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Zehn Tote in München – Rätsel über das Motiv des Attentäters

Zehn Tote in München – Rätsel über das Motiv des Attentäters © AFP
Nach Angaben des Münchner Polizeipräsident Hubertus Andrä gibt es bei der Bluttat von München keinen Hinweis auf einen Bezug zur Terrormiliz IS. Es gebe vielmehr Hinweise auf einen Amok- Hintergrund. Das erklärte Andrä am Samstag bei einer Presskonferenz. Es gebe zudem keine Hinweise auf mehr als einen Täter. Tat und Täter hätten überhaupt keinen Bezug zu Thema Flüchtlinge. Der Täter sei 18 Jahre alt und in München geboren. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung seien Unterlagen zum Thema Amok gefunden worden.

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Bei dem Täter von München soll es sich nach Informationen von Spiegel Online um einen 18-jährigen Deutsch-Iraner namens David S. gehandelt haben. Die Ermittler gehen davon aus, dass der junge Mann sich selbst getötet hat. Er soll im Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) im Norden Münchens neun Menschen erschossen haben.

Ermittler finden Unterlagen zum Thema Amoklauf

Der Attentäter von München soll sich viel mit Computer-“Ballerspielen” beschäftigt und den Attentäter des Amoklaufs von Winnenden verherrlicht haben. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Samstag aus Sicherheitskreisen. 2009 hatte ein 17-Jähriger an seiner früheren Realschule in Winnenden bei Stuttgart und auf der Flucht 15 Menschen und sich selbst getötet.

Aus den Sicherheitskreisen hieß es weiter, der Attentäter von München soll Probleme in der Schule gehabt haben. Er sei in Deutschland groß geworden, seine Eltern seien in den 90er Jahren in die Bundesrepublik gekommen. Die Motive für die Bluttat seien noch unklar. Nach ersten Erkenntnissen sei der junge Mann bisher nicht im Zusammenhang mit politisch motivierter Kriminalität in Erscheinung getreten. Es werde aber in alle Richtungen ermittelt.

Spezialkommando stürmt Wohnung

Noch in den Nachtstunden hatte ein Spezialeinsatzkommando eine Wohnung in der Münchner Maxvorstadt gestürmt, angeblich soll der junge Mann dort gewohnt haben, bei seinen Eltern. Laut “Spiegel” handelt es sich um eine gute Wohngegend.

Bestätigt ist das noch nicht. Die Wohnung, in der die Durchsuchung stattfand, liegt in dem Viertel nördlich der Münchner Altstadt und nur wenige Kilometer vom Tatort entfernt. Das mehrstöckige Wohnhaus ist weiträumig abgesperrt, Ermittler trugen Kartons aus dem Haus. Sie waren auf der Suche nach dem Motiv. Bisher liegen keine Erkenntnisse vor, dass der mutmaßliche Täter Bezüge zu extremistischen Szenen hatte.

Polizei geht von Amoklauf aus

Erst mal gehen die Fahnder daher von einer Amoklage aus. Auch während der Stunden der Angst in München sprach die Polizei mehrfach von einem möglichen Amoklauf – aber zwischenzeitlich auch von einem möglichen terroristischen Hintergrund.

Der US-Fernsehsender CNN zitiert zwei mutmaßliche Zeugen der Tat – deren Aussagen zum möglichen Motiv des Täters sich allerdings widersprechen. So sagte eine nach eigenen Angaben muslimische Frau, die zum Tatzeitpunkt im Schnellrestaurant gewesen sein will, sie habe gehört, dass der Täter “Allahu Akbar” gerufen habe – “Gott ist groß”. Ihr Sohn sei auf der Toilette des McDonald’s-Restaurants gewesen und habe gesehen, wie der Täter dort eine Pistole geladen habe. Anschließend sei er herausgekommen und habe auf Kinder gezielt.

Szenen wie im Videospiel

Was dann folgt, könnte eine Szene aus einem Computerspiel sein: Der Schütze, bekleidet mit einem schwarzen T-Shirt mit weißer Schrift, dunklen langen Hosen und Schirmmütze, tritt auf die Straße, stellt sich breitbeinig auf, legt an und beginnt dann mit einer Pistole auf Passanten zu schießen.

In einem Video, das offenbar aus einem benachbarten Wohnblock aufgenommen wurde, sieht man den mutmaßlichen Täter auf dem obersten Deck eines Parkhauses stehen. Ein Anwohner beschimpft ihn von seinem Balkon aus und gerät so in einen Dialog mit ihm.

Dialog mit mußmatlichem Täter

Er habe sich eine Waffe kaufen müssen, sagt der mutmaßliche Täter. “Ich bin Deutscher.” Er sei hier geboren, in einer “Hartz-IV-Gegend” aufgewachsen und “in stationärer Behandlung” gewesen. Außerdem ist der Ruf “Scheiß Türken” zu hören – ob vom mutmaßlichen Täter oder einem anderen Anwohner, ist unklar.

Ein anderer mutmaßlicher Zeuge berichtete CNN, er habe gehört, wie der Täter geschrien habe, er sei Deutscher und werde Ausländer umbringen. Bei “Spiegel Online” meldete sich ein Mann, der nach eigener Aussage zur Tatzeit in einem angrenzenden Geschäft einkaufen war und neben mehreren Schüssen auch die Schreie “Mir ist alles egal” und “Ich töte euch alle” gehört hat.

München noch immer unter Schock

Am Morgen danach steht München noch immer unter Schock: Ein 18-Jähriger hat am Olympia-Einkaufszentrum im Norden der Stadt neun Menschen erschossen und 16 weitere verletzt. Die Polizei sprach am Freitagabend zunächst von einer Terrorlage, die Stadt befand sich im Ausnahmezustand. Doch ob es wirklich ein Anschlag mit politischen Bezügen oder ein Amoklauf des Deutsch-Iraners war, ist völlig offen. Der junge Mann kann nicht mehr befragt werden, denn er tötete sich selbst. Die Polizei geht inzwischen davon aus, dass er als Einzeltäter handelte.

Die Spurensuche am Tatort ging auch am Samstagmorgen weiter, das Gebiet um das Einkaufszentrum war weiträumig abgesperrt. Im Stadtteil Maxvorstadt durchsuchte die Polizei am Morgen ein Haus. Nicht bestätigen wollte die Polizei zunächst, dass der Einsatz der Wohnung des Täters oder der Wohnung von dessen Vater galt. Einzelheiten zum Ermittlungsstand wollte die Polizei im Laufe des späten Vormittags mitteilen.

Innenminister ordnet Trauerbeflaggung an

Das bayerische Kabinett wollte zu einer Sondersitzung zusammentreten. Ministerpräsident Horst Seehofer zeigte sich “tief erschüttert”. Die “brutale und menschenverachtende Tat” erfülle alle “mit Trauer und Schrecken”. Bundesinnenminister Thomas de Maizière wollte sich am Vormittag mit den Spitzen von Verfassungsschutz, BND und BKA in Berlin zu einer Lagebesprechung treffen und anschließend an einer Sitzung des Bundessicherheitskabinetts teilnehmen. Der CDU-Politiker ordnete Trauerbeflaggung in ganz Deutschland an.

Der 18-Jährige hatte die ersten Schüsse aus einer Pistole am frühen Abend in einem Schnellrestaurant abgegeben, anschließend schoss er auch an dem Einkaufszentrum und ergriff die Flucht. Eine Zivilstreife stellte ihn und schoss auf ihn. Unklar bliebt zunächst, ob der Täter dabei auch getroffen wurde. Seine Leiche wurde etwa einen Kilometer vom Einkaufszentrum entfernt in einer Nebenstraße gefunden. Dort wurde auch eine Pistole sichergestellt.

Hintergründe und Motiv weiterhin unklar

Am Freitagabend war zeitweise nach drei möglichen Tätern mit Gewehren gefahndet worden. Weiter ungeklärt waren am Samstagmorgen die Hintergründe der Bluttat und das Motiv. Münchens Polizeipräsident Hubertus Andrä sagte am Morgen: “Wir gehen momentan von einer Schießerei aus.” Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund gibt es bisher nicht.

Der Täter soll zuletzt mehrere Jahre in München gelebt haben. Der Polizei war er bisher noch nicht aufgefallen. Sie bestätigte, dass es sich bei einem Mann, der auf einem im Internet kursierenden Video auf einem Parkdeck zu sehen ist, um den Täter handeln könnte. Polizeipräsident Andrä rief die Bevölkerung auf, den Ermittlern mögliche weitere Handy-Videos vom Tatort zur Verfügung zu stellen.

Polizei rief “Amoklage” aus

Nach den Schüssen am Olympiazentrum war in manchen Teilen der Stadt Panik ausgebrochen in Teilen der Stadt. Das Hauptaugenmerk habe nach den Schüssen vor allem darauf gelegen, die Sicherheit in München zu gewährleisten, sagt Andrä. Darum warnte die Polizei am Freitagabend vor einer “akuten Terrorlage”, die Landeshauptstadt rief den “Sonderfall” wegen einer “Amoklage” aus. Und: Die Polizei forderte die Anti-Terror-Einheit GSG 9 des Bundes und Spezialeinheiten aus mehreren anderen Bundesländern an.

Öffentliches Leben stand für Stunden still

Der öffentliche Nahverkehr – U-Bahnen, Busse und Straßenbahnen – wurde in der Stadt für mehrere Stunden komplett eingestellt, auch der Zugverkehr stand still. Der Münchner Hauptbahnhof wurde evakuiert, Ärzte und Schwestern wurden in die Krankenhäuser gerufen. Restaurants in der Innenstadt schlossen aus Sicherheitsgründen.

Mehrere Fehlalarme und Gerüchte im Internet sorgten für zusätzliche Angst auf den Straßen. Unklar war anfangs, ob es in der Innenstadt eine weitere Attacke gab. Auch dort rückten schwer bewaffnete Polizisten aus, nachdem Menschen schreiend und in Panik geflohen waren. Ein Polizeisprecher sagte später, zahlreiche Hinweise per Notruf über Schusswechsel an anderen Stellen der Stadt hätten sich nicht bestätigt.

Soziale Medien bieten Hilfe

Die Landeshauptstadt forderte die Bürger nach den Schüssen zunächst per Smartphone-Warnsystem Katwarn auf, ihre Wohnungen nicht zu verlassen. Facebook aktivierte den “Safety Check” (“Sicherheitscheck”) für München. Damit können Bewohner darüber informieren, dass sie in Sicherheit sind. Etliche Münchner twitterten den Hashtag #OffeneTür, um anderen Menschen Unterschlupf zu gewähren.

Vor Journalisten sprach Polizeipräsident Andrä vom bisher schwersten Tag seiner Karriere. “Das Geschehen von gestern Abend und heute Nacht macht uns traurig, sprachlos, und die Gedanken sind insbesondere jetzt auch bei den Opfern”, sagte er.

Bundespräsident Gauck zeigte sich bestürzt

Bundespräsident Joachim Gauck äußerte sich bestürzt: “Der mörderische Angriff in München entsetzt mich zutiefst.” In Gedanken sei er bei allen Opfern und bei allen, die um einen geliebten Menschen trauerten oder fürchteten. Kanzleramtsminister Peter Altmaier sagte im ZDF: “Wir dürfen nicht zulassen, dass die Terroristen ihr Ziel erreichen, nämlich unsere Gesellschaft zu verunsichern.”

Kabinettssitzungen in München und Berlin

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer ordnete nach dem Attentat für Samstag Trauerbeflaggung an allen staatlichen Dienstgebäuden an. Für diesen Samstag (11.00) berief der Regierungschef eine Sondersitzung seines Kabinetts ein. In Berlin sollte das Bundessicherheitskabinett am Samstag tagen. Ihm gehört auch Innenminister Thomas de Maizière (CDU) an – er unterbrach bereits zum zweiten Mal in dieser Woche seinen Urlaub, um am Samstag nach München zu kommen. Schon nach dem Axt-Angriff von Würzburg war er zurückgekehrt. “Es ist schrecklich und gänzlich unfassbar, was in München passiert ist”, sagte de Maizière.

Axt-Attacke in Würzburg

Es ist bereits die zweite schwere Gewalttat in Deutschland innerhalb weniger Tage. Erst am Montagabend hatte ein 17-jähriger Flüchtling mit einer Axt und einem Messer vier Touristen aus Hongkong in einem Regionalzug bei Würzburg schwer verletzt. Einsatzkräfte erschossen den Jugendlichen. Diese Tat soll einen islamistischen Hintergrund haben.

(dpa)



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