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Österreichs Schmerzpatienten schlecht versorgt

Österreichs Patienten mit chronischen Schmerzen sind unzufrieden und oft schlecht versorgt. Eklatante Defizite hat jetzt eine Umfrage unter 890 Betroffenen ergeben. Seit 2008 hat sich die Situation nicht gebessert, erklärten Experten am Donnerstag in Wien. Teures Doctor-Hopping, zuwenige Spezialisten und Einrichtungen sowie Kassen-Erstattungsdefizite verursachen Milliardenkosten ohne Vorteile.

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Das Gallup-Institut hat von Mai bis Juli dieses Jahres im Auftrag des Selbsthilfegruppen-Dachverbands “Allianz chronischer Schmerz” mit Unterstützung des Pharmakonzerns Astellas eine quer durch alle Alters- und Bevölkerungsgruppen gestreute Online-Umfrage mit Schwerpunkt auf Schmerzpatienten durchgeführt. Die Ergebnisse unterscheiden sich, so Erika Folkes von dem Dachverband nicht von jenen einer ähnliche Umfrage im Jahr 2008: “Es ist seither überhaupt nichts geschehen.”

Der aktuelle Zustand der Betreuung chronischer Schmerzpatienten erscheint demnach anhaltend schlecht. 14 Prozent der Betroffenen geben an, länger als ein Jahr an den quälenden Symptomen zu leiden, 40 Prozent bereits ein bis fünf Jahre, 27 Prozent sechs bis 15 Jahre und 16 Prozent mehr als 15 Jahre. Die Verzweiflung, auch jene mit der angebotenen Therapie, muss groß sein: Nur 16 Prozent der chronischen Schmerzpatienten haben einen Arzt konsultiert, 45 Prozent zwei bis drei Ärzte, 15 Prozent vier bis fünf Mediziner, immerhin noch 23 Prozent mehr als fünf Ärzte. Jene, die eine Therapie bekommen, sind damit nur durchschnittlich zufrieden.

Gallup-Demoskopin Gabriele Reithner: “Mehr als 40 Prozent der Patienten erklärten, in ihrer Lebensqualität stark beeinträchtigt zu sein. 45 Prozent haben hohe finanzielle Aufwendungen durch ihre chronischen Beschwerden.” An oberster Stelle der Forderungen stünden “mehr Verständnis und Akzeptanz”, man wolle nicht als Simulant oder Psycho-Patient betrachtet werden. 18 Prozent würden mehr finanzielle Förderung und mehr Krankenkassenleistungen fordern.

Es gibt begründeten Verdacht, dass Versorgungsdefizite in der österreichischen Schmerzmedizin zu Milliardenkosten ohne Vorteile für die Kranken führen. Hans Georg Kress: “Jeder fünfte Europäer leidet unter chronischen Schmerzen. Das macht 500 Millionen Krankenstandstage und 35 Milliarden Euro Schaden zulasten der Wirtschaft. In Österreich sind es pro Jahr 406.000 Krankenstandstage mit einem Produktivitätsverlust von 1,12 Milliarden Euro. Hinzu kommen 21.000 Frühpensionierungen mit 600 Millionen Euro kosten. Das ergibt volkswirtschaftliche Kosten von 1,7 Milliarden Euro.” Rechne man noch die direkten Invaliditätspensionsleistungen von 430 Millionen Euro und die Aufwendungen für die Behandlung hinzu, komme man auf jährliche Gesamtkosten von 3,8 Milliarden Euro.

Zwar gebe es ein vom Österreichischen Bundesinstitut für Gesundheitswesen (ÖBIG) seit Jahren einen Plan für die notwendigen Strukturen für die Betreuung von chronischen Schmerzpatienten, doch dieser liege bloß in Schubladen herum. “Schmerzmedizin ist in Österreich nicht existent, weder als Fach, noch als Sonderfach”, sagte Kress. Mangelnde Ausbildung und fehlende Strukturen ergänzen einander in negativer Weise. Der chronische Schmerz sei auch kein anerkanntes Krankheitsbild, was ebenfalls zu nicht vorhandener politischer Wahrnehmung des Bereichs führte. Auch die aktuelle Gesundheitsreform habe die Schmerzmedizin nicht wirklich im Visier.

Die Klagen der chronischen Schmerzpatienten über hohe finanzielle Aufwendungen betreffen laut den Experten moderne Schmerzmittel, die nicht von den Krankenkassen bezahlt werden. Bei anderen Leistungen gibt es wiederum bundesländerweise Unterschiede. Da die Betreuung von chronischen Schmerzpatienten auch kein Krankheitsbild ist, gilt das nicht als definierte Kassenleistung. Laut Selbsthilfegruppen gibt es in Wien nur 14 niedergelassene Ärzte mit einem Diplom für Schmerzmedizin der Österreichischen Ärztekammer.



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