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“Sekundärverfahren”: Niki hat in Österreich Konkursverfahren beantragt

Niki hat in Österreich ein Konkursverfahren beantragt Niki hat in Österreich ein Konkursverfahren beantragt - © AFP
Parallel zur in Deutschland anhängigen Insolvenzcausa hat die österreichische Air-Berlin-Tochter Niki Luftfahrt GmbH in Österreich ein Konkursverfahren beantragt.

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Niki hat den Antrag für ein derartiges “Sekundärverfahren” nach Angaben der Gläubigerschutzverbände KSV1870 und AKV am Donnerstag über den vorläufigen Insolvenzverwalter gestellt.

Österreichisches Insolvenzverfahren als “schadensminimierende Lösung”

Der Antrag ging an das für den Flughafen Wien-Schwechat als Unternehmenssitz zuständige Landesgericht Korneuburg (NÖ). Das Gericht prüfe diesen Antrag derzeit, doch sei mit einer kurzfristigen Entscheidung über eine Eröffnung des Verfahrens zu rechnen, heißt es. Der KSV1870 begrüßt diese Entwicklung, da ein österreichisches Insolvenzverfahren eine “schadensminimierende Lösung” ermöglichen könne.

Gemäß den vorgelegten Unterlagen wären vom heimischen Insolvenzverfahren laut AKV 58 Gläubiger und laut KSV1870 56 inländische Gläubiger mit zusammen 1,3 Mio. Euro an Forderungen betroffen. Die aktuellen Vermögensverhältnisse des Schuldnerunternehmens müssen im Zuge eines Verfahrens aber erst überprüft werden, heißt es. Im Hinblick auf die gebotene Verwertung des Vermögens, auch der österreichischen Assets, soll das Verfahren als Konkursverfahren geführt werden. Laut Niki soll es in weiterer Folge zu einer übertragenen Sanierung kommen.

Streit um die Zuständigkeit

Der Insolvenzantrag von Niki auch in Korneuburg/Niederösterreich war für heute erwartet worden. Der in Deutschland für Niki bestellte vorläufige Insolvenzverwalter Lucas Flöther hatte ein zweites Insolvenzverfahren in Österreich angekündigt, um den bereits ausverhandelten Kaufvertrag mit IAG/Vueling abzusichern.

Niki war – nach der Mitte August von ihrer Mutter Air Berlin beantragten Insolvenz – ebenfalls in die Zahlungsunfähigkeit geschlittert, nachdem ein rascher Verkauf von Niki bzw. ihren Assets (Flugrechten) an Bedenken der EU-Wettbewerbsbehörde gescheitert war. Die British-Airways-Mutter IAG will trotz des vor deutschen Gerichten laufenden Rechtsstreits um die Insolvenz-Zuständigkeit – Deutschland (Berlin) oder Österreich – am Kauf von Niki-Teilen festhalten. Im Streit um die Zuständigkeit ist jetzt noch der deutsche Bundesgerichtshof am Zug. Denn am Montag hatte das Landgericht Berlin entschieden, dass nicht das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg für Niki zuständig sei, sondern Österreich.

 Fairplane sieht Sekundär-Insolvenzverfahren kritisch

Das Fluggastportal Fairplane dringt im Zusammenhang mit der Insolvenz der Fluglinie Niki auf die Eröffnung eines Hauptverfahrens in Österreich. Das nun vom vorläufigen Insolvenzverwalter Lucas Flöther beim Landgericht Korneuburg beantragte Sekundär-Insolvenzverfahren sei “teurer und komplizierter” als nötig, sagte Fairplane-Geschäftsführer Andreas Sernetz am Donnerstag in Wien. Im Interesse aller Beteiligten komme es nun auf schnelle Rechtssicherheit an, damit der Kauf von Niki durch die British-Airways-Mutter IAG wie geplant über die Bühne gehen könne. Sernetz geht davon aus, dass ein österreichischer Masseverwalter kein Interesse daran hätte, den Deal platzen zu lassen. “Kein Masseverwalter wird den Verkauf blockieren.”

Die österreichischer Air-Berlin-Tochter Niki hat laut Wiener Gläubigerschutzverbänden fristgerecht am Donnerstag in Österreich ein zweites Insolvenzverfahren beantragt. Zuvor hatte Flöther beim deutschen Bundesgerichtshof eine Beschwerde gegen ein Urteil des Landgerichts Berlin eingelegt, dass das Insolvenzverfahren in Österreich geführt werden müsse. Niki war – nach der Mitte August von ihrer Mutter Air Berlin beantragten Insolvenz – ebenfalls in die Zahlungsunfähigkeit geschlittert.

AUA-Chef: Bei Niki-Pleite “nichts Kriminologisches”

Rund um die Pleite von Air Berlin und Niki war “aus meiner Sicht als Insider da nichts Mysteriöses oder gar Kriminologisches dabei”, sagte AUA-Chef Kay Kratky im Gespräch mit der “Kleinen Zeitung”, auch wenn es schnell Verschwörungstheorien gebe. “Auch Lauda selbst ist sehr fantasiebegabt”, so Kratky. In Wahrheit sei die Entwicklung aber sehr lange absehbar gewesen. Auf die Frage, was man aus der Brüsseler Entscheidung gegen den Lufthansa-Entscheid lernen könne, sagte Kratky: “Dass die Welt ein Irrenstall ist”. Aus Kratkys Sicht wäre es für die Mitarbeiter besser gewesen, wenn Lufthansa Niki übernommen hätte, allerdings müssten sich die meisten Niki-Mitarbeiter keine Sorgen um ihren Job machen. “Hunderte” von ihnen seien zu den Rekrutierungstagen der AUA gekommen und “die meisten” hätten sich auch bei der AUA beworben, so Kratky laut “Kleine Zeitung”. In einer Aussendung von heute Donnerstag schreibt die AUA, sie suche “derzeit rund 200 Piloten, 300 Flugbegleiter und 100 Mitarbeiter für die Bereiche Technik und Boden”.

Start- und Landerechte (Slots) seien in Wien kein Problem, so Kratky unter Verweis auf die ungarische Luftlinie Wizz, die am Dienstag angekündigt hat, drei Flugzeuge in Wien zu stationieren. Wizz mache “einen fantastischen Job. Die schleppen halt nicht diese Erbschaften mit sich herum und operieren mit osteuropäischen Produktionsbedingungen. Der Wettbewerb durch solche Plattformen wird massiv zunehmen. Wizz ist nur der erste greifbare Gegenpol.”

Die deutlich niedrigeren Kosten bei Wizz seien für die AUA eine Herausforderung “wo wir in direkter Konkurrenz fliegen”. Dagegen werde mehr Qualität nicht reichen, “wir müssen Kosten anpassen, flexibler werden”, so Kratky. Das Angebot für einen neuen Kollektivvertrag verteidigt der AUA-Chef, der Widerstand des Betriebsrates sei Teil eines normalen Verhandlungsprozesses.

(APA/Red.)



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