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Querverbindungen und Jubiläen: Hodler im Leopold Museum

Ausstellungs-Motto "Wahlverwandtschaften von Klimt bis Schiele" Ausstellungs-Motto "Wahlverwandtschaften von Klimt bis Schiele" - © APA
Für eine Ouvertüre ist diese Ausstellung äußerst üppig ausgefallen: Ferdinand Hodler nimmt im Wiener Leopold Museum das komplette erste Untergeschoß in Beschlag. Der Schweizer Maler, der ein Weggefährte von Klimt, Schiele und Kokoschka war, wird in der umfangreichen Retrospektive in all seinen Facetten erfahrbar gemacht – vom frühen Realismus bis zur später einsetzenden Abstraktion.

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Das Jubiläum, das Museumsdirektor Hans-Peter Wipplinger bei einer Presseführung am Donnerstag ansprach, ist der 100. Todestag im kommenden Jahr. Auch hier gibt es Parallelen zu den österreichischen Künstlern, starben doch Gustav Klimt, Egon Schiele und Koloman Moser ebenfalls 1918. In den zehn teils dicht gehängten Räumen der Schau “Ferdinand Hodler: Wahlverwandtschaften von Klimt bis Schiele” (13.10. bis 22.1.) offenbaren sich aber natürlich und vor allem die stilistischen wie inhaltlichen Querbezüge dieser Meister der Moderne.

“Wir zeigen Gemälde aus allen Schaffensphasen, vom Früh- bis zum Spätwerk”, so Wipplinger. “Dadurch sind auch alle verschiedenen Genres vertreten.” Der Einstieg in die rund 300 Objekte umfassende Ausstellung, deren detaillierte wissenschaftliche Aufarbeitung gemeinsam mit dem Archiv Jura Brüschweiler in Genf durchgeführt wurde, ist biografisch geprägt: Von Hodler entworfene Banknoten, persönliche Dokumente und etliche Fotografien dokumentieren im kompakten Überblick die Lebensjahre des 1853 in Bern geborenen Künstlers.

Danach wird in erster Linie chronologisch die Entwicklung Hodlers vom jungen Vedutenmaler zum vielgestaltigen Beobachter nachgezeichnet. Einzelne Ausnahmen bilden etwa die Räume zu den Selbstporträts und Bildnissen, wobei hier die unterschiedlichen Stationen gleichberechtigt nebeneinanderstehen. Sie verdeutlichen auf gelungene Weise den Weg Hodlers, der sich laut Wipplinger Zeit seines Lebens nicht nur mit “Liebe und Tod” auseinandergesetzt hat, sondern auch Mensch und Natur viel Aufmerksamkeit widmete. “Ein großes Thema war außerdem, sich selbst zu erforschen”, so der Direktor, der die Schau kuratierte.

Seinen Durchbruch in Wien feierte Hodler mit der XIX. Ausstellung der Secession 1904: Mit 31 Arbeiten stand er damals im Zentrum, 13 Werke konnte er verkaufen, was auch von finanzieller Seite für den Künstler nicht zu unterschätzen war. Diese Zeit wird ebenfalls, neben Sujets der damaligen Präsentation, mit umfangreichem Dokumentationsmaterial veranschaulicht. Darunter befindet sich ein Brief Hodlers an Franz Servaes, in dem er ausführlich vom Gestaltungsprinzip des “Parallelismus” schrieb. Lange war danach gesucht worden, das Leopold Museum hat das Artefakt nun entdeckt und erworben. “Ein schöner, glücklicher Zufall”, so Wipplinger.

Immer wieder begegnet man neben den teils monumentalen Arbeiten Hodlers wie “Wilhelm Tell” oder “Die Wahrheit” (die Großformate sollten auch einen Disput mit Albin Egger-Lienz nach sich ziehen) den Arbeiten der österreichischen Kollegen. So werden Schieles Frauenfiguren Akten Hodlers gegenübergestellt, hängt die “Gartenlandschaft mit Bergkuppe” von Klimt zwischen einem farbenfrohen Blumenensemble sowie einer kraftvollen Flussansicht des Schweizers und finden auch seine zunehmend reduzierteren Berg- und Seelandschaften künstlerische Entsprechungen. “In seinem Spätwerk erkennt man einen freien Umgang mit Farbe, Form und Fläche”, erläuterte Wipplinger diese Phase ansprechend.

Angetan zeigte sich Niklaus Güdel, Leiter des Brüschweiler-Archivs, von der Zusammenarbeit mit dem Leopold Museum. “Wir wissen es als noch junge Institution sehr zu schätzen, unsere Objekte im Ausland zu präsentieren”, verwies er auf unzählige Leihgaben aus der Sammlung des Kunstexperten Brüschweiler, der sich intensiv mit Hodler auseinandergesetzt hat. Manches sei noch nie ausgestellt worden, und auch angesichts des anstehenden Jubiläums gebe es noch einiges zu tun – immerhin warten rund 80.000 Dokumente auf ihre Inventarisierung. Als Besucher sollte man sich vorerst aber den “Wahlverwandtschaften” widmen, es lohnt sich.

(APA)



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