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Sündiges Wien: Auf den “Wegen der Lust” durch die Stadt streifen

In den Durchhäusern der Wiener Innenstadt bedienten Prostituierte ihre Freier. In den Durchhäusern der Wiener Innenstadt bedienten Prostituierte ihre Freier. - © VIENNA.at Holzinger
von Lea Luna Holzinger - Bei der Stadtführung “Josefine Mutzenbacher – auf den Wegen der Lust im Alten Wien” lernt man die Wiener Innenstadt von einer etwas anderen Seite kennen. Der Spaziergang führt vorbei an einem Bordell aus der Römerzeit, dem ehemaligen “Schnepfenstrich” am Kohlmarkt und endet am Hohen Markt, wo Prostituierte im Mittelalter an den Pranger gestellt wurden.

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“Ich werde mir kein Blatt vor den Mund nehmen”, meint Fremdenführerin Alexandra Stolba zu Beginn des Stadtspaziergangs. In den folgenden zwei Stunden wird sie durch das sündige Wien führen. Ihre Ankündigung macht sie dabei war: Sie erzählt von den ersten Kondomen und von Bordellen im Mittelalter. 16 Interessierte – 14 Frauen und zwei Männer – sind gekommen, um das alte Wien einmal von einer anderen Seite kennenzulernen.

VIENNA.at Holzinger Fremdenführerin Alexandra Stolba führt durch das lustvolle alte Wien. (c) VIENNA.at / Holzinger ©

Auf den Spuren von Wiens bekanntester Dirne

Die Geschichte der Josefine Mutzenbacher zieht sich wie ein roter Faden durch die Stadtführung. Dabei handelt es sich bei “Wiens bekanntester Dirne”, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts an die 33.000 Liebhaber gehabt haben soll, um eine fiktive Gestalt. Ihre “Memoiren” wurden von Felix Salten verfasst, jenem Autor, der auch das bekannte Kinderbuch “Bambi” schrieb. Entstanden sind die Memoiren Mutzenbachers im Café Griensteidl. Dort, am Michaelerplatz, nimmt auch der Stadtspaziergang seinen Anfang.

Vom römischen Bordell zum Schnepfenstrich

Am Michaelerplatz sind auch Ausgrabungen aus der Römerzeit zu sehen. Fremdenführerin Stolba weist darauf hin, dass sich hier vermutlich ein römisches Bordell befand. Weiter geht es auf den Kohlmarkt. Wo sich heute ein Designergeschäft an das nächste reiht, standen bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts Prostituierte am sogenannten Schnepfenstrich und boten ihre Dienste an.

VIENNA.at Holzinger Am Kohlmarkt befand sich der “Schnepfenstrich”. (c) VIENNA.at / Holzinger ©

Von Badestuben und Speckschwarten als Gleitmittel

Alexandra Stolba führt weiter in die Neubadgasse. Hier befanden sich im Spätmittelalter sogenannte Badestuben. In diesen Badestuben, die teilweise für beide Geschlechter offenstanden, ging es heiß her. Mit dem Aufkommen von Syphilis im 15. Jahrhundert wurden die Badestuben geschlossen. Die düsteren Seiten der Sexualgeschichte des alten Wiens streift Stolba jedoch nur kurz. Der Fokus dieses Stadtspaziergangs soll auf lustigen Geschichten liegen. So zum Beispiel auf jener über die ersten Kondome. Präservative waren im 18. Jahrhundert aus Stoff oder aus Gedärmen von Tieren gefertigt. Außerdem rieben sich die Männer vor dem Geschlechtsverkehr mit einer Speckschwarte ein – dies diente unter anderem als Gleitmittel. Zur Zeit von Josefine Mutzenbacher wurden dann schon Kondome aus Kautschuk verwendet.

Stolba spart bei ihren Ausführungen nicht mit pikanten Details. Sie erklärt, dass die Kondome nach der Benutzung gewaschen, auf spezielle Trockengestelle gespannt und mehrfach wiederverwendet wurden.

VIENNA.at Holzinger Auf den Spuren von Josefine Mutzenbacher. (c) VIENNA.at / Holzinger ©

“Fensterhennen” in der Wiener Innenstadt

Im Haarhof in der Wiener Innenstadt erzählt Stolba von den “Fensterhennen”. Dabei handelte es sich um Prostituierte, die um 1900 in den Fenstern ihre “Ware” anboten. Prostituierte in den Straßen der Wiener Innenstadt machten potenzielle Freier mittels Hebens ihres Rockes auf sich aufmerksam.

Stolba führt zurück ins Mittelalter und weiter zum Platz am Hof. Dort wurden im Mittelalter Turniere abgehalten. Der Preis für die Sieger waren Prostituierte, erklärt die Fremdenführerin.

Fiaker als fahrende Stundenhäuser

Stolba macht auch Ausführungen zu den Stundenhäusern Wiens: Männer, die sich kein Stundenhotel leisten konnten, nutzten zur Zeit Mutzenbachers im 19. Jahrhundert Kutschen als fahrende Stundenhäuser.

VIENNA.at Holzinger Wiens Kutschen wurden früher auch als fahrende Stundenhäuser genutzt. (c) VIENNA.at / Holzinger ©

Für die Teilnehmer der Stadtführung geht es weiter zur Kurrentgasse, wo sich ein Bordell der Deutschen Wehrmacht befand. Die Führung endet am Hohen Markt. Dort wurden im Mittelalter Prostituierte an den Pranger gestellt.

Die dunklen Seiten des lustvollen Wiens

Zum Abschluss der Tour geht Stolba auf die dunklen Seiten der Prostitution im alten Wien ein. Noch im 18. Jahrhundert unter Maria Theresa wurden Prosituierte als Bestrafung gezwungen, leicht bekleidet die Straßen zu fegen. Laut Stolba würden die negativen Seiten der Prostiution in den Memoiren Mutzenbachers ausgeblendet. Der Autor konzentriere sich auf eine heitere Sprache und lasse unangenhme Themen wie beispielsweise Abtreibung außen vor.

Stolba entlässt die Teilnehmer des Stadtspaziergangs mit einem neuen Blick auf die Wiener Innenstadt.

Information zur Veranstaltung

Die Stadtführung “Josefine Mutzenbacher – auf den Wegen der Lust im Alten Wien” basiert auf den Recherchen von Anna Ehrlich. Die Führung wird von “Wienfuehrung” organisiert. Sie findet ganzjährig jeden Samstag um 14 Uhr und zusätzlich von April bis Oktober jeden Dienstag um 14 Uhr statt.

Die Teilnahme ist ohne Anmeldung möglich. Treffpunkt ist Michaelerplatz Mitte, gegenüber der Kirche. Weiter Informationen auf www.wienfuerung.com

(Red.)



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