für ihn Wesentliche zu reduzieren. Lediglich 19 kurze Tanzszenen und rund 105 Minuten brauchte er um alles zu einem blutigen Ende zu bringen. In diesen 19 Szenen begegneten einem tänzerische Brillanz und Exaktheit, ein breites musikalisches Spektrum von Arvo Pärt bis Club-Musik und jede Menge Pathos.

Nicht nur dank der geschickt eingebetteten Videosequenzen, auch aufgrund der Bühnenästhetik und der Musikauswahl erinnerte einen diese Macbeth-Auslegung an “Romeo und Julia” unter der Regie von Baz Luhrmann. In Innsbruck geriet die Feierszene vor dem Königsmord zu einer durchtanzten Klubnacht und weitere Mordszenen untermalte man gar mit dem Reggea-Meister Cornell Campbell. Doch schlug man auch die Brücke zu Frederic Chopin, dem italienischen Musiker Ezio Bosso und Bela Bartok.

Vor allem die beiden Hauptdarsteller Samuel Francis Pereira und Anna Romanova glänzten. Die kleinen Feinheiten und die Synchronität der Tänzer beeindruckten insgesamt. Das mimische Repertoire konnte indes nicht immer mit den tänzerischen Fertigkeiten mithalten. Gut möglich, dass Enrique Gasa Valga diese Reduktion auf einige wenige Emotionen und die Ausstellung der Virtuosität seiner Tänzer intentional so auf die Bühne bringen wollte. Es ist aber auch sichtbar geworden, dass nicht alles an diesem Abend der emotionalen Komplexität der Vorlage von Shakespeare gerecht wurde.

Das Premierenpublikum ließ sich von diesen Unstimmigkeiten nicht irritieren. Euphorische Bravo-Bekundungen für die Hauptdarsteller und frenetischer Applaus für Enrique Gasa Valga mündeten schließlich in lange anhaltenden Stehbeifall für Alles und Jeden. Das Stück beeindruckte durch ein stimmungsvolles Bühnenbild und tänzerische Höchstleistungen. Wer über Schwächen auf anderen Ebenen hinwegsehen kann, darf sich gerne von diesem Tanzabend begeistern lassen.

(APA)



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