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Neue EU-Richtlinie bedeutet Aus für mehrere Tierarten in Schönbrunn

Droht den Nasenbären, die erst kürzlich ein neues Gehege bezogen, das Aus? Droht den Nasenbären, die erst kürzlich ein neues Gehege bezogen, das Aus? - © Daniel Zupanc
von Daniela Herger - Die EU hat im Zuge einer neuen Richtlinie über “invasive Arten” die Zucht von 23 Tierarten untersagt. Dies hat auch Auswirkungen auf den Tiergarten Schönbrunn, der einige seiner Bewohner nicht weiter halten darf. VIENNA.at hat in einem Interview mehr dazu erfahren.

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Wie ORF.at berichtete, hat die EU eine neue Verordnung erlassen, mit der die Zucht von 23 Tierarten untersagt wird. Betroffen sind demzufolge sogenannte “invasive” Spezies, die sich außerhalb ihres natürlichen Ursprungsraumes ausbreiten und so eine Gefahr für die einheimische Tier- und Pflanzenwelt darstellen würden. Es kam zu Diskussionen, ob betroffene Tierarten, die in Zoos gehalten werden, nun geschlachtet werden müssten. In Schönbrunn fallen vier Tierarten in diese Kategorie – etwa die beliebten Nasenbären.

Vier Arten im Tiergarten Schönbrunn betroffen

Anton Weissenbacher, seines Zeichens Zoologischer Abteilungsleiter im Tiergarten Schönbrunn, beantwortete VIENNA.at einige Fragen über die “invasiven Arten”, die im Wiener Zoo von dieser EU-Richtlinie betroffen sind, und erläuterte, wie man mit der Thematik hier umgeht.

VIENNA.at: Inwiefern hat die neue EU-Richtlinie über “invasive Arten” Auswirkungen auf Schönbrunn?
Weissenbacher: Die Auswirkung ist, dass es ja nicht nur bei den 23 Arten bleibt, sondern die Liste jederzeit erweitert werden kann. Das bedeutet für Schönbrunn eine Planungsunsicherheit. Wir haben beispielsweise erst 2014 unser neues Nasenbären-Gehege eröffnet.

Welche Arten im Wiener Tiergarten sind betroffen? Wie geht man damit nun um?
Im Tiergarten Schönbrunn sind vier Tierarten davon betroffen: die Muntjaks, die Rotwangenschmuckschildkröten, die Nasenbären und die Nutrias (Biberratten). Bei den Muntjaks haben wir nur mehr ein Männchen, nachdem das Weibchen im Vorjahr verstorben ist. Aufgrund der Richtlinie können wir uns nun kein neues Weibchen holen. Die Haltung wird also auslaufen. Die Haltung der Nutrias aufzugeben, war bereits unabhängig von der Richtlinie geplant. Wir haben hier noch zwei sechs Jahre alte Weibchen, die bei uns ihren Lebensabend verbringen.

Bei den Nasenbären züchten wir schon seit Jahren nicht mehr. Die Rotwangenschmuckschildkröten, rund 60 Tiere, wurden allesamt von Privathaltern abgegeben, die sie nicht mehr halten konnten oder wollten. In Zukunft werden wir keine Schildkröten mehr übernehmen. Hier bleibt dann zu hoffen, dass die Tiere nicht ausgesetzt werden und unsere einzige heimische Schildkrötenart, die Europäische Sumpfschildkröte, verdrängen.

“Invasive Arten”: So sehen die Zoos die EU-Richtlinie

Gibt es schon Pläne, wie es mit den Nasenbären weitergeht?
Nein. Hier wird noch nach einer Lösung gesucht.

Müssen Tiere, wie in manchen Medien befürchtet wurde, in Schönbrunn nun aufgrund der EU-Richtlinie geschlachtet und womöglich an andere Arten verfüttert werden?
Nein, das ist kein Thema.

Wie sieht Schönbrunn generell die Sinnhaftigkeit dieser EU-Richtlinie? Schließlich könnte man argumentieren, dass die im Zoo gehalteten Tiere anderen ja keinen Schaden zufügen können.
Das Thema der invasiven Arten ist sehr wichtig, deshalb sehen wir die EU-Richtlinie grundsätzlich positiv. Die Zoos setzen sich aber gemeinsam für eine Ausnahmeregelung ein, damit wir als Bildungsinstitution unsere Besucher weiterhin zu diesem Thema informieren können. Da die Tiere in Zoos keine Gefahr für die heimische Tierwelt darstellen und Zoos nachweislich die Problematik der invasiven Arten nicht verursacht haben, setzen sich die Zoos gemeinsam für eine Ausnahmegenehmigung ein, damit wir invasive Arten auch weiterhin halten und züchten dürfen.

Wird die Problematik um invasive Arten auch im Tiergarten an die Besucher weiterkommuniziert (“Diese Arten werden bald nicht mehr hier zu sehen sein, weil …”)?
Nein, derzeit nicht, da wir wie gesagt auf eine Ausnahmegenehmigung hoffen.

Der Tiergarten Schönbrunn will also gemeinsam mit anderen Zoos Ausnahmegenehmigungen aushandeln – ist hierzu schon etwas Konkretes beschlossen worden?
Nein, noch nicht.

Wir danken für das Gespräch.

 



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