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Pufferzone: Ein Blick hinter die Kulissen im Wiener Saunaclub “Goldentime”

Wie es in einem Saunaclub zugeht, erläutert Alexander Gerhardinger in "Pufferzone" Wie es in einem Saunaclub zugeht, erläutert Alexander Gerhardinger in "Pufferzone" - © Edition A / dpa (Sujet)
von Daniela Herger - Was ist eigentlich ein Saunaclub – eine Art Bordell? Wer arbeitet dort – und wer verdient daran? Wie geht es in einem solchen Etablissement zu? Diese und viele weitere Fragen beantwortet der Besitzer des Wiener Saunaclubs “Goldentime” in seinem Buch “Pufferzone”. VIENNA.AT stellt ab sofort alle zwei Wochen am Dienstag ein Buch aus oder über Wien vor – “Pufferzone” bildet den Auftakt.

Mitten im 11. Wiener Gemeindebezirk liegt ein nicht unumstrittenes Etablissement, dem für viele Wienerinnen und Wiener eine Atmosphäre des Verruchten und Zwielichtigen anhaftet: der “Goldentime” Saunaclub. Was sich in einem solchen wirklich abspielt, und wie ein gewöhnlicher Geschäftsmann zum Betreiber eines Lokals zur Prostitutionsanbahnung bzw. Bordells wird, erläutert einer der es wissen muss: “Goldentime”-Besitzer Alexander Gerhardinger.

Neugier auf Verbotenes

In dem Buch “Pufferzone. Wie man ein Bordell betreibt” plaudert Gerhardinger aus dem Nähkästchen und lüftet so manchen Schleier vor der für viele mysteriösen Welt eines solchen Lokals. Wer sich etwa schon immer gefragt haben sollte, was einen Saunaclub von einem gewöhnlichen Bordell unterscheidet, wird in diesem Buch lückenlos aufgeklärt. Gerhardinger beschreibt Rotlichtlokale wie das seine als die letzten tabuisierten Räume unserer Zeit und gibt sich verständnisvoll, dass die Neugier darauf auch bei Frauen, die dort nicht arbeiten, ebenso groß wie die Verlockung des Verbotenen sei.

Hinter den Kulissen des “Goldentime”

Seine ausführliche Beschreibung der Abläufe im “Goldentime” zeigt, dass Gerhardinger in Sachen Marketing kein unbeschriebenes Blatt ist. So erläutert der Betreiber, dass es sich bei seinem Saunaclub nicht um ein schmieriges Etablissement, sondern eine rundum saubere Sache handelt. Man bezahlt seine 80 Euro Eintritt, erhält gleich am Eingang einen frischen Bademantel, zieht sich in der Garderobe mit Kästchen um, und begibt sich dann in die durchwegs entspannte Atmosphäre des Saunaclub-Inneren.

40 bis 50 nette, nackte Mädchen räkeln sich dort laut Gerhardinger plaudernd auf ihren Handtüchern. Um mit ihnen ins Gespräch zu kommen, braucht es nicht mehr als ein Lächeln und eine auffordernde Kopfbewegung. Das Geschäftliche wird rasch geklärt, 60 Euro für die halbe Stunde gelten als Standardpreis, dann geht es weiter in eines der Separées. Diese sind für einen besonderen Reiz nur durch rote Vorhänge vom restlichen Betrieb getrennt. Gerhardinger beschreibt ausführlich, wie sich unkomplizierter Sex in seinem Saunaclub mit einem “Wellnesstag” verbinden lässt – “Lust durch Entspannung”, scheint die Devise zu sein.

Sicherheit: Wichtiges Thema im Saunaclub

Alkohol ist hierfür übrigens keinesfalls das Mittel der Wahl – im „Goldentime” ist dieser verpönt, am reichhaltigen Buffet gibt es ausschließlich Softdrinks, alkoholische Getränke sind nur auf Umwegen und begrenzt erhältlich.

Damit will Gerhardinger sicherstellen, dass in der „Spielwiese, die sich Saunaclub nennt” eine ungute Atmosphäre der Gewalt und Aggression in seinem Lokal gar nicht erst entsteht. Täglich von 11:00 bis 4:00 Uhr Früh, 7 Tage die Woche, 364 Tage im Jahr (nur an Weihnachten ist geschlossen) sorgen Securities zusätzlich dafür, dass sich Gäste und „Mädchen” im „Goldentime” sicher fühlen können. (Auch Überwachungskameras setzt er ein, aber dies nur zur Kontrolle des Personals.)

Was verdienen “Mädchen” und Besitzer?

Es fällt auf, dass im Buch kaum jemals von Frauen, immer eher euphemistisch von „Mädchen” die Rede ist. Wie funktioniert für diese dort eigentlich die Arbeit? Auch das führt Gerhardinger eingehend aus.

Wie er mehrfach betont, sind die Mädchen im „Goldentime” nicht abhängig und ausgeliefert, sondern “selbstständige Unternehmerinnen”, die in die eigene Tasche arbeiten. Keinen Cent davon müssen sie an Gerhardinger abgeben, der sich die Frauen zwar gezielt aussucht, aber nur an den Einnahmen durch die Eintrittsgelder verdient. Und das nicht schlecht: Das „Goldentime” macht im Monat einen Umsatz von rund 300.000 Euro.

Demgegenüber offenbart er auch die Verdienstmöglichkeiten für die “Mädchen”, die an ihn lediglich den reduzierten Eintritt von 60 Euro für ihren Arbeitstag im „Goldentime” zahlen müssen. Er plaudert über die Umsätze der „Spitzenmädchen”, die auf 10.000 bis 15.000 Euro im Monat kommen, für „normale” Mädchen sei ein „Gehalt” von 5000 Euro für 20 Arbeitstage die Regel. Er beschreibt auch, dass diese teils blutjungen Mädchen ihrerseits berechnende Geschäftsfrauen sind, die sich eine persönliche Zielsumme für ihre Arbeit festlegen, die in ein paar Jahren zu erreichen ist, und dann den Ausstieg aus dem Rotlichtmilieu durchziehen würden. Welche Spuren die Arbeit in einem solchen Business an den Sexarbeiterinnen hinterlassen könnte, wird übrigens ausgespart.

Wie man ein Bordell betreibt

Wie auch Gerhardinger generell stark die Business-Komponente hinter dem Saunaclub hervorkehrt: Viele seiner Erläuterungen beziehen sich darauf, wie man in diesem Geschäft erfolgreich sein kann und lesen sich, wie der Untertitel „Wie man ein Bordell betreibt”, wie Tipps für alle, die ebenfalls im Rotlichtmilieu Fuß fassen wollen. Hier outet er sich als Auskenner, der zu bedenken gibt, wie ungern Banken Unternehmen dieser Branche Kredite geben, der die rechtliche Situation in Österreich genau kennt, Probleme mit der Konkurrenz erläutert, die aber das Geschäft gewissermaßen auch belebt, und betont, dass man mit der Strategie: „Wenig delegieren, möglichst alles selber machen”, seiner Meinung auch am besten fahre.

Herumschlagen müsse man sich etwa mit Anzeigen nach dem Ausländerbeschäftigungsgesetz, mit Gewalt auch gegen die eigene Person, gut stellen müsse man sich mit Polizei und Behörden.

Alexander Gerhardinger: Wie er wurde, was er ist

Beim Blick auf seinen Werdegang verwundert es nicht, dass sich Gerhardinger wirklich auszukennen scheint. Er studierte Betriebswirtschaft und Soziologie, ist Experte für Recht und Marketing, arbeitete in der Immobilienbranche. In seiner Tätigkeit als Croupier knüpfte er Kontakte abseits der „Durchschnittsmenschen”, die ihn schließlich ins Rotlichtmilieu führten – zunächst als Betreiber des „Napoleonhof” in Linz, dann übernahm er das „Goldentime” in Wien.

Er weiß genau, worauf es im Saunaclub ankommt – Diskretion ist alles. Wie steht Gerhardinger aber dazu, dass er auf diese dubios anmutende Art sein Geld verdient – wie sieht er die moralische Komponente seiner Arbeit?

Von Moral und menschlichen Abgründen

„Vielleicht drängt sich Ihnen die Frage nach meinem Gewissen auf. Schließlich verdiene ich Geld mit dem Schicksal von Frauen, die ihren Körper verkaufen. Aber ich habe kein schlechtes Gewissen. (…) Ich habe dieses Buch nicht geschrieben, um die Schattenseiten der Prostitution zu leugnen und den Bordellbetrieb durch eine rosarote Brille zu zeigen.”

Wie wenig diese angemessen ist, zeigt sich auch beim Blick in menschliche Abgründe, die Gerhardinger gewährt. Er beschreibt immer wieder auftretende Sonderwünsche der Gäste (“Transvestiten, Schwangere, Großmütter – Hauptsache ausgefallen und noch nie dagewesen”), zieht aber auch eine Grenze: “Wir sind ein Saunaclub und kein Kuriositätenkabinett.”.

Wichtig sei ihm, „dass alle zufrieden sind. Nur so kann man die lockere Urlaubsatmosphäre bieten, für die ein guter Saunaclub eigentlich steht.” Ob man Gerhardinger diese Darstellung des “Goldentime” abnimmt, möge man nach Lektüre des teils schockierenden, aber aufschlussreichen Buches selbst entscheiden.

(DHE)


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