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Beitrag online gestellt: 09.10.2008 13:51 Uhr
Zuletzt aktualisiert: 09.10.2008 13:54 Uhr
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Der Schriftsteller Jean-Marie Gustave Le Clezio

Der heurige Literaturnobelpreis geht an ein Werk, das reich ist an Zivilisationskritik: Jean-Marie Gustave Le Clézio (68) wägt die Lebensart des materialistischen Westens gegen die Mythologien südamerikanischer Indianer, gegen das einfache Leben in der Wüste, gegen die Freiheit im Paradies ab. Dies geht zuungunsten der ersten Welt aus.

Der Autor widmet sich den Schwachen und Ausgeschlossenen einer sogenannten Dritten Welt, und einer fast mythischen Verbindung von Mensch und Natur. Die "Neue Zürcher Zeitung" bezeichnete ihn einmal als "uneitlen Einzelgänger und wachen Tagträumer", Le Clézio wurde als Erneuerer der französischen Tradition des Erzählens gefeiert.

Jean-Marie Gustave Le Clézio wurde am 13. April 1940 in Nizza als Sohn eines britischen Arztes und einer Französin geboren, die beide starke familiäre Bande nach Mauritius haben. Er verbrachte seine Kindheit in Frankreich und kurzzeitig in Nigeria. Später hat er unter dem Titel "Onitsha" über seine Kindheit geschrieben.
Nach Literatur-Studien in Frankreich und England schaffte er gleich mit seinem ersten, mit dem renommierten "Renaudot"-Preis ausgezeichneten Roman, "Le procès-verbal" (1963, auf Deutsch: "Das Protokoll"), den Durchbruch.
In der euphorischen Kritik wird gelobt, dass Le Clézio sich entgegen den literarischen Moden dem Erzählen öffnet und so gleich den "noveau roman" hinter sich ließ.

"Das Protokoll" reißt eines der Themen an, denen sich Le Clezio in zahlreichen Romanen, Erzählungen, Kinderbüchern und Essays immer wieder widmen wird: Eine Ekstase der Sinne, die aus außergewöhnlichen Geisteszuständen erwächst - und nicht selten im Wahnsinn endet.
Der Franzose schreibt über Einzelgänger und ihren Kampf gegen die modernen Zivilisation. In "Desert" etwa wird die marokkanische Schönheit Lalla zum Fotomodel - kehrt jedoch desillusioniert zu ihrem einfachen Leben in Marokko, aus der Zivilisation in die Wildnis zurück. Eine "Antithese zum modernen Westen" nennt dies die Nobelpreis-Homepage. Der Protagonist des "Protokolls" hingegen kann sich nicht lösen - und endet im Wahnsinn.

Von 1970 bis 1974 vollzog Le Clezio eine prägende Erfahrung: Als Mitarbeiter des französischen Lateinamerikanischen Institutes hat er am Leben der Indianer in Panama teilgenommen - eine Erfahrung, die großen Einfluss auf sein Werk haben sollte.
Er übersetzte aus der tradierten Mythologie der Indianer, widmete sich versunkenen Welten und kontrastierte Paradies-Zustände mit der "ersten Welt". Sein "Kampf der Kulturen" hat einen eindeutigen Verlierer, den zivilisierten Menschen.

Der Autor bekannte noch 1965, dass er nicht sicher ist, ob Schreiben eine gute Ausdrucksform ist, unterrichtete später an einer buddhistischen Universität in Thailand und widmete sich ökologischen Fragen.
Dieser Idealismus hat nicht allen seinen literarischen Kollegen gefallen - diese warfen ihm laut "Neuer Zürcher Zeitung" "übertriebenen Idealismus" vor, und sahen in ihm sogar, im Falle von Bernard-Henri Levy, einen "PLO-Anhänger" und "erklärten Antizionisten". Auf Deutsch erschienen u.a. "Der Goldsucher", "Ein Ort fernab der Welt" und "Revolutionen". Le Clezio, der u.a. auch den "Paul Morand"-Preis der Academie francaise (1980) erhalten hat, lebt heute in Albuquerque (USA), Frankreich und auf Mauritius.

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