Akt.:

Nach Doppelmord in Kapfenberg: OGH bestätigte Schuldspruch

Im Fall des 34-jährigen Serben, der am 4. April 2016 auf einem Supermarkt-Parkplatz in Kapfenberg seine Ehefrau und deren Schwester erstochen hat, hat der Oberste Gerichtshof (OGH) den Schuldspruch wegen Doppelmordes bestätigt. Die dagegen eingebrachte Nichtigkeitsbeschwerde des Mannes wurde – wie am Donnerstag bekannt wurde – bereits Mitte Februar in nicht-öffentlicher Sitzung zurückgewiesen.

Korrektur melden

Der Mann war Mitte Oktober vom Landesgericht Leoben zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Zudem wurde er in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen, weil ihm Gutachter eine schwere seelische Abnormität und eine hohe Rückfallwahrscheinlichkeit bescheinigten. Ob es nach dem nunmehr rechtskräftigen Schuldspruch auch beim Strafausspruch bleibt, muss das Oberlandesgericht (OLG) Graz entscheiden, dem der OGH den Akt zur Behandlung der Berufung über die Strafhöhe zuleitete.

Der 34-Jährige hatte den beiden Schwestern in der Nähe des Kapfenberger Bahnhofs aufgelauert, nachdem sich seine Frau wenige Tage zuvor von ihm getrennt hatte. Mit insgesamt zwölf Messerstichen brachte er die 30-Jährige und ihre um zwei Jahre jüngere Schwester zu Tode. Zeugenaussagen zufolge trat er noch mehrfach auf die Köpfe und Körper der am Boden liegenden Opfer ein und attackierte Passanten, die dazwischengehen wollten. Seine Frau hinterließ drei Kinder, ihre Schwester zwei.

In seiner Nichtigkeitsbeschwerde kritisierte der in Serbien aufgewachsene Mann, dem vom Erstgericht ein “erziehungsbedingtes südländisches Machogehabe” sowie “hegemoniale Männlichkeit” bescheinigt wurde, den vorgeblich unvollständigen Fragenkatalog, den die Geschworenen zu beantworten hatten. Die Frage in Richtung Totschlag – dafür hätte sich der Täter im Tatzeitpunkt in einer “allgemein begreiflichen heftigen Gemütsbewegung” befinden müssen – sei nicht gestellt worden.

Der OGH hielt dem entgegen, dass der Mann Tatvorbereitungshandlungen gesetzt hatte, indem er etwa den Tagesablauf seiner Frau auskundschaftete. Damit sei “von vornherein kein ernst zu nehmendes Indiz in Richtung eines spontan aufgrund eines tief greifenden Affekts gefassten Tötungsentschlusses” gegeben. Auch mit dem Hinweis auf seine Herkunft vermochte der Serbe die Höchstrichter nicht von der von ihm behaupteten allgemeinen Begreiflichkeit seines Vorgehens zu überzeugen: Es mangle vielmehr “an jeglicher Fundierung der – solcherart substratlosen – Rechtsbehauptung allgemeiner Begreiflichkeit eines selbst Tötungshemmungen hinwegfegenden Gefühlsturms”, heißt es in der OGH-Entscheidung (Geschäftszahl 11 Os 151/16i).

Im Übrigen käme laut OGH “Totschlag nur in Betracht, wenn eine in anderen Sittenvorstellungen wurzelnde Affektanfälligkeit trotz aller Fremdheit noch als sittlich verständlich beurteilt werden kann.” Denn bei der Prüfung der allgemeinen Begreiflichkeit der Gemütsbewegung sei “unter Anlegung eines individualisierenden objektiv-normativen Maßstabs vom Verhalten eines rechtstreuen Durchschnittsmenschen auszugehen, der mit den durch die österreichische Rechtsordnung geschützten Werten innerlich verbunden ist”.

(APA)



Kommentare 0

Vă mulțumim pentru comentariul dumneavoastra. - comentariul va fi verificat de catre un editor si numai in cazul aprobarii va aparea pe site.

 
 
1000
/1000 Zeichen übrig
Mehr auf austria.com
Diagonale Film Meeting: Alles, nur nicht Mittelmaß
Selbstkritisch den Status quo zu ermitteln und Strategien zu finden ist das Ziel des zweitägigen Diagonale Film [...] mehr »
Nach Graz-Wahl: Schwarz-blau präsentierten “Agenda Graz 22”
Der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) hat am Mittwoch gemeinsam mit seinem neuen Regierungspartner, der FPÖ, [...] mehr »
Deutschtrainerin in Graz wehrt sich gegen Kopftuchverbot
Eine Deutsch-Sprachlehrerin aus Graz wehrt sich gegen die Entscheidung des Berufsförderungsinstitutes Steiermark, die [...] mehr »
Steirer nach Autopanne bei Unfall schwer verletzt
Ein 82-jähriger Steirer ist am Dienstag nach einer Autopanne bei einem Unfall schwer verletzt worden. Der Mann hatte [...] mehr »
Diagonale-Eröffnung: Schauspiel-Preis an Krisch verliehen
Mit der Verleihung des Großen Schauspielpreises an Johannes Krisch ist am Dienstagabend in der Grazer Helmut-List-Halle [...] mehr »
Mehr Meldungen »
Werbung

Make-up-Trends: Smokey Eyes und heller Teint

New York Fashion Week startete mit zahlreichen Stars

Manfred Bauman bringt ein Stück Hollywood zur Photokina nach Köln

Alicia Keys provozierte mit sexy Nikab-Posting auf Twitter

Diät-Marathon von Daniela Katzenberger

Prinz Harry macht Druck: Zieht er mit Meghan zusammen?

Werbung

Sie sind bei Facebook? Wir haben etwas Besonderes für Sie ...

Wenn Sie jetzt Ihren Facebook-Account mit %s verknüpfen, haben Sie einfachen Zugang zur beliebten Kommentar-Funktion auf %s, können Artikel einfach mit Ihren Freunden teilen - und auch selbst Fotos und Artikel auf %s hochladen.

{username}


Passwort vergessen?
{username}

Bitte max. 32 Zeichen verwenden

Ihren Benutzernamen können Sie hier ändern. Wir schlagen vor, dass Sie Ihren richtigen Namen verwenden, um an Diskussionen teilzunehmen.

Muss eine gültige E-Mail-Adresse sein

Benachrichtigungen und Newsletter (falls gewollt) werden an diese Emailadresse versendet. Ihre Privatsphäre ist uns wichtig

{username}%s antworten

OK, {username} - nun ist alles eingerichtet.

OK

Der Benutzer mit dem Sie sich einlochen wollen ist noch nicht aktiviert. Bitte klicken Sie auf den Aktivierungslink den wir Ihnen an %s gesendet haben. Aktivierungsmail erneut schicken OK

Anmeldung

Bei Facebook?

Sie können Ihren Facebook-Account zum Anmelden verwenden:

Mit Facebook verbinden



Passwort vergessen?
Neu registrieren

Werbung