vienna.at > > Schwerarbeiterregelung beschlossen
Text verkleinernText vergrößernArtikel versendenArtikel druckenArtikel kommentierenAn Redaktion melden
Beitrag online gestellt: 26.04.2006 14:47 Uhr
Zuletzt aktualisiert: 26.04.2006 15:11 Uhr
Es gibt 3 Beiträge zu diesem Thema

Schwerarbeiterregelung beschlossen

Der Nationalrat hat am Mittwoch die umstrittene Schwerarbeiterregelung beschlossen. Zugestimmt haben nur die Regierungsparteien. Die Opposition übte scharfe Kritik am Gesetz.

Schwerarbeiterregelung beschlossen
Kritik wird vor allem an den Voraussetzungen geübt, die künftig für den vorzeitigen Pensionsantritt mit reduzierten Abschlägen gelten sollen. Dominiert war die Sitzung von der Außenpolitik, mit den Themen Atompolitik, 50 Jahre Europarats-Mitgliedschaft und - am Nachmittag - EU-Beitritt Rumäniens und Bulgariens.

Die Schwerarbeiterregelung sieht für einen Pensionsantritt mit 60 Jahren einen begünstigen Abschlag von 1,8 Prozent vor, wenn bei 45 Versicherungsjahren während der letzten 20 Arbeitsjahre zehn Jahre Schwerarbeit geleistet wurde. Was unter Schwerarbeit zu verstehen ist, wurde in einer eigenen Verordnung geregelt. Unter anderem werden Schicht- und Wechseldienst (sofern auch in der Nacht absolviert), Arbeit bei extremen Temperaturen oder schwere körperliche Arbeit (8.374 Arbeitskilojoule bei Männern, 5.862 bei Frauen) anerkannt. Bei Exekutivbeamten muss die Hälfte der Dienstzeit im Außendienst verbracht werden, anerkannt werden auch Auslandseinsätze von Soldaten.

Die Kritik der Opposition betraf vor allem die jüngste Änderung, wonach nicht 15 Jahre Schwerarbeit im gesamten Arbeitsleben, sondern zehn Jahre während der letzten 20 Jahre vor der Pension vorliegen müssen. Eine „Schwerarbeiter-Ausschließungsregelung“ sei das, meinte SPÖ-Sozialsprecherin Heidrun Silhavy, gerade einmal 1,8 Prozent der Neuzugänge würden darunter fallen. „Jemand, der von 15 bis 49 Schwerarbeit leistet, erhält diese Pension nicht. Da sagen Sie, das ist gerecht“, empörte sich der Grüne Sozialsprecher Karl Öllinger über eine „völlig unbrauchbare, zynische Regelung“.

Die Koalition verteidigte die Regelung, räumte aber ein, dass man Neuland betrete und das Modell in Zukunft noch modifiziert werden könnte. VP-Sozialsprecher Walter Tancsits verwies darauf, dass das derzeitige Modell mit der Pensionsversicherungsanstalt seriös erprobt worden sei. Und Beamten-Chef Fritz Neugebauer (V) meinte, die jetzige Regelung sei besser als gar nichts zu tun. Für das BZÖ pries Sozialsprecher Max Walch, dass diese Regelung einmalig in Europa sei und Österreich von vielen darum beneidet werde. Sozialministerin Ursula Haubner (B) wies den Vorwurf der Opposition zurück, dass die Regelung Frauen - bei ihrem Regel-Pensionsalter von 60 Jahren - nichts bringe.

Einen Schlagabtausch vor allem zwischen Grünen und ÖVP gab es in der Aktuellen Stunde: Die Grünen hatten als Thema „Das ÖVP-Atomsündenregister“ gewählt - und warfen der Regierung einen starken Pro-Atom-Kurs unter der österreichischen EU-Präsidentschaft vor. Umweltminister Josef Pröll (V) wies dies zurück, bekräftigte die „grundlegende Ablehnung der Kernkraft“ durch die Regierung - und hielt den Grünen vor, dass man am 20. Jahrestag des Tschernobyl-Katastrophe lieber der Opfer gedenken sollte.

Naturgemäß harmonischer verlief die Debatte zum 50-Jahr Jubiläum Österreichs im Europarat. Außenministerin Ursula Plassnik (V) zeigte sich in einer Erklärung überzeugt, dass der Europarat als „gleichsam älterer Bruder“ von EU und OSZE „durchaus Zukunft“ haben werde - und die Redner aller vier Fraktionen schlossen sich dieser Überzeugung in einer Debatte an. Gepriesen wurden die Verdienste des Europarates in Sachen Menschenrechte, Aufbau demokratischer Staaten im Osten nach dem Fall der Mauer und als „demokratisches und soziales Gewissen“ Europas (Plassnik).

Nach einer Dringlichen Anfrage der SPÖ zum Thema Postenschacher stand am späten Nachmittag als weiterer Schwerpunkt der Sitzung die Ratifizierung der EU-Beitrittsverträge für Rumänien und Bulgarien am Programm.

Die Schwerarbeiterregelung ist Mittwoch Nachmittag mit den Stimmen der Koalition vom Nationalrat beschlossen worden. Sie ermöglicht es, ab 2007 mit 60 und begünstigten Abschlägen von 1,8 Prozent jährlich in Pension zu gehen, wenn 45 Versicherungsjahre vorliegen und während der letzten 20 Jahre vor dem Ruhestand 10 Jahre besonders belastende Tätigkeiten ausgeübt wurden. Für Beamte gibt es eine gewisse Erleichterung, sie benötigen nur 42 Versicherungsjahre, da man erst mit 18 ein öffentliches Dienstverhältnis beginnen kann.

Die Rahmenbedingungen, was unter Schwerarbeit zu verstehen ist, wurden in einer eigenen Verordnung des Sozialministeriums geregelt. Demnach profitieren Personen, die schwere körperliche Arbeit leisten (Verbrauch von 2.000 Arbeitskalorien bei Männern, von 1.400 Arbeitskalorien bei Frauen) bzw. die bei extremen Temperaturen (z.B. in Kühlhäusern) oder unter chemischen bzw. physikalischen Einflüssen (z.B. Arbeit mit Atemschutzgeräten, Einatmen von inhalativen Stoffen) arbeiten. Auch Schicht- und Wechseldienste werden anerkannt, sofern auch Nachtdienste (zwischen 22 und 6 Uhr an sechs Tagen im Monat) absolviert werden.

Ebenfalls berücksichtigt werden Arbeitnehmer, die in der Betreuung im Bereich Hospiz- oder Palliativmedizin tätig sind. Schließlich profitieren auch behinderte Personen, sofern sie zum Bezug von Pflegegeld ab Stufe 3 berechtigt sind. Für die Exekutive gibt es eine Sonderregelung. Wer zumindest die Hälfte der monatlichen Dienstzeit tatsächlich als Außendienst ausübt, wird als Schwerarbeiter anerkannt. Gleiches gilt für Soldaten während eines Auslandseinsatzes.

Gleichzeitig mit der Schwerarbeiterregelung wurde vom Nationalrat auch eine Änderung bei den Witwen-Pensionen beschlossen. Der Beobachtungszeitraum für die Berechnung der Leistung wird von zwei auf vier Jahre erhöht. Abgeschafft wurde die so genannte „Weiße Elefanten“-Regelung in der Sozialversicherung, wonach Leitende Angestellte auch nach Auslaufen ihrer Verträge nicht degradiert werden dürfen, sofern ihr alter Arbeitsplatz schon besetzt ist. Künftig ist die Versetzung auf einen schlechter bezahlten Posten möglich, sofern dieser „angemessen“ ist. Wie hoch die Gehaltskürzung ausfallen kann, ist vom Einzelfall abhängig. In Kraft tritt die Neuregelung Mitte dieses Jahres.

Ihre Meinung
Es gibt 3 Beiträge zu diesem Thema

Was meinen Sie?

Kommentar von: Feinstaub am

Exekutive

antworten | melden
Also wenn Polizisten Schwerarbeiter sind, wer bitte ist dann kein Schwerarbeiter?
Lächerlich sowas und eine bodenlose Frechheit.
Kommentar von: eroica am

die richtigen.....

antworten | melden
schwerarbeiter sind einzig und allein nur unsere höchstqualifizierten politiker.oder etwa nicht?
Kommentar von: JG36 am

Der Rentenklau

antworten | melden
ist wieder auferstanden. Die Ausbeutung und der finanzielle Raubzug dieser Regierung gegen die sogenannten "kleinen Leute" wird beinah menschenverachtend bie zum Exzess weiter voran getrieben. Hoffentlich gibt es nach dem Regierungswechsel eine Möglichkeit, diese in klassenkämpferischer Manier der Besitzenden , um die Reichen reicher und die Armen ärmer zu machenenden Maßnahmen zurück zu führen. Eine Preisfrage zum Schluss, wovon versteht ein Biobauer mehr: vom Ackerbau oder vom Strassenbau?? Die Lösung schicken sie bitte an die Asfinag. Zu gewinnen gibt es eine Woche auf einem Bauernhof im Bärental.
 

News: Österreich Aktuell

"Wie uns das Fernsehen zu Nazis macht"

apa | 14.09.2007 15:02
Mit ihrem Zweiminüter „Die Deutsche Kochschau“ hat das Kabarett-Duo Stermann und Grissemann YouTube-Rekorde gebrochen - jetzt machen sie diesen Erfolg zum Aufhänger des neuen Programms.
 

"Auch die Leistungsträger entlasten"

vn | 20.07.2007 09:01
Im VN-Interview spricht Bundeskanzler Alfred Gusenbauer über die Steuerreform, über das Bleiberecht und den Bawag-Prozess.
 

Bei Nichtigkeit zahlt der Hersteller

apa | 11.05.2007 18:40
Österreich - Bei einer Vertragsverletzung seitens der Eurofighter GmbH, muss der Jet-Hersteller die von Österreich bisher getätigten Investitionen zurückzahlen und eine Zwischenlösung finanzieren. Güteprüfung könnte verschoben werden
 

Elsner wurde an einer Vene operiert

apa | 11.05.2007 15:03
Österreich - Der frühere BAWAG-Chef Helmut Elsner ist am Freitag im Wiener AKH einer Venenoperation unterzogen worden. Elsner feiert am Samstag seinen 72. Geburtstag.
 

Hans-Peter Martin muss tief in die Tasche greifen

apa | 11.05.2007 14:15
EU - Das Europaparlament fordert von dem parteifreien österreichischen EU-Abgeordneten Hans-Peter Martin 163.381 Euro und 54 Cent im Zusammenhang mit der Verwendung der Sekretariatszulage zurück. Reaktion Martin | Porträt | Matznetter weist Vorwürfe zurück
 

Wetter

Sa 10
Samstag, 10. Jänner 2009: -2°C
-2°C
So 11
Sonntag, 11. Jänner 2009: -3°C
-3°C
Mo 12
Montag, 12. Jänner 2009: -3°C
-3°C
Di 13
Dienstag, 13. Jänner 2009: -3°C
-3°C

Verkehr/Öffis

Schwarzkapplerwarnung

Auf diesen Linien der Wiener Verkehrsbetriebe sollten Sie heute auf keinen Fall Ihren Fahrschein 'vergessen':
66A, 60, 64A, 70A, 65A

Horoskop

Was sagt Ihr Horoskop?

Steinbock (22.12 - 20.01.)

Steinbock
22.12 - 20.01.



Blogs


Themen die Wien heute bewegen: der Autogipfel und seine Ergebnisse - die Donau gefriert - Kalbsembryonen zum Mittagessen?
Wiener der Woche
als Mahlzeit sorgen für Aufregung in Ottakring!
Protest gegen Prämie für Verschrottung.
Gemeindebau oder gefährliche Bruchbude?

Harald Schmidt serviert Oliver Pocher eiskalt ab! Das tut weh!

Bilder des Tages

Brangelina bei den Critics' Choice Awards in Los Angeles © EPA

Buchtipps

Obama: Auf den neuen US-Präsidenten warten schwierige Herausforderungen

Wiensport

Capitals total: Alle News, Bilder und Videos von den Vienna Capitals!

Events

Oasis sind zurück! Die Stadthalle wird beben!

Gewinnspiele

Classix Party wie in der guten alten Zeit!

Bühne

Yamato: Das erfolgreichste Taiko-Ensemble der Welt kommt nach Wien!

Kino-Tipp

Sieben Leben: Ben wirkt Gutes. Doch er birgt ein Geheimnis.

Society

Posh Spice: Kein Platz mehr für Schuhe!