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Österreichpremiere von Bernhard-Autobiografie gefeiert

Bernhard (gest. 1989) hätte wohl seine Freude Bernhard (gest. 1989) hätte wohl seine Freude - © APA (Archiv)
Er gilt als großer Provokateur der österreichischen Literaturgeschichte und wurde als “Nestbeschmutzer” beschimpft. Bei der Österreich-Premiere der Bühnenfassung seiner fünf autobiografischen Werke am Freitagabend im Landestheater Linz hat das Publikum den jungen Thomas Bernhard von seiner verletzlichen, aber auch kämpferischen Seite kennengelernt. Minutenlanger Schlussapplaus war die Folge.

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Oliver Reese hat die fünf Texte von Thomas Bernhard – “Die Ursache”, “Der Keller”, “Der Atem”, “Die Kälte” und “Ein Kind” – zu einem Stück verwoben. Es wurde 2013 in Frankfurt uraufgeführt, jetzt erlebte es auf der Studiobühne im Schauspielhaus seine Österreichische Erstaufführung. Während Bernhard “Ein Kind” als letzten seiner fünf autobiografischen Berichte veröffentlichte, wird in “Wille zur Wahrheit – Bestandsaufnahme von mir” eine chronologische Ordnung hergestellt.

Der Abend beginnt also mit der Erzählung eines heiteren Ausflugs auf dem Steyr-Waffenrad seines Vormunds, der in einem Unfall endet. Hier wird zu Beginn die liebevolle Beziehung zu seinem Großvater, Johannes Freumbichler, angedeutet, welcher später immer wieder den Künstler in Bernhard fördert. In krassem Kontrast dazu steht die Mutter, die für den Bettnässer Bernhard nichts als Schimpftiraden und Vergleiche mit seinem “Vaterschuft” übrig hat.

Die kindliche Unbeschwertheit findet ein jähes Ende, als Bernhard in ein Erziehungslager in Saalfeld im Thüringer Wald verschickt wird, wo ein etwas verstörend als Krüppel dargestellter Junge zum einzigen Freund Bernhards wird. Die Zeit im zuerst nationalsozialistisch, später katholisch geführten Salzburger Internat ist ähnlich düster. Der Jugendliche denkt an Selbstmord und findet Ablenkung nur im Geigenspiel. Schließlich entscheidet er sich dafür, “in die entgegengesetzte Richtung” zu gehen, bricht das Staatsgymnasium ab und nimmt eine Lehrstelle in der Salzburger Armensiedlung Scherzhauserfeldsiedlung an.

Die im Chor gesungene Phrase “in die entgegengesetzte Richtung” mag als Motto Bernhards gesehen werden – sie zeigt aber auch seine Liebe zur Musik, die ab diesem Punkt deutlicher wird. Textpassagen werden von nun an nicht nur gesprochen, sondern immer wieder auch gesungen. Der Kolonialwarenladen des Karl Podlaha, wo Bernhard seine Kaufmannslehre absolviert, wird für Bernhard zum Zufluchtsort, aber auch zum Schicksalsort. Denn dort erkrankt er beim Ausladen von Erdäpfeln an einer nassen Rippenfellentzündung, die ihn zeit seines Lebens verfolgen soll.

Hatte der jugendliche Thomas Bernhard noch Selbstmordgedanken, entscheidet er sich – im Krankenhaus von Sterbenden umgeben, ein weiteres Mal für die “entgegengesetzte Richtung” – und zwar bewusst für das Leben. Er kämpft zu diesem Zeitpunkt nicht nur gegen seine eigene Krankheit, sondern muss auch den Tod seines Großvaters und seiner Mutter verkraften. Doch der Tod des Großvaters befreit ihn auch – kann er doch nun, in Nachfolge seines als Heimatdichter tätigen Förderers, selbst als Schriftsteller tätig werden. Charakteristische Elemente der Sprache Thomas Bernhards spiegeln sich auch in der Bühnenfassung wider – etwa Wiederholungen oder lange, verschachtelte, aber durch die Inszenierung im Dialog trotzdem leicht verständliche Sätze.

Verkörpert wird Thomas Bernhard in dem Stück gleichzeitig von fünf Schauspielern – Regisseurin Verena Koch setzt dabei auf eine Mischung aus dem Publikum zugewandten Monolog und wohl als Selbstgespräch Bernhards zu interpretierendem Dialog zwischen den Darstellern. Drei Studenten des Schauspielstudios – Lukas Heinrich, Johanna Malecki und Christina Polzer – harmonieren gut mit Alexander Julian Meile und Vasilij Sotke aus dem Ensemble des Landestheaters. Das nach knapp zwei Stunden am Ende noch einmal im Chor ertönende “in die entgegengesetzte Richtung” klingt gleich einem Refrain noch nach dem minutenlangen Schlussapplaus nach.

(APA)



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