Akt.:

Renault wehrt sich gegen Verdacht der Abgas-Manipulationen

Wurde bei Renault auch getrickst? Wurde bei Renault auch getrickst? - © APA (AFP)
Hat Frankreich nun auch einen Abgas-Skandal? Durchgesickerte Details aus einem Bericht der Pariser Anti-Betrugs-Behörde bringen den Autobauer Renault in Bedrängnis. Die Rede ist von betrügerischen Strategien, um die Ergebnisse von Abgastests bei der Fahrzeugzulassung zu verfälschen. Investoren reagierten nervös, der Aktienkurs lag am Freitag 7 Prozent tiefer als vor den Enthüllungen am Mittwoch.

Korrektur melden

Der Autobauer ist empört und sieht sich zu Unrecht in die Ecke gestellt. “Renault verdient keinesfalls die Behandlung, die es seit einigen Stunden erfährt”, sagte Thierry Bollore, der für Wettbewerbsfähigkeit zuständige Renault-Manager. “Wir sind schockiert, entsetzt und sogar wütend.” In einem Interview der Zeitung “Le Figaro” weist er die Vorwürfe kategorisch zurück: “Renault hat nicht geschummelt, hat nicht getäuscht.”

Hintergrund sind Untersuchungen, die Frankreich nach dem VW-Abgasskandal angesetzt hatte. 2015 war bekannt geworden, dass der deutsche Autobauer mit einer Software Abgastests manipuliert hatte – der Fall hatte Schockwellen durch die Industrie geschickt.

Schon seit Monaten war bekannt, dass die Pariser Anti-Betrugs-Behörde ihre Erkenntnisse zu Renault-Fahrzeugen an die Justiz übergeben hatte. Seit Jänner prüfen Ermittlungsrichter den Verdacht einer Täuschung. Doch die Zeitung “Liberation” und weitere französische Medien nannten nun erstmals Details der Vorwürfe. Demnach heißt es in dem Behördendokument: “Diese Ergebnisse lassen die Installation einer betrügerischen Einrichtung vermuten, um Stickoxid-Emissionen unter den spezifischen Bedingungen der Zulassungstests zu reduzieren und so die ordnungsgemäßen Grenzwerte einzuhalten.”

Laut der Wirtschaftszeitung “Les Echos” wird Renault verdächtigt, seine Abgasreinigung so eingestellt zu haben, dass sie bei den standardisierten Labortests perfekt funktioniert, unter anderen Bedingungen aber nicht. Insgesamt seien 900 000 Fahrzeuge betroffen. Die Behörde des Wirtschaftsministeriums spreche von einer “bewussten und vorsätzlichen” Strategie. Das Amt selbst äußerte sich nicht zum Inhalt seines Berichts. Renault gab an, keinen Zugang zu dem Dokument zu haben. Renault-Manager Bollore sagte, der Autobauer habe keine Betrugs-Software eingesetzt: “Renault-Autos sind niemals mit solchen Systemen ausgestattet worden.”

Die Abgasreinigung bei Autos ist seit dem Bekanntwerden des VW-Skandals ein viel diskutiertes Thema. Im Realverbrauch sind die Emissionen oft deutlich höher als im Labor – das hatten Messungen in Frankreich auch für Renault-Modelle gezeigt.

Die Rechtsvorschriften lassen den Herstellern Grauzonen: Unter bestimmten Bedingungen ist es nach EU-Recht etwa zulässig, die volle Reinigung der Abgase in einigen Situationen auszusetzen. Eine solche Abschalteinrichtung darf etwa genutzt werden, um bei niedrigen Temperaturen empfindliche Bauteile zu schonen. Umweltverbände kritisieren dies jedoch als Schlupfloch. Ab Herbst sollen schrittweise neue Regeln für realistischere Zulassungstests greifen.

Die Behörden in Frankreich prüfen im Fall Renault den Verdacht einer Täuschung der Verbraucher über die zentralen Eigenschaften des gekauften Produkts. Dafür kann eine Strafe von bis zu zehn Prozent des durchschnittlichen Umsatzes der letzten drei Jahre drohen. Der Bericht soll die mögliche Maximalstrafe für Renault auf 3,58 Milliarden Euro beziffern.

Analysten der Großbank Societe Generale sahen nach den Enthüllungen aber keinen Anhaltspunkte dafür, dass Renault tatsächlich rechtliche Konsequenzen drohen. “Es war lange ein schmutziges kleines Geheimnis der Industrie, dass alle Autobauer mit dem System spielen, und die Behörden haben ihnen weiten Spielraum gegeben”, schrieben sie in einer Studie. “Wir glauben nicht, dass Renault gegen das derzeitige Recht verstoßen hat (…).”

Für das Image des Konzerns könnten die Vorwürfe dennoch zur Belastung werden. Dabei hat Renault wirtschaftlich ein gutes Jahr hinter sich: Der Gewinn legte um 21 Prozent auf 3,4 Mrd. Euro zu. Bei Elektroautos gilt Renault in Europa als Vorreiter. Das Unternehmen verweist zudem darauf, dass es seit Mitte 2015 bereits Schritte ergriffen hatte, um bei den realen Emissionswerten besser zu werden.

Eine klare Antwort auf die Frage, ob Renault in der Abgasfrage echte Probleme drohen, dürften letztlich nur die Ermittlungen bringen. Und die könnten sich angesichts der technischen Komplexität hinziehen. Manager Bollore sagte, dass Renault bisher noch gar nicht von den Ermittlungsrichtern kontaktiert worden sei.

(APA/dpa)



Kommentare 0

Vă mulțumim pentru comentariul dumneavoastra. - comentariul va fi verificat de catre un editor si numai in cazul aprobarii va aparea pe site.

 
 
1000
/1000 Zeichen übrig
Mehr auf austria.com
Miet-Richtwerte steigen mit 1. April
Mit 1. April steht die nächste Erhöhung der Miet-Richtwerte an. Zwei Drittel der Haushalte, die diesem Mietensystem [...] mehr »
KTM revidierte Gewinn für 2016 um rund 5 Mio. Euro nach oben
Die KTM Industries-Gruppe von Stefan Pierer (früher Cross Industries) hat den Gewinn für 2016 um knapp 5 Mio. Euro [...] mehr »
Foglar rechnet mit Einigung auf Mindestlohn und Arbeitszeit
ÖGB-Präsident Erich Foglar zeigt sich zuversichtlich, dass sich die Gewerkschaft mit der Wirtschaftskammer auf einen [...] mehr »
Rupprechter erwägt höhere Steuern für Dieselautos
Käufer von Dieselautos müssen in Zukunft wohl damit rechnen, vom Staat verstärkt zur Kassa gebeten zu werden. [...] mehr »
Ryanair-Chef sieht kaum Chancen für Air Berlin und Eurowings
Der Chef des irischen Billigfliegers Ryanair sieht für die Zukunft der Lufthansa-Tochter Eurowings und der [...] mehr »
Mehr Meldungen »
Werbung

Make-up-Trends: Smokey Eyes und heller Teint

New York Fashion Week startete mit zahlreichen Stars

Manfred Bauman bringt ein Stück Hollywood zur Photokina nach Köln

Bundespräsident Van der Bellen empfing Arnold Schwarzenegger in Wien

Beyoncé erfüllt einem Fan den letzten Wunsch

Pop-Legende Elton John wird 70

Werbung

Sie sind bei Facebook? Wir haben etwas Besonderes für Sie ...

Wenn Sie jetzt Ihren Facebook-Account mit %s verknüpfen, haben Sie einfachen Zugang zur beliebten Kommentar-Funktion auf %s, können Artikel einfach mit Ihren Freunden teilen - und auch selbst Fotos und Artikel auf %s hochladen.

{username}


Passwort vergessen?
{username}

Bitte max. 32 Zeichen verwenden

Ihren Benutzernamen können Sie hier ändern. Wir schlagen vor, dass Sie Ihren richtigen Namen verwenden, um an Diskussionen teilzunehmen.

Muss eine gültige E-Mail-Adresse sein

Benachrichtigungen und Newsletter (falls gewollt) werden an diese Emailadresse versendet. Ihre Privatsphäre ist uns wichtig

{username}%s antworten

OK, {username} - nun ist alles eingerichtet.

OK

Der Benutzer mit dem Sie sich einlochen wollen ist noch nicht aktiviert. Bitte klicken Sie auf den Aktivierungslink den wir Ihnen an %s gesendet haben. Aktivierungsmail erneut schicken OK

Anmeldung

Bei Facebook?

Sie können Ihren Facebook-Account zum Anmelden verwenden:

Mit Facebook verbinden



Passwort vergessen?
Neu registrieren

Werbung