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Michael Patrick Kelly und die Frage nach Identität: Neues Album “iD”

Michael Patrick Kelly hat sich als Musiker stetig weiterentwickelt. Michael Patrick Kelly hat sich als Musiker stetig weiterentwickelt. - © Andreas Nowak
von Amina Beganovic - Als “Paddy” war er der Mädchenschwarm der 90er-Generation, dann folgte der große Rückzug aus der Öffentlichkeit. Die Liebe zur Musik blieb aber, damals wie heute. VIENNA.AT sprach mit Michael Patrick Kelly über die Erfahrungen der Vergangenheit, Lehren für die Zukunft und die Bühne, die er “wie ein Fisch das Wasser” braucht.

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Gut Ding braucht Weile, diese Binsenweisheit kommt nicht von ungefähr. Blickt man auf das bewegte Leben von Michael Patrick Kelly, war es wohl genau so. Als Kind wird er in eine Familienband hineingeboren, lernt dort fast noch im Pampersalter die ersten Instrumente spielen und das ABC des Songwritings, um dann als Teenager der Schwarm einer ganzen Generation zu werden.

Es folgte ein regelrechter Orkan der Popularität, der mit 20 Millionen verkauften Alben und Stadiontourneen der Kelly Family über ihn hinwegfegte – und schließlich irgendwann zu stürmisch wurde. Paddy Kelly machte einen radikalen Schritt, um sich dem Kult um seine Person zu entziehen: Er wurde Mönch und schloss sich über sechs Jahre in der Stille eines Klosters in Frankreich ein.

Vom Kloster zurück auf die Bühne

Die Liebe zur Musik und zum Livespielen vor Publikum ist ihm aber nie verloren gegangen – er legte schließlich kein lebenslanges Gelübde bei den Mönchen ab, sondern kehrte 2010 auf die Bühne zurück. Während der Rest der berühmten Kelly Family derzeit auf großer Comeback-Hallentour ist, wandelt er selbst seit einigen Jahren auf Solopfaden.

Mit “iD” legt Michael Patrick Kelly nun ein neues Album vor, das auch ohne den “Kelly-Kult” für sich spricht. Nebenbei begeistert der 39-Jährige in der Vox-Show “Sing meinen Song” seine deutschen und österreichischen Fans – eine Erfahrung, die ihn selbst mehr als positiv überrascht hat, wie er im Interview mit VIENNA.AT verrät.

Michael Patrick Kelly im Interview

Der Titel deines neuen Albums „iD“ soll für „Identität“ stehen – erzähl mir mehr über den Gedanken dahinter.

Es gibt diesmal viele biographische Elemente in den Texten. Auch große Fragen wie „How Do You Love?“ – denn wie jemand liebt sagt stark aus, wie jemand tatsächlich ist, finde ich. Es gibt auch das Sprichwort “Zeig mir deine Freunde und ich sag dir, wer du bist” – das spiegelt sich im Song ‚Friends Are Family‘ wider. Es sind also Songs, die sich nicht nur um mich und meine Erfahrungen und meine “iD” drehen. “Who Am I, Who Are You, Who Are We” – das sind die drei Leitmotive für die Lyrics auf dem Album.

Warum stellst du dir gerade jetzt diese Fragen?

Ich stelle mir diese Fragen eigentlich schon mein ganzes Leben. Ich habe ja keine kulturellen Wurzeln, war von Klein auf ‚on the road‘. Ich wurde in einem Campingwagen geboren, bin nie zur Schule gegangen, habe im Doppeldeckerbus und am Hausboot gelebt. Ich habe keinen echten Heimatort, auch, wenn ich mich in Irland sehr wohl fühle, ich habe mit Amerikanisch und Irisch eine doppelte Staatsbürgerschaft. Die ‚iD‘ vieler Dinge, die gerade auf der Welt passieren, haben mich beim Making dieses Albums aber sehr beschäftigt: Trump wird US-Präsident, England unterzeichnet den Brexit …. Dinge verändern sich, es fließen gerade viele neue Ströme. Um die Ecke von unserem Studio in London passiert dann ein Terroranschlag – die Identität Europas wird angegriffen. Also die Fragen “Who Am I, Who Are You, Who Are We” haben mich selbst nicht nur viele Jahre begleitet, sie sind auch heute aktuell, weil wir in sehr umbrüchigen Zeiten leben.

Auf dem Album finden sich Pop, Rock, Folk, Soul … also viele verschiedene Stile. Konntest du dich nicht auf eine Musikrichtung festlegen?

Das stimmt wohl. Ich bin nach London zum Aufnehmen gegangen, um keinen Korsetts oder Schemata entsprechen zu müssen. Die Regel in der Londoner Musiklandschaft lautet “No Rules”: Mutig sein, Neues wagen. Ich höre sehr viel unterschiedliche Musik. Meine ersten Einflüsse war Folk, also traditioneller Irish Folk oder Spanischer Folk, nicht Mumford & Sons oder so. In den 90ern fing ich an, Popsongs zu schreiben, die Struktur eines Popsongs zu verstehen und umzusetzen. Privat habe ich als Teenie aber auch viel Grunge und Rock gehört, Pearl Jam, Led Zeppelin, Metallica, …  Gitarrenriffs habe ich immer geliebt! Deswegen habe ich versucht, die Facetten meines Musikgeschmacks bei diesem Album umzusetzen. Weniger nach einer Leitlinie, sondern Track-orientiert. Jack White von den White Stripes hat einmal gesagt: ‚Let the music tell you what to do’. So war es mit diesem Album – ich habe versucht, jedem Song das zu geben, was er braucht.

Im Song „Requiem“ erzählst du von der „Dark Soul of Rock n Roll“ – was genau ist die für dich?

Du kannst in London nicht durch Camden laufen, ohne, dass du zig Amy Winehouse-Graffitis siehst. Jeder Club, in dem sie dort gespielt hat, hat das so markiert. Vor kurzem ist dann auch Chris Cornell gestorben … ich habe die erste Soundgarden-Platte so oft gehört … viele Rock-Künstler sind in Wahrheit „very sensible souls“. Wenn man denen dann eine Weltaufmerksamkeit schenkt, können nicht alle damit umgehen … ich behaupte nicht, die Antwort auf dieses Problem zu haben, aber „Requiem“ ist ein Lied der Trauer, aber auch der Dankbarkeit für diese „Voices Of Angels“. Ich habe mir eine Jacke machen lassen, mit allen Namen. Prince, David Bowie, jetzt auch Chris Cornell … ich habe alle Namen auf eine Jeansjacke aufnähen lassen, das ist jetzt meine „Requiem“-Jacke.

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Bild: Andreas Nowak

Stichwort „sensibel“: Der Erfolgsdruck in der Musikindustrie ist ja nach wie vor sehr stark. Wie gehst du heute damit um, auch in Anbetracht zu deinen Erfahrungen mit der Kelly Family früher?

Die Zeit im Kloster hat mich von vielem befreit. Erfolg, materielle Dinge werden dabei relativiert. Erfolgsdruck ist ein trügerischer Ersatz für Liebe. Viele Künstler von Weltruhm waren oft Menschen, bei denen als Kind die Mutter nicht da war, der Vater abgehauen ist … dadurch kann ein großer Bedarf nach Anerkennung entstehen. Im Kloster hattest du gar keine öffentliche Anerkennung. Nur im Gebet fühlst du dich vom wichtigen Wesen erkannt – und das gibt dir eine unfassbare Ruhe.

Künstler können in die Falle geraten, zu glauben, dass das Publikum eine Form der Liebe ist. Aber das Publikum kann auch wie im Kolosseum sein – lieferst du einen Hit, Daumen hoch, ist deine Platte nicht so erfolgreich, Daumen runter. Jeder Musiker hat mal eine Trockenphasen, damit muss man dann umgehen können. Ich sag nicht, dass mir Erfolg egal ist – keine Frage, ich liebe großes Publikum. Aber ich weiß es zu ordnen.

Wie war die Erfahrung bei „Sing meinen Song – das Tauschkonzert“ für dich?

Sehr besonders. Ich finde, das ist aktuell die beste Musiksendung im deutschsprachigen Raum. Es geht um Musik, nicht darum, in einer Jury jemanden zu bewerten. Dieses Crossover von Genres – das ist Mega! Stef von Silbermond hat mich mit meiner Jugend versöhnt: Sie hat „An Angel“ in einer A-Capella-Version vorgetragen, bei der ich mir dachte: „Wow, stimmt, das ist ja ein echt schönes Lied!“ Mark Forster hat bei der Show gesagt, es wäre so, als würde dir jemand aus deinem Tagebuch vorlesen, und ja, das stimmt, man lässt musikalische Meilensteine des eigenen Lebens an einem Abend Revue passieren. Ich bin wirklich nicht nah am Wasser gebaut … aber erst hab ich Gentleman zum Weinen gebracht, und dann hat er’s mir heimgezahlt! Natürlich sind lauter Kameras um dich, die dann reinzoomen – aber ich finde es ehrlich gesagt gut. Wir wollen ja immer nur unsere Stärken zeigen, auf Facebook posten wir nur unser Best-Of. Aber sich auch mal schwach oder emotional zu zeigen … ich glaub, das ist mitunter ein Grund, warum die Sendung so erfolgreich ist.

Wie sieht es mit dem Privatleben aus, hast du dafür noch ausreichend Zeit?

Ja, es gibt eben die intensiven Promo-Phasen, so wie jetzt. Das ist für mich der Zirkus des Showbusiness, den ich nur mache, um live spielen zu können. Wie ein Fisch Wasser braucht, so ist für mich die Bühne. Als Kind war die Bühne mein Spielzimmer, dort fühle ich mich einfach wohl.

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Bild: Andreas H. Bitesnich

Ich habe vor kurzem auch mit deinem Bruder Angelo gesprochen. Wie verfolgst du das Comeback der anderen Kelly-Mitglieder mit?

Ich bekomme das so am Rande mit, ich war ja jetzt wie gesagt ein halbes Jahr in London, dann in Südafrika. Ich habe meinen Geschwistern immer gesagt: „Wenn wir ein Comeback machen sollten, dann machen wir das richtig, mit allen. Damit ich dabei bin, brauche ich einige Monate für das Projekt, produziere die Platte mit, entscheide Setlists,… also ich beiße den Apfel mit allen Zähnen und mache keine halben Sachen! Deswegen hat es so für mich keinen Sinn gemacht, ich hätte nicht auch noch diese weitere Baustelle mitmachen können, das wäre einfach too much gewesen.

Bei deinen aktuellen Tourdaten zum neuen Album stehen nur Termine in Deutschland. Was ist da los, wann kommst du zu uns nach Österreich?

(lacht) Ich werde im Sommer ein Open Air-Festival in Österreich spielen – wir dürfen aber noch nicht sagen wann und wo. Nächstes Jahr spielen wir aber auf jeden Fall auch in Wien.

idMichael Patrick Kellys neues Album “iD” erschien am 16. Juni bei Columbia D (Sony Music).



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