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"Sog des Wasserfalls": Wolfgang Rihm-Show vor Dionysos-Uraufführung

"Sog des Wasserfalls": Wolfgang Rihm-Show vor Dionysos-Uraufführung
Salzburg-Stadt – Man muss Kunst auch verkaufen können. Wolfgang Rihm, der in seinen 58 Jahren ein riesiges Oeuvre geschaffen hat, ist nicht nur einer der meistgespielten Komponisten der Gegenwart. Rihm ist zudem glänzender Entertainer, wie am Dienstag, am Tag der Uraufführung von Rihms brandneuer Oper “Dionysios” zu erleben war.

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Komponist und Text-Autor Rihm, Dirigent Ingo Metzmacher und Bühnenbildner Jonathan Meese versuchten bei einer Pressekonferenz auf ihren “Dionysos” einzustimmen.

Bereits vor 15 Jahren hat Rihm Metzmacher diese Oper versprochen. Vierzehneinhalb Jahre lang passierte aber nichts, wie Rihm schilderte: “All die Jahre hatte ich einfach zu viele Ideen im Kopf, die einander im Wege standen. Erst am 6. Dezember 2009 hab’ ich mich hingesetzt und alles, was bisher zum Thema Dionysos da war, gestrichen. Da hab ich plötzlich Frauen lachen hören. Von da an hat sich alles organisch wie von selbst ergeben und täglich klarere Gestalt angenommen. Danach hab ich die Oper stufenweise an den Dirigenten und den Regisseur weggegeben”, so Rihm, der diesen Prozess als “Glück und Gnade” bezeichnete und sich bei den Festspielen für die Organisation und die Finanzierung bedankte: “Gott sei Dank hat man mich von derartigen Niederungen verschont, sonst wäre ich wohl in eine Schreibblockade geschlittert”, so Rihm augenzwinkernd.

Friedrich Nitzsche und seine “Dionysos-Dithyramben” (altgriechische Lyrik zur hymnischen Verehrung des Gottes Dionysos, Anm.) stehen im Mittelpunkt dieser Opernfantasie. “Jedes Wort im Text stammt von Nietzsche. Alles habe ich in dieser Lyrik gefunden, mit der ich mich seit 30 Jahren beschäftige und wohl auch in Zukunft beschäftigen werde. Aber dennoch stammt der Text für die Oper – beides ist zeitgleich entstanden – von mir”, erklärte Rihm.

Ingo Metzmacher verwies auf die nach und nach entdeckte Leichtigkeit in diesem Stück und auf den Sog, der besonders im Schlussbild entsteht. “Das ist, als stünde man im Zentrum eines Wasserfalls, dort kippt das Stück ins Existenzielle. Da brechen plötzlich neue Klangwelten herein.”

Der Bühnenbildner, Maler-Jungstar und selbst ernanntes Mammabuberl (Mutterbübchen, Anm.) Jonathan Meese gab sich perplex, wie Regisseur Pierre Audi alles zusammengeklebt hat. “Aber nicht mit Gedanken, die sind zu träge für die Oper, nein, ausschließlich mit Spucke. Das ist ein großer Wurf, und ich bin das Gewürz. Die Kunst muss an die Macht, aber man muss demütig der Sache dienen und von sich selbst absehen. Ich habe alles laufen lassen. Wenn das Geilste kommt, muss man es willkommen heißen. Das ist alles ja so sexuell. Ich sehe Öffnungen, Münder, Speichel und Sperma. Der Druck wird so groß, dass es zur Explosion kommt. Man kann Kunst durch die Vergangenheit nicht bestechen”, so Meese, der das Amüsant-Skurrile in die insgesamt unterhaltsam-griffige Pressekonferenz mischte.



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