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"Sin Nombre" – erschreckend realistisches Road-Movie

"Sin Nombre" – erschreckend realistisches Road-Movie
Es ist eine fremde, harte Welt, in die “Sin Nombre” den Kinozuschauer entführt. Es geht um Leben und Tod, um Brutalität und schier unfassbare Skrupellosigkeit – und um eine seltsame Art von Verbundenheit: zur Mara Salvatrucha, der größten Gang in Tapalucha, Mexiko.

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Hier werden schon Zwölfjährige für Verbrechen rekrutiert. Und einmal Mitglied gibt es kein Zurück mehr: “Der Schmerz geht, die Mara bleibt.” So wie die Tätowierungen, die – für jedermann sichtbar – zeigen, zu welcher Gang jemand gehört.

Hauptfigur von “Sin Nombre” ist der 18-jährige Willy (Edgar Flores), der sich als Gangmitglied nur El Caspar nennt. Er hat ein Problem: Sein Herz gehört nicht mehr der Mara sondern einem Mädchen. Und das weiß nicht, dass er der Handlanger von Lil Mago, dem lokalen Boss der Drogengang ist. Aus Liebe fällt Willy schließlich eine folgenreiche Entscheidung – und damit sein eigenes Todesurteil. Als Gejagter der eigenen Leute und der Mitglieder der verfeindeten Banden tut er sich mit Sayra (Paulina Gaitan) zusammen. Das junge Mädchen flüchtet mit nichts als ihrem Leben aus dem Elend, will ins Gelobte Land. Doch die reichen USA wissen sich vor den armen Flüchtlingen zu schützen. Wer dort Sicherheit finden will, muss alles riskieren.

“Du kannst alles erreichen, was Du willst – aber sicher nicht mit Gottes Hilfe, sondern an der Seite des Teufels.” Für Sayra ist dieser Teufel der abtrünnige Gangster Willy, mit dem sie Hunderte Kilometer zu Fuß, auf dem Dach eines Güterzuges oder durch Grenzflüsse schwimmend zurücklegt.

Der junge Kalifornier Cary Joji Fukunaga hat vieles von dem, was er in sein Regie-Debüt einbaute, hautnah selbst erlebt: Er drehte an Originalschauplätzen in Mexiko, fuhr 27 Stunden lang auf dem Dach eines der Züge gen Norden. Er nahm Kontakt zu Gang-Mitgliedern auf, einige von ihnen übernahmen Statistenrollen. Ein lebensgefährliches Unterfangen, wie der Fall seines Kollegen Christian Poveda zeigt: Dieser fiel nach Ende der Dreharbeiten zu seiner Dokumentation “La Vida Loca” vergangenen September selbst den Verbrechen, über die er berichten wollte, zum Opfer. Morde sind in Mexiko schlicht an der Tagesordnung.

Fakt ist, dass zur Mara Salvatrucha schätzungsweise 100.000 Männer, Frauen und Kinder gehören, und der Zustrom ist gewaltig. Denn in dem wirtschaftlich zerrütteten System vieler lateinamerikanischer Staaten bietet die Mara als Verbrecherorganisation Rückhalt und Sicherheit. Als Gegenleistung werden Mord, Vergewaltigung und Drogenhandel verlangt.

Der Film fängt die Atmosphäre von Bedrohung und Angst, aber auch die Faszination der Macht, die die Mara ihren Mitgliedern verleiht, spürbar ein. Fukunagas persönlicher Einsatz und seine künstlerische Leistung zahlten sich aus: Die Jury des Sundance Festivals zeichnete “Sin Nombre” für die beste Regie und die beste Kameraführung aus.

http://www.sinnombre-derfilm.de



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