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Mumok wirft internationalen Blick auf den Wiener Aktionismus

Einst Provokantes im Wiener mumok Einst Provokantes im Wiener mumok
Das Wiener mumok ist stolz auf seine Sammlung an Arbeiten zum Wiener Aktionismus. Bei der neuesten Ausstellung “Mein Körper ist das Ereignis” rückt das Haus nun anders als früher eher die performativen Aspekte der Bewegung in den Fokus – was der Ausstellungsdramaturgie bisweilen magisch, bisweilen nicht gelingt. In jedem Falle sind auch für Kenner einige Neuentdeckungen zu machen.

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Zum Auftakt beleuchtet man knapp die Zeit, in der die Malerei aus der Leinwand heraus in den Raum trat, sich die Performance vom Schauspiel löste und die Aktionen in einer Frühform herausbildeten. Hierbei wird allerdings die Problematik der Dokumentation der einzelnen Aktionen deutlich. Meist sind nur einige Schwarz-Weiß-Fotos erhalten, eine genaue Partitur oder Vergleichbares fehlt, weshalb der konkrete Ablauf vieler Performances unklar ist. So sind das Luftballonkonzert von Otto Muehl oder die grundsteinlegenden Literarischen Cabarets nur in drögen Foto-Schaukästen erfahrbar, die auch wenig an Glanz gewinnen, wenn ihnen zwei Videoarbeiten gegenübergestellt sind.

Eine ganz andere Magie strahlt hingegen der gegenüberliegende Saal mit den Videoarbeiten aus. Hier schweben die Leinwände scheinbar frei im Raum. 19 Filme von Carolee Schleemann und Hermann Nitsch, Muehl und Günter Brus bespiegeln sich in ihrer sehr auf malerische Vorbilder zurückgehenden Farbigkeit im Gegenüber. Wer den dazugehörigen Ton hören will, für den hängen Kopfhörer von der Decke – ein Ballett der Bilder.

Die Sexualität, Körperausscheidungen und der Körper als Material wurden nicht nur beim Wiener Aktionismus zunehmend in den Fokus gerückt. Auch in der mumok-Schau wird – ganz freudsch – die unterste Ebene von der Thematik beherrscht. Dabei lenkt man den Blick erfreulich intensiv auf die zahlreichen Künstlerinnen der Zeit. “Ein Kollege hat zu mir gesagt: Du darfst nicht nur Pimmel zeigen”, berichtete Kuratorin Eva Badura-Triska aus der Entstehungszeit. So finden sich im Tableau auch explizit das weibliche Geschlecht offenbarende Arbeiten von Carolee Schneemann, die Körpererkundungen von VALIE EXPORT und die mit der Pornografie spielenden Foto- und Videowerke der polnischen Künstlerin Natalia LL.

Letztere gehört zu einer weiteren Werkgruppe, der erfreulich viel Platz eingeräumt wird, haben die Kuratorinnen doch zahlreiche Entwicklungen von Künstlern jenseits des Eisernen Vorhangs aufgestöbert. “Ich dachte, im Osten geht es erst in den 70ern los – bis man dann genau schaut”, so Badura-Triska. Und so können auch Kenner des Wiener Aktionismus noch neue Werke wie die sehr an die Wiener Kollegen gemahnenden Körperauslotungen von Ion Grigorescu aus Rumänien oder den rituellen Spaziergang von Tomislav Gotovac aus Kroatien entdecken, obgleich die Klassiker wie Marina Abramovic, Joseph Beuys oder Wolf Vostell in der Schau nicht zu kurz kommen.

Weitere Neuentdeckungen kann man im Rahmen des heurigen ImPulsTanz-Festivals (16. Juli bis 16. August) machen, wenn sich Tänzer mit der Thematik auseinandersetzen und in der Sammlung eigene Arbeiten präsentieren. Zuvor ist am 24. und 25. April noch ein Symposium angesetzt, bei dem sich Wissenschafter der Thematik nähern.



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