8. August 2012 06:41; Akt.: 8.08.2012 13:57

Möglicherweise geistig Behinderter hingerichtet

Im US-Staat Texas ist ein möglicherweise geistig behinderter Mann hingerichtet worden. Das bestätigte am Dienstagabend (Ortszeit) ein Sprecher des Gefängnisses in Huntsville der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

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Die Anwälte des 54-jährigen Marvin Wilson hatten geltend gemacht, dass ihr Mandant nur einen Intelligenzquotienten von 61 habe und damit eindeutig geistig zurückgeblieben sei. Nach einem Grundsatzurteil des Obersten Gerichts der USA dürfen geistig Behinderte nicht exekutiert werden. Der Supreme Court selbst lehnte am Dienstag aber einen Exekutionsaufschub ab. Wilson starb noch am Abend im Staatsgefängnis von Huntsville durch eine Giftspritze.

Todesurteil vor 20 Jahren

Der Mann war wegen der Ermordung eines Polizeiinformanten 1992 zum Tode verurteilt worden. Die Staatsanwaltschaft hatte argumentiert, dass der Test, bei dem der niedrige IQ festgestellt worden war, aus dem Jahr 2004 stamme und fehlerhaft gewesen sei. Andere Untersuchungen seitdem wiesen darauf hin, dass Wilson nicht als geistig behindert einzustufen sei. Auch die Art und Weise, wie er früher als Drogenhändler agiert und wie er den Mord ausgeführt habe, deuteten auf Fähigkeiten hin, die die eines geistig Behinderten überstiegen.

Der 54-Jährige war 18 Monate im Todestrakt gesessen, einen letzten Vorstoß seiner Anwälte zur Verhinderung der Hinrichtung wies der Oberste Gerichtshof am Dienstagnachmittag zurück. Gegen die geplante Hinrichtung hatten Menschenrechtsorganisationen scharf protestiert.

Bundesstaaten entscheiden wer behindert ist

Der Oberste Gerichtshof der USA hatte 2002 entschieden, dass geistig Behinderte nicht zum Tode verurteilt werden dürfen. Allerdings überließ das Gericht die Definition von geistiger Behinderung den einzelnen US-Staaten. Nach der geltenden Definition von Texas war der nun Hingerichtete laut Behördenangaben nicht geistig behindert.

Hinrichtung in Georgia aufgehoben

In den vergangenen Wochen hatte ein ähnlicher Fall in Georgia für Aufsehen gesorgt. Dort sollte der verurteilte Mörder Warren Hill durch die Giftspritze sterben, obwohl er nach mehreren Gutachten einen Intelligenzquotienten von lediglich knapp 70 hat. Die Exekution war aber kurzfristig vom höchsten Gericht des Staates gestoppt worden, nachdem der 52-Jährige Einspruch gegen die Hinrichtungsmethode eingelegt hatte.

Ein Drittel aller Exekutionen in Texas

Die Hinrichtung am Dienstag war nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International die siebente in diesem Jahr in Texas. Seit der Wiedereinführung der Todesstrafe 1976 seien dort fast 500 Menschen exekutiert worden – mehr als ein Drittel aller vollstreckten Todesurteile in den USA.

(APA)

 



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